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Normale Version: Lehrplan 21 und Passepartout-Strategie
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Die Passepartout-Strategie wurde mit einem Staatsvertrag der Kantone BE, BL, BS, SO, FR, VS im Jahr 2006 beschlossen.
Experten für "Kompetenzorientierung" begannen 2006 mit der Arbeit an den „Grundlagen für den Lehrplan 21“. Die theoretische Grundlage der "Kompetenzorientierung" nach Weinert ist der "Konstruktivismus".

Die Passepartout-Lehrmittel heissen «Mille feuilles» (Primarstufe) sowie «Clin d’oeil» (Sek I) für das Französisch und «New World» (Primar und Sek I) für das Englisch. Die neuen Lehrmittel sind allesamt Einweglehrmittel. Das Französisch-Lehrmittel ist deshalb 11 mal teurer als das Vorgängerlehrmittel «envol» (bei einer angenommenen 6-jährigen Gebrauchsdauer von «envol»). Über alle sechs Kantone hinweg dürfte die 100-Millionen-Grenze aller Wahrscheinlichkeit nach weit überschritten werden, weil die umstrittenen Lehrmittel bzw. Lernmittel jetzt nachbearbeitet werden müssen.  

Mille feuilles ist von seiner konstruktivistischen Definition her ein "Selbstlernbuch". Im Didaktischen Handbuch von Mille feuilles steht folgendes (http://www.1000feuilles.ch/platform/con ... ndbuch.pdf):

"Die Begriffe Konstruktivismus und konstruktivistisches Lernen spielen in der fremdsprachendidaktischen Diskussion seit einem Jahrzehnt eine wichtige Rolle. Auch die Entwicklung von Mille Feuilles ist in hohem Masse dem konstruktivistischen Verständnis von Lernen verpflichtet. Der Konstruktivismus ist die eigentliche theoretische Grundlage dieses Unterrichtsmaterials; deshalb ist eine intensive Beschäftigung mit dem Gedankengut dieses philosophischen, psychologischen und lerntheoretischen Ansatzes wichtig". (Seite 16)

"Lernprozesse können nur gelingen, wenn der Lernende bereit ist, das eigene Lernen verantwortlich in die Hand zu nehmen. Mit der Eigenverantwortlichkeit verbindet sich die Selbstorganisation. Lernprozesse können nur dann erfolgreich sein, wenn sie vom Lernenden selbstständig organisiert werden. Die konstruktivistisch orientierte Pädagogik fordert, die Fähigkeit zur Selbstorganisation im Unterricht zu thematisieren und den Lernenden damit autonomer zu machen".
"Denn um eine reiche Lernumgebung im Klassenzimmer aufzubauen, sind unterschiedliche Lernangebote erforderlich, die neben Texten auch Bilder, Audio und Video anbieten und durch Internetzugänge das eigene Recherchieren ermöglichen". (Seite 18/19)

Welche Beziehung besteht zwischen der konstruktivistischen Lerntheorie und der Kompetenzorientierung?
Dr. Markus Steinert und Thomas Felsenstein Peutinger-Gymnasium Augsburg
 
„Kompetenzorientierung entstand aus der durch die PISA-Studien [der OECD] gewonnenen Erkenntnis, dass das an den Schulen vermittelte Wissen oft „träges Wissen“ war, da es ohne Anwendungsbezug blieb. Besonders die konstruktivistische Überzeugung, dass Wissen nicht vom Lehrer zum Schüler „übertragen“ werden kann, sondern von diesem möglichst selbsttätig angeeignet werden muss, veränderte zwangsläufig den Blick auf den Unterricht: Das Ziel konnte nun nicht mehr sein, vom Lehrer definierte und einfach abprüfbare „Lernziele“ zu vermitteln, es ging vor allem darum, die Schüler durch geeignete Methoden in die Lage zu versetzen, sich neues Wissen [selbst] aneignen“.
 
„In diesem Verständnis vom Ziel des Unterrichts treffen sich Konstruktivismus und Kompetenzorientierung. Wichtig ist dabei aber zu erkennen, dass zwar der Konstruktivismus notwendig zu einem kompetenzorientierten Unterricht führt, Kompetenzorientierung dagegen, trotz ihrer theoretischen Wurzeln im Konstruktivismus, in der Unterrichtspraxis die konstruktivistische Lerntheorie nicht unbedingt voraussetzt“.