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Normale Version: Wer will „Kompetenzorientierung“ und „Transnationale Bildung“?
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Die Pisa Resultate zeigen, dass westliche Industrienationen, die auf die „OECD-Kompetenzorientierung“ (siehe „Grundlagen für den Lehrplan 21“) umgestellt haben, seit Jahren abstürzen und trotzdem an der „Kompetenzorientierung“ festhalten. Warum fehlt der politische Wille, das abnehmende Bildungsniveau im Inland zu stoppen und die europäisch-humanistische Bildungstradition vor dem Niedergang zu bewahren? Eine Erklärung dafür bietet die Entwicklung der „Transnationalen Bildung“ TNB (Studentenaustausch, Hochschulgründungen im Ausland, Studienangebote an ausländischen Hochschulen oder Fernstudiengänge).

In den angelsächsischen Ländern (USA, GB, AUS) wurde TNB in den 1990er Jahren mit der neoliberalen Doktrin Milton Friedmans (Chicagoer Schule) als Vehikel eingeführt, um die Privatisierung des Bildungswesens über nationalstaatliche Grenzen hinweg durchsetzen und in neokolonialistischer Manier in wenig „erschlossene“ Märkte eindringen zu können. Das führte zum GATS-Abkommen über die Liberalisierung des Bildungswesens, das auch von der Schweiz unterzeichnet wurde.

Mit TNB ist man in der Bildungspolitik nicht länger an einer breiten «Volksbildung» interessiert, zu der alle Schichten der Bevölkerung Zugang haben. Damit man sich die «besten Köpfe» aus dem Ausland holen kann, müssen jedoch die Lehrpläne auf die transnationale «Kompetenzorientierung» der OECD (Bologna-Reform, Pisa, Lehrplan 21 usw.) ausgerichtet werden. Bildungsinhalte werden damit weitgehend aus den nationalstaatlichen (und regionalen) Kulturen, Werten und Normen herausgelöst und auf transnationale Benchmarks ausgerichtet.

TNB wird auch in der Schweiz vorangetrieben. Schon 2007 schrieb Hans Zbinden SP, als Direktionsmitglied der FHNW: „Für die schweizerische Entwicklung transnationaler Projekte im Bildungsbereich bietet sich in unmittelbarer Nachbarschaft zur Schweiz die EU als Referenz – und Schrittmachinstitution an“. „So beginnt sich die bisher national ausgerichtete europäische Bevölkerung mentalitätsmässig über ihren Alltag und ihre Lebensumstände mit Europa zu identifizieren“. „Deshalb ist für unser politisch abseits stehendes und doch wirtschaftlich und kulturell weltoffenes Land die Entwicklung der Transnationalen Bildung in der EU ein wichtiger Referenzrahmen“. (Quelle: Konferenz der Fachhochschulen der Schweiz KFH, 16. März 2007. Internes Aussprachepapier Hans Zbinden, FHNW)

Mit TNB soll also die Bevölkerung auf die Abschaffung der Nationalstaaten psychisch vorbereitet werden, womit gleichzeitig die letzten nationalen gesetzlichen Schranken (Gesundheits- und Arbeitsschutzgesetze, Gentechnologie usw.) zugunsten der globalen Wirtschaft fallen würden. Profitieren würden die globalen Konzerne und die internationalistische Politik, Verlierer sind – wie in der EU bereits ersichtlich - die Demokratie und die breite Bevölkerung. Es wundert deshalb nicht mehr, dass die gleichen internationalistischen Kreise, die sich für einen EU-Beitritt stark machen, den Lehrplan 21 mit seiner „Kompetenzorientierung“ politisch unterstützen.