Das offene Schulforum

Normale Version: Leserbrief: Bildungsausgaben genauer hinterfragen
Sie sehen gerade eine vereinfachte Darstellung unserer Inhalte. Normale Ansicht mit richtiger Formatierung.
Bildungsausgaben genauer hinterfragen


Mehr Geld für die Bildung entspricht meinem Credo, aber es gilt auch der Umkehrsatz: Mehr Bildung fürs Geld. Für die Führung eher kleiner Klassen und Halbklassenunterricht in einzelnen Fächern sind Investitionen sinnvoll. Auch die Lehrerlöhne müssen konkurrenzfähig bleiben. Anderseits darf man ruhig hinterfragen, ob der riesige Aufwand für gewisse fragwürdige gesellschaftliche Ansprüche gerechtfertigt ist. Dazu gehören der ineffiziente frühe Unterricht in zwei Fremdsprachen oder die Integration verhaltensschwieriger Schüler in die Regelklassen. Was da an Geld für Stützkurse und für Stabilisierungsprogramme benötigt wird, fehlt andernorts. Doch wir machen fröhlich weiter: Der neue Lehrplan braucht teure Weiterbildungen der Lehrpersonen und einen ganzen Stab fürs aufwändige Controlling.

Begründet werden die Ausgaben stets mit der Behauptung, die Schule mache mit der Neuerung einen entscheidenden Fortschritt. Damit kommt man meist durch, auch wenn sich meist rasch herausstellt, dass die bewilligten Mittel nicht ausreichen, um die grossen Versprechungen einlösen zu können. Mit dieser Art von Bildungspolitik geben wir den Obersparern wunderbare Steilpässe, um bei der Bildung wirklich den Geldhahn zudrehen zu können.

Hanspeter Amstutz
Tisliacher 23
8320 Fehraltorf


Kommentar vom Admin: Sehr, sehr gut auf den Punkt gebracht Hanspeter!
Im Bildungswesen differenziert sparen

Hohe Ausgaben beim Bildungswesen führen nicht automatisch zu hoher Qualität. Dies zeigen Basel-Stadt und Genf, die mit den höchsten Bildungsausgaben der Schweiz dennoch Letzte in der Pisa-Studie sind. Die Schweiz hat seit Jahrzehnten ein international hochstehendes Bildungswesen, das die Grundlage für unsere Wirtschaft und unseren Wohlstand bildet. Es ist deshalb gefährlich, willkürlich oder linear den Sparhebel anzusetzen, insbesondere wenn dabei über Jahrzehnte aufgebaute und bewährte Institutionen und Fachdisziplinen mit  einem hervorragenden Leistungsausweis betroffen sind. Der Zeitgeist neigt dazu, von den Reformturbos und den Medien kräftigt gefördert, bewährte pädagogische Institutionen und Lehrmethoden als „ewiggestrig“ und „nicht zeitgemäss“ abzuqualifizieren.

Ein Beispiel sind die Therapien (Logopädie, Psychomotorik), über die in den Medien grober Unsinn, wie „sie hätten massiv zugenommen“ oder „Kinder würden unnötig therapiert“, verbreitet wird. Tatsache ist, dass rund 5 von 100 Kindern solche Therapien benötigen und dieses Verhältnis seit Jahren gleichgeblieben ist. In der Logopädie können rund 75% der Sprachschwierigkeiten ganz oder soweit vermindert werden, dass eine Therapie nicht mehr nötig ist. Bei den restlichen Kindern kann immerhin eine Verbesserung erzielt werden. Die Therapie ist bei diesen Kindern eine unverzichtbare Voraussetzung für den Erfolg in Schule und Ausbildung.

Im Bildungswesen sollte man in erster Linie bei den unnötigen und unsinnigen Reformprojekten, wie dem Lehrplan 21 sparen, die ohne wissenschaftlichen Erfolgsausweis und mit gescheiterten Reformutopien (Antiautoritäre Erziehung, Antipädagogik, Konstruktivismus) als Grundlage unser seit Jahrzehnten bewährtes Schulsystem vollständig umbauen wollen. Die Reformen wie Total-Integration, altersgemischtes Lernen, individualisierender Unterricht usw. haben alle das gleiche Ziel wie der Lehrplan 21, nämlich das „selbstorganisierte Lernen“. Mit ihm sollen der Klassenunterricht und die Lehrer als Wissensvermittler abgeschafft werden. Die Reformprojekte blähen die Schulbürokratie und die Aus- und Weiterbildung auf und verursachen bereits seit Jahren Kosten in mehrstelliger Millionenhöhe, die nie bei den Schülern ankommen.