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Normale Version: Leserbrief: Schwer vergleichbare Zeugnisse
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Ich habe mich schon oft gefragt, wie aussagekräftige und gut vergleichbare Zeugnisse aufgrund des neuen Kompetenzenmodells des Lehrplans 21 aussehen könnten. Wohlweislich ist man dieser heiklen Aufgabe ausgewichen, obwohl einheitliche Zeugnisse ja ein Baustein einer koordinierten Bildung sein müssten. Nimmt man die individuelle Entwicklungsstufe eines Schülers in jedem einzelnen Fach als Ausgangsbasis für eine faire Bewertung, dann wird eine übersichtliche Vergleichbarkeit von Leistungen schwierig.

Die bisher vorliegenden Erfahrungen mit der komplizierten Bewertung der Teilkompetenzen in den Sprachfächern lassen erahnen, was da noch auf die Lehrerschaft zukommen dürfte. Die neuen Zeugnisse decken jedenfalls auf, dass sich mit einer radikalen Individualisierung der Lernprozesse und dem Verzicht auf Jahrgangsziele die Heterogenität in den Klassen weiter vergrössern dürfte. Ist das wirklich die Aufgabe eines harmonisierenden Lehrplans?


Hanspeter Amstutz
Tisliacherstrasse 23
8320 Fehraltorf
In der Berufsbildung werden Lehrlinge schon längere Zeit mit Kompetenzen bewertet. Den Lehrfirmen werden dann von der Berufsschule mehrere Kompetenzen oder eine kleinere Auswahl von Kompetenzen vorgegeben,  mit der sie die Leistungen am  Arbeitsort zu bewerten haben. Die Bewertung ist mehr oder weniger  willkürlich, weil ein eigentlicher Massstab fehlt und es davon abhängt welche Inhalte (Art der Leistung usw.) man den Kompetenzen zuordnet. Wenn eine Lehrfirma mehrere Lehrlingen hat, kann sie zwischen den Leistungen der Lehrlinge vergleichen. Ob streng oder weniger streng benotet wird, hängt vom Beufsbildner und/oder  der Lehrfirma ab. Ein Vergleich zwischen Branchen, Kantonen usw. dürfte rein willkürlich sein und höchstens durch das Gesetz der grossen Zahl ein einigermassen vergleichbares Resultat geben.
(12-04-2015, 01:29 PM)Schulwart schrieb: [ -> ]Ich habe mich schon oft gefragt, wie aussagekräftige und gut vergleichbare Zeugnisse aufgrund des neuen Kompetenzenmodells des Lehrplans 21 aussehen könnten. Wohlweislich ist man dieser heiklen Aufgabe ausgewichen, obwohl einheitliche Zeugnisse ja ein Baustein einer koordinierten Bildung sein müssten. Nimmt man die individuelle Entwicklungsstufe eines Schülers in jedem einzelnen Fach als Ausgangsbasis für eine faire Bewertung, dann wird eine übersichtliche Vergleichbarkeit von Leistungen schwierig.

Die bisher vorliegenden Erfahrungen mit der komplizierten Bewertung der Teilkompetenzen in den Sprachfächern lassen erahnen, was da noch auf die Lehrerschaft zukommen dürfte. Die neuen Zeugnisse decken jedenfalls auf, dass sich mit einer radikalen Individualisierung der Lernprozesse und dem Verzicht auf Jahrgangsziele die Heterogenität in den Klassen weiter vergrössern dürfte. Ist das wirklich die Aufgabe eines harmonisierenden Lehrplans?


Hanspeter Amstutz
Tisliacherstrasse 23
8320 Fehraltorf

Warum hat man beim neuen Lehrplan die praktischen Fragen fast alle ausgeklammert? Man muss doch wirklich vorher wissen, wie Zeugnisse aussehen, wenn Sie dem Kompetenzenmodell gerecht werden sollen. Abgehobene Didaktiker weichen praktischen Aufgaben gern aus und die Politiker haben kein Interesse, dass die Schwachstellen des Lehrplans zu früh bekannt werden.
Das andere Ärgernis sind die vielen vorgegebenen Kompetenzstufen. Wer von den Lehrerinnen und Lehrern wird schon genau nach diesem wenig verständlichen Rezeptbuch vorgehen, um Bildungsziele zu erreichen? Wir wissen nicht, wie die Tests etwa aussehen werden und wieweit der ganze Kontrollwahn gehen wird. Ich merke es je länger je mehr: Beim Lehrplan haben wir eine teure Katze im Sack gekauft, die uns noch schwer beschäftigen wird.
Da hilft nur noch eins: Ich haue kräftig in die Tasten.
Pianistin