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Normale Version: „Grundlagen für den LP21“ als „Büchse der Pandora“
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Die „Grundlagen für den Lehrplan 21“ wurden ab 2006 von einer kleinen Projektgruppe mit folgenden Mitgliedern erarbeitet:  Marco Adamina, lic. phil. nat., dipl. Geograph,  Dozent der  PH Bern;  Konstantin Bähr, M.A., Stv. Leiter der Bildungsplanung des Kantons Zürich; Christian  Studer, Vorsteher des Amt für Volksschulen des Kantons Basel - Landschaft, Liestal;  Anton Strittmatter , Dr. phil., Leiter Pädagogische Arbeitsstelle des LCH ;  Brigitte Wiederkehr Steiger,  wissenschaftliche Mitarbeiterin des  Regionalsekretariats der EDK - Ost, St. Gallen. Auffallend ist, dass keine in der Praxis stehende Pädagogen zugezogen wurden.

Ihre Aufgabe war „die Klärung und Präzisierung der konzeptionellen Grundlagen für den Deutschschweizer Lehrplan“,  u.a. „in Bezug auf das Verhältnis des Lehrplans zu den im Rahmen des EDK-Projekts  HarmoS entwickelten Standards“ und -  nota bene -  „in Bezug auf die Terminologie und die damit  verbundenen Konzepte“.

Im Januar 2009 wurde in einer Medienmitteilung die „Katze etwas aus dem Sack gelassen“: Der Lehrplan orientiere sich an „Kompetenzen“, er würde „Mindesterwartungen“ festlegen und auf den Begriff „Fächer“ verzichten. In den folgenden Vernehmlassungen wurde jedoch nicht darauf hingewiesen, dass es dabei um einen andersartigen „Kompetenzbegriff“ ging, hinter dem ein auf die globale Wirtschaft ausgerichtetes Konzept der Wirtschaftsorganisation OECD steht.

Erst in den von der D-EDK 2010 abgesegneten „Grundlagen für den Lehrplan 21“ wurde in einem Satz etwas angedeutet, worum es bei der ominösen Kompetenzorientierung überhaupt geht:
„Mit der Kompetenzorientierung ergibt sich eine veränderte Sichtweise auf den Unterricht. Lernen wird verstärkt als aktiver, selbstgesteuerter, reflexiver, situativer und konstruktiver Prozess verstanden.“

Im „Lehrplan 21“ selber, bei dem die Praktiker das Kompetenzenmonster aufgrund der Grundlagen erarbeiten durften, fehlt jedoch jeglicher Hinweis auf das dahinter steckende ideologische Konzept. So dass Erziehungsdirektoren in den Medien immer wieder behaupten können, „im Lehrplan 21“ stehe nichts von „selbstgesteuertem Lernen“.

Offenbar hat hier die Projektgruppe in Bezug auf die Terminologie und der dahinter versteckten Konzepte ganze Arbeit geleistet. Selbst für Professor Matthias Binswanger trägt dieser Satz nicht zum besseren Verständnis bei: „Das klingt alles sehr wichtig und kompetent. Nur, was das konkret heisst, bleibt im Dunkeln. Hier geht es um typische Begriffe in der heutigen Bildungslandschaft, die alles und nichts aussagen.“

Laut den Pädagogikprofessoren Matthias Burchardt und Jochen Krautz (Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 10.5.2013) handelt es sich bei der „Neuen Lernkultur“ vom „selbstorganisierten oder selbstgesteuerten Lernen“ um eine krude Mischung von „Antipädagogik“ und „Konstruktivismus“, und damit von gescheiterten Reformideologien aus dem letzten Jahrhundert.

In den einschlägigen Schriften der Reformer findet man hingegen Klartext: Mit der „Kompetenzorientierung“ hängt immer auch die „Konstruktivismusideologie“ mit „selbstgesteuertem Lernen“, „Individualisierung“, „altersgemischtem Lernen“, zusätzlich geschaffene „Heterogenität“ und „Lernbegleiter“ statt Lehrer zusammen.

Ist die „Büchse der Pandora“ einmal geöffnet, verunmöglicht sie die Sozialform des gemeinsamen Klassenunterrichts, der Lehrerberuf wird seiner Hauptaufgaben beraubt, die Volksschule verliert ihren wichtigsten Faktor für Lernfortschritte und die Wirtschaft findet kaum mehr fähige Lehrlinge.