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  Sprachwissenschaft bei Lehrerausbildung kaltgestellt
Geschrieben von: Schulpfleger - 10-30-2019, 08:53 AM - Forum: Sprachen in der Primarschule - Keine Antworten

NZZ, 28.10.2019 Leserbrief von Rudolf Wachter
Rudolf Wachter ist emeritierter Professor für vergleichende Sprachwissenschaft an der Universität Basel. Bild: Academy of Europe

Dass das Französischlehrbuch «Mille feuilles» durchfällt, wundert mich überhaupt nicht (NZZ18. 10. 19). Aber wir hauen hier wieder einmal den Sack und meinen den Esel! Die Ursache des Debakels liegt nämlich nur scheinbar in diesem Lehrbuch (das ich noch nie gesehen habe), in Tat und Wahrheit liegt sie in uns allen, Fremdsprachenlernen war noch nie so unpopulär wie heute. Nicht einmal gutes Englisch zu lernen, wird mehr für nötig erachtet. Es gibt ja «Google Translate».

Die Anfänge der Misere gehen in die 68er Zeit zurück. Seither findet die Bildungspolitik–mit zunehmender Billigung auch durch die rechte Hälfte der Gesellschaft–, Grammatik müsse aus dem Sprachunterricht verschwinden. Zu schwer. Etwas später kam die Forderung dazu, auch Wörterlernen müsse für unnötig erklärt werden. Zu mühsam.

Willige Didaktiker, die den Zeitgeist erkannten, entwickelten daraufhin Konzepte, die die Bildungspolitiker im Glauben wiegten, ihre Forderungen seien umsetzbar. Die Sprachwissenschaft, die den Bluff von jeher durchschaut hat, wurde nicht gefragt, ja bei der Lehrerausbildung regelrecht kaltgestellt.

Heute gibt es in den Schulen kaum mehr Sprachlehrkräfte, die Grammatik und Wortschatz, und überhaupt das Phänomen der menschlichen Sprache, so spannend und sprachübergreifend erklären können, wie ich es selber in der Schule –vor allem im Latein-, Englisch-und Deutschunterricht– erlebt und anschliessend ein Professorenleben lang weiterzugeben versucht habe.

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  Schulische Total-Integration gescheitert
Geschrieben von: Schulpfleger - 10-30-2019, 08:39 AM - Forum: Integration - Keine Antworten

Schulische Integration NZZ 30.10.2019, Zuschriften

Andrea Lanfranchi operiert in seiner Kritik (NZZ, 23. 10. 19) am Gastkommentar von Riccardo Bonfranchi (NZZ, 10. 10. 19) mit dem altbekannten Totschlagargument: Die schulische Integration ist von der Menschenrechtskonvention vorgegeben, also erübrigt sich jede weitere Diskussion. Gleichzeitig gibt er aber implizit zu, dass es einen grossen Ermessensspielraum gibt, weil ja auch heute nicht alle Kinder integriert werden. Mit seinem Hinweis, alle kantonalen Gesetze betonten das Recht auf eine angemessene Schulung, widerlegt er seine Argumente gleich selbst und müsste eigentlich für die Wiedereinführung von Kleinklassen sein.

Denn «angemessen» kann Bildung nur sein, wenn sie auf die Kinder eingeht. Als erfahrene Volksschullehrerin, ehemalige Schulpflegerin und dreifache Mutter sehe ich, dass mit der schulischen Integration das Gebot einer angemessenen Bildung eben nicht erfüllt wird – und zwar weder für die Integrierten noch für alle anderen. Glaubt Herr Lanfranchi wirklich, ein Kind mit massiver Lernbehinderung könne in einer Regelklasse angemessen unterrichtet werden, wenn es auch mit viel Hilfe keine Chance hat, dem Stoff zu folgen? Dieses Kind lernt vor allem, dass es «nichts» kann, was durch Studien belegt ist.

Da helfen auch die zahllosen Bezugspersonen– Heilpädagogen, Sozialpädagogen, Klassenassistenzen, Zivildienstleistende, Team-Teacher und wie sie alle heissen – nichts. Im Gegenteil, sie bringen zusätzliche Unruhe ins Klassenzimmer. Damit dann starke Kinder trotzdem auf ihre Rechnung kommen, werden sie neu in separaten Gefässen gefördert. Wir integrieren also die Schwächeren, um dann die Stärkeren zu separieren. Absurd.

Indem Lanfranchi die schulische Integration weiter als «zugegeben: schwierigen» Auftrag bezeichnet, fordert er wohl dasselbe wie viele seiner Berufskollegen: dass es einfach mehr «Ressourcen» (sprich: Steuergeld) brauche, damit das System funktioniere. Ein System, das deutlich mehr kostet, ohne dass es einen messbaren Nutzen erbringt, ist kein gutes System. Da werden Steuergelder verschleudert. In der Praxis funktioniert das nicht. Die Heilpädagogen könnten in Kleinklassen sinnvoller eingesetzt werden.

Yasmine Bourgeois, Zürich, Mittelstufenlehrerin

Wie vorauszusehen war, wird nun von hoher Bildungsebene der Gastbeitrag von R. Bonfranchi (NZZ, 10. 10. 19) mit wissenschaftlichen Argumenten infrage gestellt. Der Autor wird gewissermassen als Irrender hingestellt. Wo aber werden verhaltensproblematische Kinder erwähnt, wo ist von Burnout, Suizidgefahr von Ängsten zu lesen? Rechtfertigungen vonseiten der an Hochschulen Lehrenden und Forschenden weisen darauf hin, wie hier «bollwerkartig» die eigene Position verteidigt wird.

Heinrich Lang, Ettingen, pensionierter Heilpädagoge

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  Evaluation Frühfranzösisch mit LP21-Lehrmitteln
Geschrieben von: Schulpfleger - 10-02-2019, 06:31 PM - Forum: Lehrplan 21 - Keine Antworten

Ergebnisbezogene Evaluation des Früh-Französischunterrichts in der 6. Klasse (HarmoS 8) in den sechs Passepartout-Kantonen durchgeführt von Juni 2015 bis März 2019 am Institut für Mehrsprachigkeit der Universität und der Pädagogischen Hochschule Freiburg im Auftrag der Passepartout-Kantone.

Passepartout sind Lehrmittel, die im Sinne der Kompetenzorientierung des Lehrplans 21 mit dem selbstgesteuerten Lernen bereits im Vorfeld mit Kosten in Millionenhöhe neu konzipiert wurden.

Tab. 2: Erreichung der Grundkompetenzen (A1.2) und der Passepartout-Lernziele (A2.1) nach Fertigkeiten

Grundkompetenzen erreicht in Prozent (A1.2):

Leseverstehen = 62.2%: Die Schüler können einen sehr kurzen, einfachen Satz mehrmals lesen und dabei klar formulierte Informationen verstehen.

Hörverstehen = 86.8%: Die Schüler können in kurzen, einfachen Hörtexten einige Wörter und Ausdrücke und ganz kurze Sätze verstehen, wenn es um sehr vertraute Themen geht

Interaktives Sprechen = 42.5%: Die Schüler können sich auf einfache Art verständigen, wenn ein verständnisvoller Gesprächspartner sich direkt an sie wendet.

Lernziele Passepartout erreicht in Prozent (A2.1)

Leseverstehen = 32.8%: Die Schüler können kurze Texte sowie kurze Textstellen in längeren Texten zu vertrauten, konkreten Themen lesen, um Einzelinformationen zu entnehmen oder die Hauptaussage zu erfassen.

Hörverstehen = 57%: Die Schüler können in vertrauten Situationen und zu vertrauten Themen das Wesentliche von kurzen, klaren und einfachen Durchsagen und Mitteilungen erfassen.

Interaktives Sprechen = 10.8%: Die Schüler können in Gesprächen über vertraute Themen das Wesentliche verstehen und
Verständnis signalisieren, wenn die Gesprächspartner langsam und deutlich artikuliert sprechen und bei Bedarf weiterhelfen.

Fazit der Studie:
Während bei den Ergebnissen der Überprüfung der Erreichung der Grundkompetenzen und der Lernziele des Passepartout-Lehrplans die Resultate im Hörverstehen tendenziell positiv gewertet werden können, weisen die Resultate im Leseverstehen und besonders im Sprechen auf weiteren Entwicklungs- und Handlungsbedarf hin, denn ein beachtlicher Teil der Schüler/innen erreicht am Ende der Primarstufe auch ein elementares Niveau (A1.2) bei den Sprachkompetenzen nicht.

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  Geleitete Schulen - weiterhin ein totes Pferd reiten?
Geschrieben von: Schulpfleger - 08-05-2019, 06:52 AM - Forum: Lehrplan 21 - Keine Antworten

Kommentar zum Condorcet-Artikel "Schulleitung an der Volksschule - eine Erfolgsgeschichte?
https://condorcet.ch/2019/08/schulleitung-an-der-volksschule-eine-erfolgsgeschichte/

Im Rechtskommentar des Volksschulamtes zum neuen Volksschulgesetz im Kanton Zürich von 2008 konnte man Folgendes lesen:

„Bereits seit vielen Jahren kennt man in den Schulhäusern mehr oder weniger stark organisierte Formen von Teamsitzungen, meist Konvente oder Hauskonvente genannt. Bislang gab es dazu keine verbindlichen Bestimmungen des Kantons. Es lag im Ermessen der Hausvorständin oder des Hausvorstandes – allenfalls auch aufgrund einer Weisung der Schulpflege – ob bzw. wie sich das Team eines Schulhauses trifft, um gemeinsam Probleme und Fragen zu erörtern. Immerhin schrieb und schreibt das kantonale Recht vor, dass die Lehrperson mit ihren Kolleginnen und Kollegen «in geregelter Form» zusammenarbeiten muss.“

Mit anderen Worten, es war kein Bedarf für Schulleiter, weil sich die Lehrer selber organisierten.

Nach über 20 Jahren „geleitete Schulen“ kommt man nun zur Erkenntnis, dass man gar nicht weiss, ob die Einführung der Schulleiter eine Erfolgsgeschichte ist, Zitat Anderegg: „Mit der Einführung der geleiteten Schulen investiert der Staat zusätzliches Geld ins Bildungssystem und schon aus rein ökonomischen, aber auch aus pädagogischen Gründen muss man sich die Frage stellen, ob dieses Geld wirklich sinnvoll investiert ist".


Was müssen sich Steuerzahler und Eltern dabei denken?

NB. Wollen wir weiterhin ein totes Pferd reiten und bezahlen?

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  Aktuelle Informationen zur Volksschule und Lehrplan 21
Geschrieben von: Schulpfleger - 08-02-2019, 09:41 AM - Forum: Lehrplan 21 - Keine Antworten

Mit Gratis-Newsletter:

https://schuleschweiz.blogspot.com/
https://condorcet.ch/kategorie/blog/
https://www.starkevolksschulezh.ch/
https://starkevolksschulesg.ch/

Siehe auch:
https://de.wikipedia.org/wiki/Lehrplan_21

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  Frankreich zerstört die Volksschule – wir sind auf dem gleichen Weg
Geschrieben von: Schulpfleger - 06-20-2019, 09:01 AM - Forum: Lehrplan 21 - Keine Antworten

In Frankreich wurde 1999 die «Charta zum Aufbau der Schule des 21. Jahrhunderts» veröffentlicht, die das Schulsystem in einen „Ort des Lebens für unsere Kinder“ verwandeln will. Bildungsminister Jack Lang (2000–2002) gab die Losung aus: «Die Schule muss ein Lebensraum sein!» Diese Bildungsrevolution ersetzt das durch Unterricht vermittelte Wissen durch Aktivitäten, bei denen die Schüler sich ihr Wissen selber erarbeiten sollen: Die Schule darf keine Schule mehr sein.

Für die Umwandlung der Unterrichts-Schule in eine Lebensraum-Schule, müssen die Institutionen, die Organisationsform und die Personalrekrutierung «methodisch, progressiv und konfliktfrei» angepasst werden. Da diese Schulrevolution dem Willen der Eltern und dem Interesse der französischen Nation widerspricht, muss sie mit einem unverständlichen Jargon als "Qualitätsverbesserung" getarnt werden, obschon in Wirklichkeit alles getan wird, um die Volksschule zu zerstören.

Die Lehrerausbildung erhält ständig andere Namen, unter dem die universitäre Lehrerausbildung verschwindet und durch eine Kurzausbildung für alle Lehrer von der Kindergartenstufe bis zur Universität ersetzt wird. Die Lehrer werden zu «pädagogischen Assistenten» degradiert. Für eine Lebensraum-Schule braucht es kein qualifiziertes, diplomiertes Personal mehr. Unqualifiziertes, schlecht bezahltes Personal wird eingestellt, ohne Berücksichtigung der Nationalität oder irgendwelcher sozialen Kriterien.

Wenn es in der Schule keinen Unterricht mehr gibt, weder Wissen noch intellektuelle Bildung vermittelt werden, keine Lehrziele zu erreichen sind, sondern es nur noch Aktivitäten durchzuführen gilt, braucht auch es keine Unterscheidung mehr zwischen Primar- und Oberstufe. Die verschiedenen Schulstufen samt Gymnasium können nun in «Gesamtschulen» («Ecoles inclusives») zusammengelegt werden.

20 Prozent der Lehrer haben in den letzten Jahren gekündigt. Ihre Unzufriedenheit war noch nie so hoch. Die Lehrer sind in Aufruhr, weil sie durch die Staatsmacht missbraucht werden. Während sie vorgibt, an der Wiederherstellung des Bildungssystems zu arbeiten, findet das Gegenteil statt. Die Situation der Lehrer und der ihnen anvertrauten Kinder wird sich weiter verschlechtern. Die von den Gewerkschaften organisierten Streiks kommen zu spät und dienen nur dazu, die Unzufriedenheit einzudämmen. Alles ist genau geplant und vorbereitet, damit die Bildungsminister ihre zerstörerische Politik weiterführen können.

Quelle: http://www.libertepolitique.com/Actualite/Decryptage/Pourquoi-les-professeurs-sont-ils-en-colere, vom 7. Juni 2019

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  Massenkündigungen - der Widerstand wächst
Geschrieben von: Schulpfleger - 06-15-2019, 06:32 PM - Forum: Lehrplan 21 - Keine Antworten

Schon wieder gibt es eine Reihe von Massenkündigungen von Lehrern in der Deutschschweiz. Trotz heimlichen Stillschweigeabkommen (Drohungen mit der Treu- und Schweigepflicht, Datenschutz usw.), Verwedelungstaktik (verschleierte Kündigungsgründe) und völlig fehlender Transparenz dringen immer wieder Details über die Hintergründe von Massenkündigungen durch Lehrer an die Öffentlichkeit, die sich wie ein roter Faden durch alle bisher veröffentlichten Fälle ziehen.

Tatsache ist, dass Lehrer normalerweise so sehr mit dem Schulhaus, dem Lehrerteam und den Schülern verbunden sind, dass sie oft jahrzehntelang oder lebenslänglich im gleichen Schulhaus oder Dorf Schule geben. Massenkündigungen erfolgen nur dann, wenn die Zustände unhaltbar geworden sind und die Lehrer keinen Ausweg mehr sehen. Dass sie dann zu ihrer Existenzsicherung einen anderen Kündigungsgrund vorgeben oder vorgeben müssen, ist nachvollziehbar.

Und immer wieder taucht das gleiche Muster auf:
Will der bisherige Schulleiter umstrittene Reformen auf Druck von oben nicht durchsetzen, weil er das seinen Lehrern und Schülern nicht antun will, wird ein neuer Schulleiter eingesetzt, der womöglich bekannt dafür ist, dass er umstrittene Reformen auch gegen den Widerstand der Betroffenen rigoros durchsetzen wird. Lehrern, die nicht mitmachen wollen, wird mit der Kündigung gedroht.

Der Fall „Wigoltingen“ ist ein Beispiel, wo die NZZ am Sonntag vom 9.6.2019 "Erbitterter Kampf um die Schule" etwas Licht in die beschönigten Verlautbarungen der Schulbehörden bringt und antönt, um was es tatsächlich geht:

Es geht um "grundsätzliche Auseinandersetzungen um pädagogische Konzepte" [mit anderen Worten: rigorose Durchsetzung der „Kompetenzorientierung“ und „Konstruktivismus“ des Lehrplan 21 nach OECD-Vorgaben], "Aufgaben von Lehrpersonen" [das heisst, Degradierung zum Lernbegleiter] sowie um die "Ausrichtung der Volksschule" [durch Einführung von „selbstgesteuertem Lernen“ SOL, altersdurchmischtem Lernen AdL, Abschaffung des Klassenunterrichts usw.]

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  Kommentare zu schulische Integration auf dem Rückzug
Geschrieben von: Schulpfleger - 06-14-2019, 05:15 PM - Forum: Integration - Keine Antworten

Peter Aebersold sagt:
14. Juni 2019 um 9:34 Uhr

Die Integration wurde bei uns von Anfang an falsch verstanden oder falsch umgesetzt. Gemäss UN Behindertenkonvention (Artikel 24 Bildung) dürfen Menschen mit Behinderungen nicht “vom allgemeinen Bildungssystem” ausgeschlossen werden. Die Behindertenkonvention zielte dabei mit ihrem Minimalstandard auf Länder, die Behinderte nicht obligatorisch beschulten oder noch keine spezialisierte, heilpädagogische Bildung anbieten konnten.

Es ist jedoch nicht im Sinne der Behindertenkonvention, wenn Länder heilpädagogisch spezialisierte Einrichtungen (Sonderschulen, Kleinklassen) abschaffen (um Geld zu sparen?), indem sie in die Regelschule “integriert” werden.

“Integration” bedeutet gemäss Behindertenkonvention innerhalb, “Separation” ausserhalb der unentgeltlichen und obligatorischen Volksschule. Sonderschulen und Kleinklassen sind demzufolge mit der UN Behindertenkonvention voll kompatibel, wenn sie unter dem “Dach der Volksschule” allgemein zugänglich sind.

Die “Totalintegration” in die Regelklasse, wie sie bei uns von Bildungsdirektoren und -politikern angestrebt wurde, ist keine Forderung der UN Behindertenkonvention.

Wenn heute die totale „Integration“ als das gute, neue System hochstilisiert wird und „Separation“ geradezu als Unwort verdammt wird, hat das rein politische Gründe und dient den behinderten Kindern in keiner Weise. Völlig verantwortungslos ist, dass diese grundlegende Systemänderung nicht zuerst in der Praxis bei einzelnen Versuchsschulen ausprobiert wurde und dass sie nicht wissenschaftlich überprüft wurde.

Erst jetzt hat die Universität Tübingen in einer Studie festgestellt, dass das Konzept in der Praxis untauglich ist. Die Frankfurter Allgemeine sprach gar von einem “pädagogischen Himmelfahrtskommando”.

Es zeichnet sich nun offenbar ab, dass die in die Regelklassen integrierten Schüler bei Schulende im Erwerbsleben nicht bestehen können und eine neue bis zum 20. Altersjahr weiterführende Schule als “Separation” (!) aufgebaut werden muss. In diesem Sinne „produziert“ die total integrative Regelschule neue Separation.

Bonfranchi Riccardo sagt:
14. Juni 2019 um 9:44 Uhr

Ausführungen von P. Aebersold ist zuzustimmen. Es ist noch hinzuzufügen, dass, wie der emeritierte Professor für Heilpädagogik, Speck aus München, anmerkte, dass es sich bei Integration wohl auch um einen Übersetzungsfehler aus dem Englischen ins Deutsche handelt, weil eine Integration in ein ‘regular school system’ als Integration in die Regelschule verstanden wurde. Regular bedeutet aber letztendlich nur, dass alle Menschen mit einer Behinderung das Anrecht haben, in ein öffentliches, kostenloses Schulsystem aufgenommen zu werden. Von einer Vermischung in die soge. Regelschule, ist da nirgends die Rede. Zumal diese, wie hinlänglich ausgeführt, den besonderen Bedürfnissen (special needs) nie gerecht zu werden vermag.

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  Condorcet-Blog: Schulische Integration auf dem Rückzug
Geschrieben von: Schulpfleger - 06-09-2019, 09:50 AM - Forum: Integration - Keine Antworten

https://condorcet.ch/2019/06/schulische-integration-auf-dem-rueckzug/

Schulische Integration auf dem Rückzug

von Riccardo Bonfranchi

Schulische Integration von behinderten Schülern könne so nicht weitergeführt werden. Als Grund werden vor allem die verhaltensauffälligen Kinder und Jugendlichen genannt, die ihre Lehrkräfte an den Rand der Belastbarkeit führen. Condorcet-Autor Riccardo Bonfranchi hält dies für eine fatale Argumentation, weil der «Schwarze Peter» hier einer Gruppe von Kindern zugewiesen wird.

Vermehrt konnte man in den vergangenen Wochen lesen, dass die schulische Integration von behinderten Schülern so nicht weitergeführt werden könne. Als Grund werden vor allem die verhaltensauffälligen Kinder und Jugendlichen genannt, die ihre Lehrkräfte an den Rand der Belastbarkeit führen – oder gar darüber hinaus. Dies ist, aus meiner Sicht, eine fatale Argumentation, weil der «Schwarze Peter» hier einer Gruppe von Kindern zugewiesen wird, die gar nichts für das Scheitern des Ansatzes können. Ausgeblendet wird, dass die schulische Integration behinderter Kinder – dies betrifft sowohl lern- als auch geistig behinderte Kinder – in der praktizierten Form gar nicht durchführbar ist. Unabhängig von der Frage, ob die Regelschule der komplexen Aufgabe, behinderte Kinder adäquat zu fördern, überhaupt gerecht werden kann und ob dies ihre Aufgabe ist, darf nicht vergessen werden, dass insbesondere der oft ins Feld geführte soziale Aspekt gar nicht zum Tragen kommt.

Überforderung als Markenzeichen der Integration
Oft wird postuliert, wie «schön» es doch sei, wenn behinderte und nicht-behinderte Kinder und Jugendliche zusammenkämen. Und natürlich, dem ist zuzustimmen. Ob dies allerdings gerade in einem intellektuellen Raum des Lehrens und Lernens geschehen kann, erscheint mehr als fraglich. Wenn ein Schüler Tag für Tag miterlebt, dass er grosse Teile des im Unterricht behandelten Stoffes nicht versteht, wird ihn das wohl kaum glücklich machen. Die Zahlen von behinderten Schülern, die in der Mittel- bzw. Oberstufe an eine Heilpädagogische Sonderschule wechseln, legen hiervon beredtes Zeugnis ab. Insbesondere die soziale Austauschsituation überfordert häufig behinderte genauso wie nicht-behinderte Kinder. An einer Primarschule im Kanton Zürich habe ich beobachten können, wie der Lehrer mit den Regelschülern heimlich – also ohne Wissen des behinderten Kindes – einen Begleit-Ämtliplan aufgestellt hat, damit jeweils zwei Kinder sich eine Woche lang um den behinderten Mitschüler kümmern. Zuvor hatte dieser nämlich wochenlang ganz alleine seine Pausen verbracht.

Man wollte alles und hat nichts erreicht.
So eine Vorgehensweise ist gut gemeint, zeigt aber deutlich auf, dass eine solche (Schein-)Integration, die lediglich auf eine gemeinsam verbrachte Zeit hinausläuft, wohl kaum den hohen Zielen, die sich die Befürworter auf ihre Fahnen geschrieben haben, gerecht werden kann. Dass nun gerade die verhaltensauffälligen Schüler dafür herhalten müssen, dieses Experiment zu beerdigen, macht die Sache nicht besser. Alternative Modelle, wie beispielsweise eine Teil-Integration oder gemeinsam durchgeführte Projekte wie Lager, Zoo-Besuche oder vergleichbare Möglichkeiten, die Integration auf einem «sanfteren» Weg durchzuführen, haben nie Anklang bei der Bildungsdirektion gefunden. Man wollte alles und hat nichts erreicht.

Erhöhte Anzahl an Teilpensen als Reaktion der Lehrerschaft
Zu guter Letzt soll noch auf einen Widerspruch hingewiesen werden, der im Zusammenhang mit der Misere steht. Die Bildungsdirektion in Zürich strebt an, die Teilpensen an Schulen zu reduzieren, um dem zunehmenden Lehrermangel Herr zu werden. Wie das umgesetzt werden soll, ist nicht bekannt. Denn gerade die heutige Integrationspraxis ist massgeblich dafür verantwortlich, dass die Teilpensen üppig ins Kraut geschossen sind. Viele der Heilpädagoginnen, die in mehreren Klassen die stundenweise Begleitung behinderter Kinder sicherstellen und sich immer wieder auf neue Situationen und Kooperationen einstellen müssen, arbeiten nämlich Teilzeit. Diverse Gemeinden haben längst damit begonnen, kleine Klassen einzurichten, die den früheren Kleinklassen in auffallender Weise gleichen – nur dass diese nicht von Heilpädagogen geführt werden, sondern von nicht dazu ausgebildeten Oberstufenlehrkräften. Dass andererseits viele verhaltensauffällige Schüler umgeteilt werden auf Heilpädagogische Sonderschulen, die aber inzwischen auf Schüler mit einer geistigen Behinderung ausgerichtet sind, zeigt deutlich die Überforderung sämtlicher Stellen, die sich mit dieser sogenannten Integration, die eben keine ist, auseinandersetzen müssen. Die Frage ist nun: Wie kommen die verantwortlichen Stellen ohne Gesichtsverlust aus dieser Nummer wieder heraus? Es wäre ehrlich und notwendig zugleich, wenn man zugeben würde, dass man a) es versucht und b) sich geirrt habe.

Zum Autor:
Riccardo Bonfranchi ist promovierter Heilpädagoge, Ethiker, Supervisor in sozialpädagogischen Institutionen.

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  Nationaler Bildungsvergleich und Lehrplan 21
Geschrieben von: Schulpfleger - 05-31-2019, 03:39 PM - Forum: Lehrplan 21 - Keine Antworten

Die Ergebnisse des ersten nationalen Bildungsvergleichs sind unbestritten miserabel ausgefallen. Von dem bei Pisa 2018 noch hochgejubelten „Europameister im Rechnen“ erreichen 40% der Schüler die minimalen Grundkompetenzen in Mathematik nicht. Die sprachlichen Kompetenzen wurden nur teilweise überprüft, für Sprechen und Schreiben liegen keine Testergebnisse vor. Kein Wunder hat sich die EDK erst nach zwei, respektive drei Jahren getraut, die Resultate zu veröffentlichen.

Über die Ursachen gibt es viele Spekulationen. Nur eines scheint gemäss den Bildungsverantwortlichen klar zu sein, mit den Reformpaket Lehrplan 21 habe es nichts zu tun, weil er zur Testzeit 2016/2017 noch gar nicht eingeführt worden sei. Auffallend ist, dass die Resultate bei den weniger reformfreudigen Kantonen meist besser ausgefallen sind.

Vor genau 30 Jahren, als noch niemand vom Lehrplan 21 sprach, wurde im Schuljahr 1989/90 bei der  Schule für Kunst und Sport in Zürich erstmals das „selbstgesteuerte Lernen“ unter der harmlosen Bezeichnung „Wochenplan“ eingeführt. Das Reformelement „selbstgesteuertes Lernen“ nimmt im Lehrplan 21 eine zentrale Rolle ein und führt beim Lehrerberuf und beim Unterricht zu einer dramatischen Veränderung: Der Lehrer wird zum Lernbegleiter/Coach degradiert und darf nicht mehr vor der ganzen Klasse unterrichten, sondern nur noch „individuell begleiten“, weil das Lernen der Kinder laut den Schulreformern nur „authentisch“ sei, wenn die Schüler „selbstgesteuert“ sozusagen das Rad neu erfinden können.  

Das "selbstgesteuerte Lernen" geht beim Grossteil  der Schüler viel langsamer und die Schüler können nur noch etwa 50% des  bisherigen Stoffes durcharbeiten. Deshalb wird von den Schulreformern behauptet, Wissen sei nicht mehr wichtig, man könne ja "googeln".  Dabei wird unterschlagen, dass nur derjenige vom Internet profitieren kann, der das nötige Grundlagenwissen hat, um die vielen Informationen verstehen und Richtiges von Falschem (Fake News usw.!) unterscheiden kann.

Seit 30 Jahren hat sich der "Wochenplan" nun wie ein progressiver Virus in der ganzen Schweiz verbreitet und kaum jemand will die Epidemie bemerkt haben.

Das angeblich „kostengünstige“ selbstgesteuerte Lernen ist dem traditionellen, erfolgreichen Ansatz des Klassenunterrichts komplett entgegengesetzt. Wenn die wahren Ursachen für den, von den kritischen Bildungsfachleuten vorausgesagten, Bildungsabbau weiterhin nicht zur Kenntnis genommen werden, wird sich die Bildungsqualität unweigerlich weiter verschlechtern.

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