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  Schweizerische Berufsausbildung auf gefährlichen Abwegen
Geschrieben von: Schulpfleger - 01-08-2020, 04:21 PM - Forum: Lehrplan 21 - Keine Antworten

Der radikale Umbau der KV-Ausbildung mit dem Projekt «Kaufleute 2022» könnte ein schwerer Schlag für die bisher weltweit erfolgreiche Schweizer Berufsausbildung werden, wenn die  sogenannte „Kompetenzorientierung“ mit dem „selbstgesteuerten Lernen“, wie wir sie bereits vom umstrittenen Lehrplan 21 kennen, auch in anderen Berufen „Schule machen“ sollte.

Die Reform «Kaufleute 2022» soll KV-Abgänger angeblich fit für die Zukunft machen. Fachkompetenz sei nicht mehr in erster Linie gefragt. Der KV-Lehrling schlüpfe in die Rolle eines „agilen Vermittlers“, was immer das sein soll. Deshalb sollen sie anstelle der bisherigen klassischen Fächer, diffuse «Handlungskompetenzen» wie «Handeln in agilen Arbeits- und Organisationsformen» oder «interagieren in einem vernetzten Arbeitsumfeld» erwerben. KV-Lehrer befürchten deswegen einen Abbau von Grundlagenwissen. Die KV-Lehrkräfte können bei der Reform jedoch nicht mitreden, verschiedene Zürcher KV-Schulen haben ihnen einen Maulkorb verpasst, damit sie sich nicht kritisch zum Projekt «Kaufleute 2022» äussern können.

Hauptfächer wie Finanz- und Rechnungswesen sollen abgewählt werden können. Das bedeutet, dass die Lehrbetriebe ihre Lehrlinge in diesen Fächern selber ausbilden müssten. Die Hauptfächer bilden die unerlässlichen Grundkompetenzen im kaufmännischen Beruf, auf die kein Betrieb verzichten kann.

Die kaufmännische Lehre ist mit Abstand die beliebteste Berufslehre der Schweiz. Über 13'000 Jugendliche starteten 2019 eine Ausbildung in einer der 21 KV-Branchen. Jetzt soll ausgerechnet diese erfolgreiche Berufslehre mit der Radikalreform «Kaufleute 2022» total umgebaut werden. Mit düsteren Zukunftsszenarien wie angeblich durch die Digitalisierung gefährdeten 100‘000 Bürostellen soll der Boden für diese Radikalreform vorbereitet werden. So etwas wurde schon in den Anfängen der Digitalisierung mit dem sogenannten „papierlosen Büro“ prophezeit, was dann im Gegenteil zur heutigen gewaltigen Papierflut geführt hat.

Mit dieser à la carte-Ausbildung wird das bisher allgemein anerkannte Eidgenössische Fähigkeitszeugnis zu einem wertlosen Stück Papier. Damit sehen nicht nur die Lehrpersonen schwarz für die Zukunft. Unserer Jugend droht mit der Schmalspurausbildung höhere Arbeitslosigkeit und den Firmen eine tiefere Wertschöpfung.

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  Ex-“Pisa-Sieger” Finnland und der Klassenunterricht
Geschrieben von: Schulpfleger - 01-06-2020, 06:30 PM - Forum: Lehrplan 21 - Keine Antworten

https://condorcet.ch/2020/01/ex-pisa-sieger-finnland-und-der-klassenunterricht/

Gastbeitrag
Peter Aebersold legt in seinem Artikel dar, dass der Unterricht im viel gelobten Finnland pikanterweise vor allem aus solidem Klassenunterricht besteht. Und er zitiert einen weiteren wissenschaftlichen Beleg für die Überlegenheit der in den PHs geschmähten Sozialform.

Lange Zeit glaubte man, Finnland würde seinen “Pisa-Sieg” der 1990 erfolgten Umstellung auf die “zeitgemässe” Kompetenzorientierung verdanken. Erst als der Pisa-Absturz nach 2006 begann, dämmerte es langsam, dass Finnlands Erfolg hauptsächlich auf den traditionellen Klassenunterricht zurückzuführen ist.

Die Frankfurter Allgemeine Zeitung stellte schon früher fest: “Der Unterricht ist fast durchgehend ein Lehrer geleiteter Unterricht, nur in der Oberstufe wird zuweilen Gruppenarbeit eingesetzt. Methodisch sind finnische Lehrer ihren deutschen Kollegen sicher nicht überlegen. (…) In Wahrheit ist finnischer Unterricht in der Regel ‘solides Handwerk’ in ganz traditionellem lehrerzentriertem Stil, nicht mehr und nicht weniger.” (FAZ, 21.2.2002)


“In Wahrheit ist finnischer Unterricht in der Regel ‘solides Handwerk’ in ganz traditionellem lehrerzentriertem Stil, nicht mehr und nicht weniger.” (FAZ, 21.2.2002)

Die seit 2015 in Finnland erfolgenden zaghaften Schritte zurück zum erfolgreichen System gestalten sich jedoch schwierig. Zwar hat Finnland dank des sehr niedrigen Ausländeranteils immer noch relativ homogene Klassen, es mangelt jedoch an Lehrkräften, die noch im Klassenunterricht unterrichten können. Wer glaubt, man sollte nun nach Estland pilgern (siehe Carl Bossard: Bitte nicht nach Estland pilgern!, 15.12.2019), dürfte ebenfalls enttäuscht werden, Estland hat das finnische System der Kompetenzorientierung kopiert.

Falsche Begrifflichkeit
Warum spricht und schreibt man über den erfolgreichen Klassenunterricht, der von den asiatischen Pisa-Siegern hochgehalten wird, bei uns nur noch selten? Warum ist er ein Stiefkind der wissenschaftlichen Didaktik? Zu Unrecht, wie die folgenden Ausführungen zeigen werden.
Der Grund dafür, dass Klassenunterricht zum Unwort wurde, ist, dass er fälschlicherweise mit dem pejorativen Begriff “Frontalunterricht” gleichgesetzt wird. Dazu muss man wissen, dass der Begriff “Frontalunterricht” aus dem Militärjargon (“Front”) des Reformers und Alt-Nazis Peter Petersen stammt. Seit den 1960ern wurde der Begriff “Frontaluntericht” trotzdem wie selbstverständlich benutzt, zumeist in abwertender Absicht, um die zu bevorzugenden “modernen” Formen wie Gruppenarbeit und offene Unterrichtsformen vom Klassenunterricht abzuheben, bis der Begriff schlussendlich kritiklos Eingang in die Lehrerbildung fand.

Klassenunterricht ist eine Sozial- und keine Unterrichtsform. Die Sozialform bildet den Rahmen oder das Setting, in dem verschiedenste Unterrichts- und Arbeitsformen (Direkte Instruktion, Lehrervortrag, fragend-entwickelnder Unterricht, Unterrichtsgespräch, Demonstrationsexperimente, Kopfrechenübungen, soziale Spiele und viele andere Unterrichtsmethoden) möglich sind.
Die grösste Wirkung entfaltet diese Sozialform, wenn die Klasse oder Gruppe nicht zu gross und möglichst homogen zusammengesetzt ist, in dem die Schüler in erster Linie nach dem Leistungsniveau und nicht nach dem Alter zugeteilt werden. Beim PISA-Sieger Finnland sollen die Klassen eine durchschnittliche Grösse von 14 Schülern gehabt haben.

Der überragende Sieger des weltgrössten Erziehungsexperiments “Project Follow Through”, an dem die amerikanischen Eliteuniversitäten mit modernen Unterrichtsmethoden und 100.000 Schüler teilnahmen, war die “Direkte Instruktion”.

Spektakuläre Flops
Die im Rahmen des Klassenunterrichts verwendete Unterrichtsmethode ist dann besonders wirksam und effizient, wenn sie die Vorteile der Sozialform Klassenunterricht nutzt. Der überragende Sieger des weltgrössten Erziehungsexperiments “Project Follow Through”, an dem die amerikanischen Eliteuniversitäten mit modernen Unterrichtsmethoden und 100.000 Schüler teilnahmen, war die “Direkte Instruktion”. Mit dieser Form des Klassenunterrichts gelang es der “Direkten Instruktion” als einziger Methode, unterprivilegierte Schüler von ihrem tiefen Niveau in allen Fächern auf beinahe amerikanisches Durchschnittsniveau zu heben. Trotz dieses grossartigen Erfolges hat die amerikanische Bildungsbürokratie die “Direkte Instruktion” fallen lassen, während sie moderne Methoden privilegiert finanzierte, die spektakuläre Flops waren. Deshalb erhalten viele amerikanische Schulkinder weiterhin eine Ausbildung zweiter Klasse.

Die internationale empirische Unterrichtsforschung hat folgende Qualitätskennzeichen des Settings Klassenunterricht festgestellt: effiziente Klassenführung, Interaktion zwischen Lehrern und Schülern, Klarheit, effektive Zeitnutzung, individuelle fachliche Unterstützung (aktive Kontrolle und Unterstützung des Arbeitsfortschritts in Übung und Stillarbeit), fachliches Wissen der Schüler, Aufmerksamkeit im Unterricht, der Klassenkontext, hohe Leistungserwartung, intensive individuelle Hilfen, klarer Unterricht, ausgeprägte Lehrstofforientierung, Toleranz von Langsamkeit, Lernen von der Peer Group, lernförderndes soziales Klassenklima.

Der Unterricht kann sehr effizient abgewickelt werden, weil der Stoff in der ganzen Klasse gleichzeitig eingeführt und unterrichtet wird. Der Lehrer oder die Lehrerin kann in jeder Unterrichtsstunde feststellen, welche Lernfortschritte die einzelnen Schülerinnen und Schüler machen. Schülerfragen können unmittelbar beantwortet werden und die ganze Klasse kann davon profitieren. Die Klasse kann gemeinsam motiviert werden. Fehler oder Fehlverhalten können sofort angesprochen und korrigiert werden. Klassendiskussionen können, wenn nötig, jederzeit stattfinden.

Es ist ruhig, die meisten Schüler und Schülerinnen arbeiten mit und es gibt wenig Fehlverhalten.

Die Kounin-Praxis

Kounin hat folgende wesentlichen Techniken der Klassenführung herausgearbeitet: Die Lehrkraft weiss über die Vorgänge im Klassenraum Bescheid und kann adäquat reagieren. Sie ist zur parallelen Steuerung von mehreren Vorgängen im Klassenzimmer fähig. Die gesamte Unterrichtsstunde ist wie aus einem Guss, eines baut auf das andere auf. Alle Schüler fühlen sich angesprochen. In einem Unterricht, der sich an den Kounin-Dimensionen orientiert, ist es ruhig und die meisten Schüler und Schülerinnen arbeiten mit und es gibt wenig Fehlverhalten. Insgesamt erweist sich ein relativ straffer, disziplinierter Unterricht als günstig für die Erzielung von Unterrichtserfolg.
John Hattie: “Direkte Instruktion” ist höchst wirksam
d
John Hattie bezeichnet den klassischen Unterricht mit der “Direkten Instruktion” für schulische Lernleistungen als höchst wirksam. Er beschreibt sieben Stufen der “Direkten Instruktion”: klare Vorstellung von Lernzielen, Erfolgskriterien der erwarteten Leistungen mitteilen, Aufmerksamkeit des Schülers gewinnen, Informationen vermitteln, üben unter der direkten Aufsicht des Lehrers, die wichtigsten Punkte nochmals überprüfen, klären und zusammenfassen, selbständig üben.

Zitat Hattie: “Jedes Jahr halte ich Vorträge vor angehenden Lehrern und stelle fest, dass sie schon mit dem Mantra: ‘Konstruktivismus ist gut, direktes Unterrichten (Direkte Instruktion) ist schlecht’ indoktriniert sind. Wenn ich ihnen die Resultate dieser Meta-Analysen zeige, sind sie fassungslos und werden oft ärgerlich, weil man ihnen einen Set von Wahrheiten und Geboten gegen das direkte Unterrichten vorgesetzt hat.” (Visible Learning, S. 204)

Werden wirksame klassische Unterrichtsmethoden wie diejenigen des Klassenunterrichts durch wenig wirksame “moderne”, “zeitgemässe” Methoden (offener Unterricht, selbstgesteuertes Lernen, Kompetenzorientierung, Konstruktivismus usw.) ersetzt, hat das unmittelbar negative Auswirkungen auf die Unterrichtsqualität. Wer hohe Bildungsqualität und gute Pisa-Resultate möchte, kommt am Klassenunterricht nicht vorbei.

Quellen:
Prof. Dr. Rainer Dollase: Was macht erfolgreichen Unterricht aus?, Universität Bielefeld, 2004, https://bscw.ph-bw.de/pub/bscw.cgi/d232006/DOLLASE-Guter-Unterricht.pdf

Jacob S. Kounin: Techniken der Klassenführung: Standardwerke aus Psychologie und Pädagogik. Hans Huber Verlag Bern/Stuttgart 1976, Reprint Waxmann Verlag GmbH 2006, ISBN 978-3830915171

Andreas Vogel: Der böse Frontalunterricht. In: B. Wisniewski, A. Vogel: Schule auf Abwegen – Mythen, Irrtümer und Aberglaube in der Pädagogik. Schneider, Baltmannsweiler 2013, ISBN 978-3834012562

Andreas Helmke: Lehrerprofessionalität und Unterrichtsqualität. Klett/Kallmeyer, Seelze-Velber, 6. Aufl. 2015

Peter Petersen und E. Petersen: Die Analyse des Frontalunterrichts mit Hilfe von erziehungswissenschaftlicher Aufnahme und Tatsachenliste. In: Wissenschaftliche Zeitschrift der Friedrich-Schiller-Universität Jena, Nr. 3, 1954, S. 509–529.

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  Wir werden dich nicht fallen lassen
Geschrieben von: Schulpfleger - 12-26-2019, 08:15 AM - Forum: Stress bei Kindern - Keine Antworten

„Wir werden dich nicht fallen lassen. Wir werden dich nicht benachteiligen oder aufgeben, unabhängig davon, wie unvorbereitet du nach traditionellen Standards bist. Wir werden dir nicht ein Etikett wie Legastheniker oder Hirngeschädigter verpassen und uns von der Verantwortung drücken, dich zu unterrichten. Wir werden dich nicht bestrafen, indem wir von dir verlangen, Dinge zu tun, die du nicht kannst. Wir werden nicht über deine Schwierigkeiten zu lernen sprechen. Vielmehr werden wir dich dort abholen, wo du bist und es dir beibringen. Und das Ausmaß, in dem du versagst, ist unser Versagen, nicht deines. Wir werden keinen Rückzieher machen und sagen: ‚Er kann nicht lernen‘. Vielmehr werden wir sagen: ‚Ich habe versäumt, es ihm beizubringen. Also schaue ich besser hin, was ich getan habe, und versuche, einen besseren Weg zu finden.‘“

– Siegfried Engelmann: Teaching needy kids in our backward system: 42 years of trying, 2007.

https://de.wikipedia.org/wiki/Siegfried_Engelmann

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  Wie Integration gelingen kann
Geschrieben von: Schulpfleger - 12-21-2019, 08:07 AM - Forum: Integration - Keine Antworten

https://condorcet.ch/2019/12/wie-integration-gelingen-kann/

Die 1973 gegründete Schule für hörgeschädigte Kinder in Meggen LU dürfte die erste integrierte Schule in der Schweiz. Sie wurde von der „Stiftung Schule für hörgeschädigte Kinder Meggen“ und Susann Schmid-Giovannini* gegründet und von ihr geleitet.

Die Kleinklasse der hörgeschädigten Kinder hatte ein eigenes Schulzimmer, das in die Primarschule Meggen integriert war und nach den gleichen Stoffplänen und Lehrmitteln arbeitete. Damit konnten die Leistungen dieser hochgradig hörgeschädigten Kinder erstmals mit denen hörender Kinder verglichen werden. Aufgrund der Förderung durch Susann Schmid in ihrem Kindergarten für Hörgeschädigte, konnten die hörgeschädigten Kinder beim Eintritt in die erste Klasse bereits lesen.

Alle Eltern, die zur Mitarbeit bereit waren, konnten ihre hörgeschädigten Kinder in diese Schule schicken. Die Mitarbeit bestand in häufigem Besuch des Unterrichts und der Einzeltherapie, der Bereitschaft, die auditiv-verbale Erziehung zu Hause fortzusetzen sowie der Teilnahme an Fortbildungskursen. 1975 wurde für Eltern in Meggen eine Frühberatungsstelle eröffnet, die später zu einem internationalen Beratungszentrum erweitert wurde.

Die Hörgeräteentwicklung war erst am Anfang und es gab noch keine Hinterohrgeräte. Um ihre eigene Stimme hören zu können, mussten die Kinder in ein Mikrophon sprechen, das weiter gereicht wurde. Da die Erstklässler jedoch schon lesen konnten, wurde mehr Zeit für den sprachlichen Ausdruck, neuen Wortschatz, Satzformen und Redewendungen sowie das Gespräch über ein Thema aufgewendet.  
Die Integration musste zuerst erarbeitet werden. Die Lehrer und Schüler der Regelklassen waren anfänglich zwar neugierig, aber sie suchten keinen Kontakt zu den hörgeschädigten Kindern. Susann Schmid-Giovannini übte mit ihren Kindern, die auf dem Pausenplatz üblichen Spiele und brachte ihnen das dort übliche Vokabular inklusive Kraftausdrücke bei. Eines Tage kamen hörende Mädchen auf den Schulhof und fragten, ob man mit den „Gehörlosen“ auch sprechen könne. Bald darauf waren hörende und hörbehinderte Mädchen gemeinsam in ein beliebtes Bewegungsspiel vertieft. Und die Buben stellten beim gemeinsamen Fussballspiel fest, dass die „Gehörlosen“ ausgezeichnete Fussballspieler waren.

Frau Schmid-Giovannini achtete darauf, dass ihre Klasse im Stoff immer gleich weit war, wie die Parallelklasse der Primarschule, was ihnen dann ermöglichte am dortigen Deutschunterricht teilzunehmen. Das Erstaunen war gross, dass auch die „Gehörlosen“ fehlerfreie Diktate schreiben konnten. Mit den neuen, individuell angepassten Hinterohrgeräten verbesserten sich die Höreindrücke auch auf Distanz und damit auch der Sprachausdruck. Ab dem dritten Schuljahr besuchten die Hörbehinderten Handarbeit, Werken, Schwimmen, Turnen und Religion zusammen mit den hörenden Kindern. Deutsch kam dazu und allmählich konnten einzelne Schüler ganz in die Regelschule wechseln. Sie blieben aber in Meggen, machten dort ihre Hausaufgaben und gingen in die Einzeltherapie.

Später kamen auch hörbehinderte Schüler dazu, die nicht im ersten oder zweiten Lebensjahr erfasst und keine entsprechende Frühtherapie hatten.  Sie mussten mit Einzeltherapie und zusätzlichem Einzelunterricht gefördert werden, bis sie dem normalen Schulstoff folgen konnten, damit sie die anderen Schüler nicht beim Erreichen des Lehrzieles hinderten.

Für Beratungskinder der Eltern in der Frühberatungsstelle im Alter zwischen zwei und fünf Jahren gab es wöchentlich eine Gruppentherapie, da es damals noch keine Spielgruppen gab, mit dem Ziel sie in einen Regelkindergarten an ihrem Wohnort einschulen zu können. Die Erfahrungen in den Sonderkindergärten und in Meggen hatten gezeigt, dass Kinder Anregungen von gleichaltrigen hörenden Kameraden schneller aufnahmen, als von den Erzieherinnen, was jedoch nicht bedeutete, dass man auf letztere verzichten konnte.

In die Regelschule schickte Susann Schmid-Giovannini die Kinder erst, wenn sie über eine ausreichende Sprache verfügten, ihr Hören gut nutzten und dem Unterricht ohne Begleitung folgen konnten. Heute können hörgeschädigte Kinder bei Anpassung von Hörgeräten oder dem Cochlea-Implantat in den ersten Lebensmonaten die Sprache normal im täglichen Leben über das Ohr erlernen und ihr Wissen ganz normal entwickeln.

* Die österreichisch-schweizerische Pädagogin Susann Schmid-Giovannini ist eine international anerkannte Pionierin der auditiv-verbalen Therapie und des Cochleaimplantat-Hörtrainings. Sie hat durch ihre einzigartige Initiative und ihr hervorragendes Einfühlungsvermögen neue Massstäbe in der Frühbehandlung hörgeschädigter Säuglinge und Kleinkinder gesetzt. In Meggen schuf sie jenes Konzept der frühen Sprachanbahnung gehörloser und hörgestörter Säuglinge und Kleinkinder, das mit Hilfe der Eltern zur Integration in die Welt der Sprechenden führt. Durch die Gründung des Internationalen Beratungszentrum für Eltern hörgeschädigter Kinder sowie durch internationale Fortbildungstätigkeit hat sie diese Programme der frühen Sprachanbahnung zum Teil gegen erhebliche Widerstände durchgesetzt, so dass für gehörlose Kinder eine neue Chance eröffnet wurde, durch eine normale Sprache in die Welt des Gesunden eingegliedert zu werden. Sie lebt in Meggen LU.

Quellen:

* Susann Schmid-Giovannini: Vom Stethoskop zum Cochlea-Implantat. Geschichte und Geschichten aus einem sechzigjährigen Berufsleben. Verlag S. Schmid-Giovannini, Meggen 2007

* Susann Schmid-Giovannini: Hören und Sprechen. Anleitung zur auditiv-verbalen Erziehung hörgeschädigter Kinder. Replikat als eBook und Printausgabe, Verlag Edizio, Meggen 2014, ISBN 978-3-9524315-0-4

* https://de.wikipedia.org/wiki/Susann_Schmid-Giovannini

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  Seit 30 Jahren: Abbau von Einrichtungen für schwächere Schüler
Geschrieben von: Schulpfleger - 12-17-2019, 08:38 AM - Forum: Integration - Keine Antworten

Seit 30 Jahren werden die spezialisierten Einrichtungen zur Förderung der schwächeren Schüler abgebaut (von Heilpädagogen geführte Kleinklassen, Einführungsklassen, verschiedene Typen von Sonderschulen usw.). Es wird alles getan, um die angeblich schädliche Selektion vermeiden zu können (schwächere Schüler werden in Regelklassen integriert, Ober- und Realschulen werden in Sekundarschulen unbenannt, Sek C-Klassen werden aufgelöst, der Kindergarten wird zur Schule, Jahrgänge werden durchmischt, schwächere Schüler werden von Lernzielen befreit und erhalten bessere Noten, Noten werden abgeschafft, Schüler kommen in die nächste Schulklasse, auch wenn sie das Jahrgangsziel nicht erreichen und ihre Lücken immer grösser werden, Betreuungseinrichtungen für Kleinkinder werden ausgebaut usw.). Die Durchlässigkeit der Volksschule war noch nie so hoch. Um Gleichheit herstellen zu können, wird ausgerechnet die Heterogenität gefördert. Ziel ist die Einheitsschule (Regelschule) nach Lehrplan 21, die endlich die Chancengleichheit bringen soll.

Und das Resultat dieser 30-jährigen Reformen?
Der Anteil schwacher Schüler ist massiv gestiegen. Bei Pisa 2015 waren es hohe 20 Prozent und bei Pisa 2018 sind es bereits 24 Prozent (unter Niveau 2) bzw. 47% (unter Niveau 3) aller Schulabgänger, die nach 11 Schuljahren einen Text nicht mehr verstehen können. Die Einführung der kompetenzorientierten Einheits- oder Gesamtschule anstelle des traditionellen Schulsystems erleidet auch in anderen Ländern Schiffbruch, allen voran der einstige Pisa-Sieger Finnland und das deutsche “Musterländle” Baden-Württemberg.

Warum ist das so?

Die schulische Selektion sollte ja auch dazu dienen, die schwächeren Schüler zu erfassen und ihnen eine optimale Förderung zukommen zu lassen. Entwicklungsrückstände und entmutigte Kinder können schon im Kindergarten und in der Unter- und Mittelstufe festgestellt werden, lange bevor die schulische Selektion einsetzt. Können die Defizite in dieser Zeit nicht behoben werden, ist die Chance, dass sie in einer nicht selektiven Sekundarstufe (Regel-, Gesamtschule) aufgeholt werden können, verschwindend klein, weil der immer grösser werdende Abstand zu den stärkeren Schülern die schwächeren Schüler tagtäglich immer mehr entmutigt. Nicht die Selektion führt zur Armut, sondern schwache Leistungen und ein tiefes Ausbildungsniveau.

Die “Selektion” beginnt bereits im Elternhaus und hält sich hartnäckig, wenn Eltern ihre Kinder nicht zum Lernen ermutigen, weil sie selbst schwache Schüler waren und glauben, es ihren Kindern vererbt zu haben. Umgekehrt trauen Eltern, die dagegen gute Schüler waren, das normalerweise auch ihren Kindern zu, und sie werden alles unternehmen, um die Kinder schon von klein auf entsprechend zu fördern. Die Schulreformbewegung im Roten Wien hatte deshalb Elternschulen gegründet, um auch bildungsferne Eltern aufzuklären, wie sie ihre Kinder zum Lernen ermutigen können.

Quelle: https://condorcet.ch/2019/12/unser-system-war-institutionell-noch-nie-so-durchlaessig/
Siehe dazu auch: https://condorcet.ch/2019/12/bildungsgerechtigkeit-ein-jahrzehntealtes-desiderat-neu-aufgewaermt/

Zur Schulreformbewegung im Roten Wien siehe:
https://de.wikipedia.org/wiki/Wiener_Schulreform
https://de.wikipedia.org/wiki/Individualpsychologie

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  Bildungsgerechtigkeit: "Selektion" beginnt im Elternhaus
Geschrieben von: Schulpfleger - 12-17-2019, 08:32 AM - Forum: Lehrplan 21 - Keine Antworten

Seit 30 Jahren werden die spezialisierten Einrichtungen zur Förderung der schwächeren Schüler abgebaut (von Heilpädagogen geführte Kleinklassen, Einführungsklassen, verschiedene Typen von Sonderschulen usw.). Es wird alles getan, um die angeblich schädliche Selektion vermeiden zu können (schwächere Schüler werden in Regelklassen integriert, Ober- und Realschulen werden in Sekundarschulen unbenannt, Sek C-Klassen werden aufgelöst, der Kindergarten wird zur Schule, Jahrgänge werden durchmischt, schwächere Schüler werden von Lernzielen befreit und erhalten bessere Noten, Noten werden abgeschafft, Schüler kommen in die nächste Schulklasse, auch wenn sie das Jahrgangsziel nicht erreichen und ihre Lücken immer grösser werden, Betreuungseinrichtungen für Kleinkinder werden ausgebaut usw.). Die Durchlässigkeit der Volksschule war noch nie so hoch. Um Gleichheit herstellen zu können, wird ausgerechnet die Heterogenität gefördert. Ziel ist die Einheitsschule (Regelschule) nach Lehrplan 21, die endlich die Chancengleichheit bringen soll.

Der Anteil schwacher Schüler ist gestiegen
Und das Resultat dieser 30-jährigen Reformen? Der Anteil schwacher Schüler ist massiv gestiegen. Bei Pisa 2015 waren es hohe 20 Prozent und bei Pisa 2018 sind es bereits 24 Prozent (unter Niveau 2) bzw. 47% (unter Niveau 3) aller Schulabgänger, die nach 11 Schuljahren einen Text nicht mehr verstehen können. Die Einführung der kompetenzorientierten Einheits- oder Gesamtschule anstelle des traditionellen Schulsystems erleidet auch in anderen Ländern Schiffbruch, allen voran der einstige Pisa-Sieger Finnland und das deutsche “Musterländle” Baden-Württemberg.

Warum ist das so?
Die schulische Selektion sollte ja auch dazu dienen, die schwächeren Schüler zu erfassen und ihnen eine optimale Förderung zukommen zu lassen. Entwicklungsrückstände und entmutigte Kinder können schon im Kindergarten und in der Unter- und Mittelstufe festgestellt werden, lange bevor die schulische Selektion einsetzt. Können die Defizite in dieser Zeit nicht behoben werden, ist die Chance, dass sie in einer nicht selektiven Sekundarstufe (Regel-, Gesamtschule) aufgeholt werden können, verschwindend klein, weil der immer grösser werdende Abstand zu den stärkeren Schülern die schwächeren Schüler tagtäglich immer mehr entmutigt. Nicht die Selektion führt zur Armut, sondern schwache Leistungen und ein tiefes Ausbildungsniveau.

Die “Selektion” beginnt bereits im Elternhaus und hält sich hartnäckig, wenn Eltern ihre Kinder nicht zum Lernen ermutigen, weil sie selbst schwache Schüler waren und glauben, es ihren Kindern vererbt zu haben. Umgekehrt trauen Eltern, die dagegen gute Schüler waren, das normalerweise auch ihren Kindern zu, und sie werden alles unternehmen, um die Kinder schon von klein auf entsprechend zu fördern. Die Schulreformbewegung im Roten Wien hatte deshalb Elternschulen gegründet, um auch bildungsferne Eltern aufzuklären, wie sie ihre Kinder zum Lernen ermutigen können.

Quelle: https://condorcet.ch/2019/12/unser-system-war-institutionell-noch-nie-so-durchlaessig/
Siehe dazu auch: https://condorcet.ch/2019/12/bildungsgerechtigkeit-ein-jahrzehntealtes-desiderat-neu-aufgewaermt/

Zur Schulreformbewegung im Roten Wien siehe:
https://de.wikipedia.org/wiki/Wiener_Schulreform
https://de.wikipedia.org/wiki/Individualpsychologie

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  Therapien sind sehr erfolgreich
Geschrieben von: Schulpfleger - 12-17-2019, 08:21 AM - Forum: Integration - Keine Antworten

Kinder würden “unnötig therapiert” oder “Therapien würden dauernd zunehmen” ist eine – auch durch die Medien – weitverbreitete Meinung, dabei werden die Therapien oft mit der Sonderpädagogik verwechselt. Die Weiterverbreitung solcher Falschmeinungen können den bewährten, spezialisierten Fachdisziplinen schweren Schaden zufügen. Es ist schon vorgekommen, dass Politiker solche Meldungen als Grund für Budgetkürzungen genommen haben. Leidtragende sind dann immer die Kinder, die deswegen keine Therapie erhalten und denen so die Zukunft verbaut wird.

Logopädie ist die Fachdisziplin, die Sprach-, Sprech-, Stimm-, Schluck- oder Hörbeeinträchtigung zum Gegenstand hat. Die Störungen im Bereich der Logopädie umfassen eine grosse Bandbreite und reichen von fehlender oder falscher Lautbildung (sch, s, ch und R), falscher Zungenhaltung bis zu Stottern und Mutismus (Stummheit). Deshalb ist die Dauer der Therapie unterschiedlich. Mangelndes Sprachverständnis be- oder verhindert das Lernen in fast allen Schulfächern.

Als Therapien gelten in der Volksschule nur die Logopädie, die Psychomotorik und Psychotherapie, alles andere – wie sonderpädagogische Massnahmen – gelten nicht als Therapien. Die Therapien finden in einem Therapieraum mit einer Therapeutin und normalerweise einem Kind statt. Bevor eine Therapie stattfindet, wird – ähnlich wie beim Arzt – eine Diagnose mit Hilfe von geeigneten, meist validierten Diagnosetests erstellt. Rund 5 von 100 Kinder benötigen eine Therapie. Dieses Verhältnis ist seit Jahren stabil geblieben. 2008 musste die Volksschule wegen dem NFA alle bisher von der IV bezahlten privaten Therapien übernehmen. Die Therapeutinnen haben kein Interesse, unnötig Kinder zu therapieren, da sie oft eine längere Warteliste haben. Im Kanton Zürich gibt es ein Kostendach für die Anzahl Therapeuten. Es werden normalerweise nur Kinder in Therapie oder Warteliste aufgenommen, deren Eltern bereit zur Mitarbeit sind, damit ein Therapieerfolg möglich wird.

Bei rund 70 Prozent der behandelten Kinder kann die Sprachauffälligkeit zu 100% behoben werden, bei 30 Prozent kann immerhin eine Verbesserung erzielt werden. Diese Erfolgsquote gilt auch international. Ohne Therapien dürften bei Pisa 2018 die 24 Prozent (unter Niveau 2) bzw. 47 Prozent (unter Niveau 3) der getesteten Schweizer Schulabgänger, die den gelesenen Text nicht verstehen, noch höher ausgefallen sein.

Siehe auch: https://condorcet.ch/2019/12/bei-der-logopaedin/#comment-170

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  Absturz seit 2012 wegen Kompetenzorientierung
Geschrieben von: Schulpfleger - 12-04-2019, 09:52 AM - Forum: Lehrplan 21 - Keine Antworten

Bei der Pisa-Berichterstattung werden offenbar gewisse auffälligen Zusammenhänge zwischen den Resultaten einzelner Länder ausgeblendet. Das ist zum Beispiel der Zusammenhang zwischen gehäuften Reformprojekten und Verschlechterung der Resultate. Ebenso der Zusammenhang zwischen der Umstellung auf die Kompetenzorientierung insbesondere der OECD-Staaten (USA, GB, Neuseeland, Australien, Finnland, Niederlande, Dänemark, Schweden) und den in einem Abstand von 10 bis 15 Jahren eingetretenen Abwärtstrend bei den Pisa-Resultaten. Die in Deutschland 2005 erfolgte Umstellung auf die Kompetenzorientierung fällt 2015 für die reformfreudigen Bundesländer (z.B. „Musterländle“ mit Fratton-Gemeinschaftsschule) auch nach der Deutschland internen IQB-Erhebung verheerend aus. Der einstige Pisa-Sieger Finnland führte 1990 einen neuen Lehrplan mit Kompetenzorientierung ein: der Pisa-Absturz erfolgte 2006, zwischen 2003 und 2012 waren es mit 25 Punkten ein ganzes Lernjahr.

Der Vergleich mit anderen, schlechten OECD-Ländern, wie er von den Medien dargestellt wird, ist irreführend.
Nur der BLICK berichtet ungeschönt und auch darüber, dass die Schweizer Leseresultate von der OECD aufgebessert wurden:

"Laut der PISA-Studie sind die Resultate der Schweizer Schulkinder seit 2012 schlechter geworden, und zwar in allen Disziplinen".

Leseresultate wegen Migranten a u f g e b e s s e r t:

"Die OECD hält zur Studie auch fest, dass in der Schweiz die Zahl der
Schulkinder ausländischer Herkunft zwischen 2009 und 2018 stark zugenommen hat. 2018 hatten in der Schweiz 34 Prozent der Schülerinnen und Schüler einen Immigrationshintergrund. Um diesem Umstand Rechnung zu tragen, wurden die Lese-Resultate um fünf Punkte aufgebessert. (…)"


Das Resultat 30jähriger Schulreformen: die Hälfte (!) der Schulabgänger erreichen nach 11 Schuljahren nur Niveau 2 und darunter: Sie können den gelesenen Text nicht verstehen:

Die Pisa-Aufgaben 2018 sind zu rund 80 Prozent mit den Lesekompetenzen des Lehrplans 21 kongruent. Bei Pisa 2018 liegen 24 Prozent (Pisa 2015: 20 Prozent) der getesteten Schweizer Schulabgänger unterhalb des Niveaus 2 (sechsteiliger Kompetenzniveau-Raster), zusammen mit denjenigen mit Niveau 2 sind es 47 Prozent.

Seit 30 Jahren werden in der Schweiz die spezialisierten Einrichtungen zur Förderung der schwächeren Schüler abgebaut (von Heilpädagogen geführte Kleinklassen, Einführungsklassen, verschiedene Typen von Sonderschulen usw.). Es wird alles getan, um die angeblich schädliche Selektion vermeiden zu können (schwächere Schüler werden in Regelklassen integriert, Ober- und Realschulen werden in Sekundarschulen unbenannt, Sek C-Klassen werden aufgelöst, der Kindergarten wird zur Schule, Jahrgänge werden durchmischt, schwächere Schüler werden von Lernzielen befreit und erhalten bessere Noten, Noten werden abgeschafft, Schüler kommen in die nächste Schulklasse, auch wenn sie das Jahrgangsziel nicht erreichen und ihre Lücken immer grösser werden, Betreuungseinrichtungen für Kleinkinder werden ausgebaut usw.). Um Gleichheit herstellen zu können, wird ausgerechnet die Heterogenität gefördert.

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  Sprachwissenschaft bei Lehrerausbildung kaltgestellt
Geschrieben von: Schulpfleger - 10-30-2019, 08:53 AM - Forum: Sprachen in der Primarschule - Keine Antworten

NZZ, 28.10.2019 Leserbrief von Rudolf Wachter
Rudolf Wachter ist emeritierter Professor für vergleichende Sprachwissenschaft an der Universität Basel. Bild: Academy of Europe

Dass das Französischlehrbuch «Mille feuilles» durchfällt, wundert mich überhaupt nicht (NZZ18. 10. 19). Aber wir hauen hier wieder einmal den Sack und meinen den Esel! Die Ursache des Debakels liegt nämlich nur scheinbar in diesem Lehrbuch (das ich noch nie gesehen habe), in Tat und Wahrheit liegt sie in uns allen, Fremdsprachenlernen war noch nie so unpopulär wie heute. Nicht einmal gutes Englisch zu lernen, wird mehr für nötig erachtet. Es gibt ja «Google Translate».

Die Anfänge der Misere gehen in die 68er Zeit zurück. Seither findet die Bildungspolitik–mit zunehmender Billigung auch durch die rechte Hälfte der Gesellschaft–, Grammatik müsse aus dem Sprachunterricht verschwinden. Zu schwer. Etwas später kam die Forderung dazu, auch Wörterlernen müsse für unnötig erklärt werden. Zu mühsam.

Willige Didaktiker, die den Zeitgeist erkannten, entwickelten daraufhin Konzepte, die die Bildungspolitiker im Glauben wiegten, ihre Forderungen seien umsetzbar. Die Sprachwissenschaft, die den Bluff von jeher durchschaut hat, wurde nicht gefragt, ja bei der Lehrerausbildung regelrecht kaltgestellt.

Heute gibt es in den Schulen kaum mehr Sprachlehrkräfte, die Grammatik und Wortschatz, und überhaupt das Phänomen der menschlichen Sprache, so spannend und sprachübergreifend erklären können, wie ich es selber in der Schule –vor allem im Latein-, Englisch-und Deutschunterricht– erlebt und anschliessend ein Professorenleben lang weiterzugeben versucht habe.

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  Schulische Total-Integration gescheitert
Geschrieben von: Schulpfleger - 10-30-2019, 08:39 AM - Forum: Integration - Keine Antworten

Schulische Integration NZZ 30.10.2019, Zuschriften

Andrea Lanfranchi operiert in seiner Kritik (NZZ, 23. 10. 19) am Gastkommentar von Riccardo Bonfranchi (NZZ, 10. 10. 19) mit dem altbekannten Totschlagargument: Die schulische Integration ist von der Menschenrechtskonvention vorgegeben, also erübrigt sich jede weitere Diskussion. Gleichzeitig gibt er aber implizit zu, dass es einen grossen Ermessensspielraum gibt, weil ja auch heute nicht alle Kinder integriert werden. Mit seinem Hinweis, alle kantonalen Gesetze betonten das Recht auf eine angemessene Schulung, widerlegt er seine Argumente gleich selbst und müsste eigentlich für die Wiedereinführung von Kleinklassen sein.

Denn «angemessen» kann Bildung nur sein, wenn sie auf die Kinder eingeht. Als erfahrene Volksschullehrerin, ehemalige Schulpflegerin und dreifache Mutter sehe ich, dass mit der schulischen Integration das Gebot einer angemessenen Bildung eben nicht erfüllt wird – und zwar weder für die Integrierten noch für alle anderen. Glaubt Herr Lanfranchi wirklich, ein Kind mit massiver Lernbehinderung könne in einer Regelklasse angemessen unterrichtet werden, wenn es auch mit viel Hilfe keine Chance hat, dem Stoff zu folgen? Dieses Kind lernt vor allem, dass es «nichts» kann, was durch Studien belegt ist.

Da helfen auch die zahllosen Bezugspersonen– Heilpädagogen, Sozialpädagogen, Klassenassistenzen, Zivildienstleistende, Team-Teacher und wie sie alle heissen – nichts. Im Gegenteil, sie bringen zusätzliche Unruhe ins Klassenzimmer. Damit dann starke Kinder trotzdem auf ihre Rechnung kommen, werden sie neu in separaten Gefässen gefördert. Wir integrieren also die Schwächeren, um dann die Stärkeren zu separieren. Absurd.

Indem Lanfranchi die schulische Integration weiter als «zugegeben: schwierigen» Auftrag bezeichnet, fordert er wohl dasselbe wie viele seiner Berufskollegen: dass es einfach mehr «Ressourcen» (sprich: Steuergeld) brauche, damit das System funktioniere. Ein System, das deutlich mehr kostet, ohne dass es einen messbaren Nutzen erbringt, ist kein gutes System. Da werden Steuergelder verschleudert. In der Praxis funktioniert das nicht. Die Heilpädagogen könnten in Kleinklassen sinnvoller eingesetzt werden.

Yasmine Bourgeois, Zürich, Mittelstufenlehrerin

Wie vorauszusehen war, wird nun von hoher Bildungsebene der Gastbeitrag von R. Bonfranchi (NZZ, 10. 10. 19) mit wissenschaftlichen Argumenten infrage gestellt. Der Autor wird gewissermassen als Irrender hingestellt. Wo aber werden verhaltensproblematische Kinder erwähnt, wo ist von Burnout, Suizidgefahr von Ängsten zu lesen? Rechtfertigungen vonseiten der an Hochschulen Lehrenden und Forschenden weisen darauf hin, wie hier «bollwerkartig» die eigene Position verteidigt wird.

Heinrich Lang, Ettingen, pensionierter Heilpädagoge

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