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Normale Version: Zeitgemässer Lehrplan oder antiautoritärer Retro?
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Sogar der Präsident der Wirtschaftsorganisation Swissmem kolportiert inzwischen das Märchen vom „zeitgemässen“ Lehrplan 21. Die D-EDK beansprucht für sich die Deutungshoheit, was „gute Schule“ sei. In ihren „Grundlagen“ zum Lehrplan 21 wird das „selbstgesteuerte Lernen“ als alleinige (!) zeitgemässe und „moderne“ Methode dargestellt.

Eine kurze Internetrecherche ergibt Erstaunliches: Während der Zeit der Reformpädagogik in den zwanziger Jahren des letzten Jahrhunderts gründet A. S. Neill die Reformschule „Summerhill“, in der die Schüler nach dem Prinzip des „selbstregulierten Lernens“ selbst bestimmen konnten, wie wann und ob sie etwas lernen wollen (die Begriffe „selbstreguliertes“ und „selbstgesteuertes“ Lernen bezeichnen dieselbe Methode). In der 1968er wurde „Summerhill“ als Chaosschule berühmt-berüchtigt und zum Hype der „Antiautoritären Erziehung“. Mittlerweile sind die Exzesse der grenzenlosen Freiheit selbst im Sexuellen, die in den antiautoritären Vorzeigeschulen stattfanden, bekannt geworden.

Der Präsident von Swissmem behauptet, ohne den Einheits-Lehrplan 21 (mit seiner internationalen OECD-Ausrichtung) würde die Volksschule „paralysiert“. Die Volksschule müsse die Schüler „optimal“ auf den Einstieg ins Berufsleben vorbereiten. Swissmem möchte, dass die Bildungsziele laufend (!) an die arbeitsmarktlichen Realitäten angepasst werden. Bisher konnte sich die Schweizer Wirtschaft nur dank herausragenden Spitzenleistungen ihrer Berufsleute im internationalen Wettbewerb behaupten. Plant Swissmem mit „optimal“ bereits eine Absenkung der Bildungsqualität auf die mit dem Lehrplan 21 vorgesehenen Mindeststandards? Meint Swissmem mit der Anpassung an arbeitsmarktliche Realitäten, die Heranbildung von billigen Arbeitskräften bei schwachen Konjunkturaussichten?

Ganz anders sieht es der Schweizer Staatssekretär für Bildung, Forschung und Innovation. Für ihn ist die heute international anerkannte Stärke des Schweizer Bildungssystems eine Folge davon, dass die Schweiz nie eine national gesteuerte Bildungspolitik (Anmerkung: wie sie mit dem Einheits-Lehrplan 21 eingeführt werden soll) gehabt hat. Das habe uns erlaubt, eine Vielfältigkeit zu bewahren und das Potenzial, innovativ zu bleiben und unwiderrufliche Fehler vermeiden zu können. Wie wankelmütig der bildungspolitische Zeitgeist sei, zeige die Entwicklung des in der Bildungsverfassung 2006 zentral festgelegten Harmonisierungsgebots (Harmos) und die heutzutage mehr von Skepsis als von Begeisterung geprägte Diskussion um Volksschullehrpläne.

Der Lehrplan 21 erfüllt die berechtigten Forderungen der Lehrbetriebe nach einer genügenden Grundbildung in keiner Weise. Schon heute stellen KMUs fest, dass viele Jugendliche nach der Volksschule nicht ausreichend gerüstet sind, um eine Berufsausbildung absolvieren zu können. Dies ist die Folge davon, dass in vielen Kantonen in der Volksschule bereits mit LP21-Lehrmitteln gearbeitet und Junglehrer an den Pädagogischen Hochschulen auf den LP21 getrimmt werden.