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Normale Version: Lernformen des Lehrplan 21 in der Realität
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Wie sehen die "Neuen Lernformen" des Lehrplan 21 in der Praxis aus? Hier als eindrückliches Beispiel der Kommentar einer Mutter zum Artikel "Die Chancen des altersdurchmischten Lernens" in der Migros-Zeitung (https://www.migrosmagazin.ch/leben/familie/artikel/die-chancen-des-altersdurchmischten-lernens)

Alexandra Müller [Gast]
Geschrieben am 19. Mai 2015

Ich kann dem Kommentar von Herrn Schütz und Frau R. nur in höchstem Masse beipflichten. In unserem Dorf hat es knapp hundert Kinder in der Primarschule. Tendenz steigend, da viel gebaut wird, laut Schulleitung sinkend, also muss eine neue Schulform her. Diese haben wir nun seit ein paar Jahren (Basistufe mit 1. + 2. Kindergarten plus 1. und 2. Klasse zusammen). Geführt in zwei Klassenzügen, ab diesem Sommer in drei Zügen, da es nun doch plötzlich zu viele Kinder hat. Dann haben wir noch die ADL- Klassen in den oberen Stufen (4. - 6. Klasse Parallel in zwei Klassen geführt und noch eine 3. - 6. Klasse). Die 3. - 6. Klasse wird neu so geführt und für uns Eltern ist es der Horror. Unsere Kinder wurden aufgeteilt auf diese Klassen, ohne Rücksicht auf Wohnort, Gspänndli oder Ähnliches. In den Klassen hat es bis 26 Kinder. Es ist laut, wild und ein Durcheinander. Die Kleinen dürfen draussen spielen (im Flur oder auf dem Pausenplatz) wann sie wollen. Beaufsichtigt durch die Lehrerin, welche immer auf demselben Platz sitzt. Die Kinder laufen zu ihr um mit ihr die nächsten Aufgaben zu besprechen. Jedes für sich und individuell. Kinder welche sich nicht konzentrieren können haben ein riesiges Problem (also die Mehrheit der SchülerInnen). Gegen das Lautsein gibt es Gehörschütze (leider aus Spargründen zu wenige). Die verhaltensauffälligen Kinder (auch mit grösseren geistigen Behinderungen) sitzen neben Hilfspersonen, welche auch immer am reden und erklären sind.

Es gibt keine richtige Struktur und kaum Regeln. Jedes Kind kann und darf als Individuum selbständig seinen Schulstoff erarbeiten. Auch wenn viele das gar nicht können und total überfordert sind. Sie erhalten kaum Unterstützung, da sie immer irgendwie durchschleifen. Sie fallen auch nicht auf, da sie in der grösse der Klasse untergehen. Falls die Eltern in der Lage sind müssen sie diese Defizite zuhause ausbaden, oder eben Nachhilfe nehmen. Kinder mit grossen Defiziten erhalten Stützunterricht, auch die fremdsprachigen kommen nicht zu kurz. Und all die Anderen? Die müssen selber schauen. Auch die gelösten Arbeiten werden von den Lehrern nicht mehr kontrolliert, das müssen die Kinder in Gruppen selber machen. Überfordung auf ganzer Linie ist das Resultat. Wenn die Eltern bei den Lehrern antraben wird von immer schwierigeren Eltern gesprochen. Die Schulleitung wimmelt einen ab und die Schulpflege ist total überzeugt von diesem System. Es sind ja auch fast ausschliesslich Leute in diesen Ämtern, welche schon lange keine Schulkinder mehr haben. Dann tönt es doch so schön das Ganze.

Die Realität ist aber ganz anders. Die kleineren oder schwächeren SchülerInnen sind total überfordert, die grösseren und stärken SchülerInnen sind unterfordert und genervt. Die gleichaltrigen Kinder bleiben trotz allen künstlichen Bemühungen unter sich (war doch bei uns auch schon so) und auch Mobbing und Ausgrenzung gibt es immer noch. Vielleicht sogar noch mehr, da die Schwächeren nun noch fast vier Jahre ältere "Gegner" haben. Das wird dann von einem Heer von Spezialisten aufgefangen. IF, IR und wie das alles heisst. Für die Auffälligen wieder. Ich wüsste zu gerne, was das alles in Wahrheit kostet, denn darüber wird immer geschwiegen. Engagierte, ältere LehrerInnen machen das nicht mit und möchten eine Klasse führen und nicht nur Statist sein. Viele suchen sich neue Jobs und so kommen viele Junge LeherInnen an diese Stellen. Wie sie es aber gelernt haben in der Theorie mit der heutigen Lehrerausbildung funktioniert es dann aber halt oftmals nicht. Es gibt halt nicht das Standartkind und die Standarteltern.

Wir versuchen als Eltern schon seit langem, etwas gegen diese Schulform zu unternehmen. Wir erhalten keine Unterstützung von irgendeinem Amt. Auch in der Presse wird ADL nur gelobt. Wir haben Unterschriften gesammelt. 70 % der Eltern wünschen sich das alte System zurück, auch Doppelklassen (Kindergärten zusammen, 1./2. Klasse etc.) wären in Ordung. Wir werden von der Schulleitung und der Schulpflege nur belächelt. Wir sind halt nicht Professoren und Experten mit Diplom, wir sind nur uns sorgende Eltern. Da der Schulleiter selber auch noch unterrichtet ist es bekannt, dass Kinder von aufmüpfigen Eltern schlechter behandelt werden. Unsere Kinder sind ein Schul- Experiment und müssen in ein paar Jahren vermutlich selber erfahren, was sie verpasst haben. Wenn es um Lehrstellensuche oder weiterführende Schulen geht. Dann wird es knallhart. Kein Kuscheln mehr. Ach ja, nun wird es ja in der Oberstufe ebenfalls eingeführt. Mir tun die Kinder leid, welche eben nicht standart, normalgebildet und augeglichen sind....