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Normale Version: Leserbrief: Leitstern statt Kursbuch
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Leitstern statt Kursbuch



Wenn eine erfahrene Pädagogin Alarm schlägt, ist es höchste Zeit, sich ernsthaft darüber Gedanken zu machen, wohin die (Bildungs-)reise geht. Zu Recht und trefflich beschrieben, warnt Laura Saia davor, wie der Lehrplan 21 den Begriff der Bildung in eine Richtung lenkt, die „Menschen zu für den Markt kompetenten Wesen“ formt. Menschen also, die nur noch automatisch und roboterhaft funktionieren. Wollen wir das wirklich?


Die Schule ist heute noch die einzige Klammer, die in einer zunehmend auseinanderdriftenden „Ich-AG-Erwachsenen-Gesellschaft“ wenigstens den jungen Menschen im gemeinsamen Unterricht noch humanistische Werte zu vermitteln vermag. Die eben genau nicht lehrt, dass im künftigen Leben zuerst Profit und Eigennutz zählen.


Diese Schule benötigt darum dringender denn je einen Leitstern, der mit ihren Lehrerinnen und Lehrern Wärme ausstrahlt und Menschlichkeit vermittelt. Aber sie braucht keine gefühlskalten Vorgaben und katalogisierten Anleitungen, wie und wo Informationen abzuholen und Vorgänge einzuordnen sind. Gegenwart und Zukunft stellen uns vor Herausforderungen, die nicht mit einem dicken Kursbuch zu bewältigen sind, sondern nur mit Mitgefühl und Menschlichkeit.


Max Knöpfel, Pfäffikon (ZH)
Sekundarlehrer
Wenn Klassen von zu vielen Lehrerinnen und Lehrern unterrichtet werden, ist es für viele Schüler schwierig, die nötige Geborgenheit in stabilen Lernbeziehungen zu finden.
Es mag für teilzeitlich arbeitende Lehrpersonen angenehm sein, den Beruf zwar professionell, aber ohne die volle Verantwortung für die Kinder auszuüben.
Die Entwicklung vom Lehrerberuf weg in Richtung Teilzeitjob ist leider in vollem Gang. Zudem verschiebt sich der Lehrerberuf vom eigentlichen Lehrer zum Moderator.
So wie es bei den Ärzten zu viele Fachärzte, aber zu wenig Hausärzte gibt, ist es bei den Lehrpersonen. Wo bleiben die Klassenlehrpersonen, die die volle Verantwortung für eine Klasse übernehmen möchten? Jetzt meint man, mit einer genau vorgeschriebenen Steuerung der Bildungsprozesse könne man alles in den Griff kriegen. Der Lehrplan 21 weckt neue Illusionen, die uns noch teuer zu stehen kommen.
Wer hat diese verhängnisvolle Entwicklung eingeleitet? Die Frage ist hoch politisch. Die Antwort wäre interessant.