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  Ein Stück Welt im Schulzimmer (NZZ Gastkommentar)
Geschrieben von: HPA - 08-26-2015, 07:44 AM - Forum: Lehrplan 21 - Antworten (2)

NZZ, 18.8.2015

Bildung



Ein Stück Welt im Schulzimmer

Der auf zu viele Wünsche ausgerichtete Bildungsauftrags der Volksschule ist einer gründlichen Prüfung zu unterziehen. Dabei gilt es, das Potenzial eines vielseitigen Realienunterrichts zu nutzen.

Gastkommentar von Hanspeter Amstutz

Informationsmaterial in Hülle und Fülle steht heute allen zur Verfügung. Ein Klick im Internet – und schon erhält man neuestes Zahlenmaterial über eine Weltstadt oder prächtige Bilder über den grössten Luxusliner der Welt. Hunderte von Fernsehsendern stehen uns zur Auswahl, die über das aktuelle Geschehen informieren und unsere Erde so zu einem globalen Dorf machen. Die tägliche Informationsflut ist gewaltig, und viele fragen sich inzwischen, wieweit wir damit vernünftig umgehen können. Die Forderung, die Schule müsse die Kinder zu einem effizienten Umgang mit den neuen Medien anleiten, ist daher verständlich.


Solide Allgemeinbildung

Bei diesem grossen Angebot an Informationen scheint die Schule bezüglich der Wissensvermittlung längst ins Hintertreffen geraten zu sein. Dank dem Internet kennen sich Jugendliche heute in Bereichen aus, die früher zum verheissungsvollen Neuland des Schulstoffs zählten. Zweifellos hat die Volksschule das Monopol der Erstinformation verloren. Es wäre aber ein verhängnisvoller Irrtum, zu glauben, die Schule könne deshalb die elementare Allgemeinbildung reduzieren und ihr Bildungsprogramm primär auf anwendungsorientierte Bereiche konzentrieren. Kompetenzziele schon früh auf die Berufswelt hin auszurichten, würde einer armseligen Vorstellung von Bildung Vorschub leisten.

Der Umgang mit dem Internet und andern elektronischen Medien setzt ein solides Allgemeinwissen voraus, damit die Orientierung in der Datenflut einigermassen gelingt. Ohne ein hilfreiches Weltbild, das auf exemplarischer Elementarbildung und den Kenntnissen wichtiger Zusammenhänge beruht, kann das Informationsangebot der modernen Medien kaum sinnvoll verwendet werden.

Eine zentrale Bedeutung für die Orientierung in den elektronischen Medien kommt dem Realienunterricht zu. Der Unterricht in Geschichte, Geografie und Naturwissenschaften schafft wichtige Voraussetzungen für das Verstehen wesentlicher Zusammenhänge. Die Vermittlung von Basiswissen ist grundlegend für ein starkes Interesse der kommenden Generation an wirtschaftlichen, kulturellen und politischen Entwicklungen.

Wer in spannenden Geschichtsstunden mit den prägenden Themen des 19. und 20. Jahrhunderts konfrontiert wurde, kann die heutige Politik besser verstehen. Narrativer, sorgfältig vorbereiteter Geschichtsunterricht wird an unseren Schulen aber leider je länger, je mehr durch die an den pädagogischen Hochschulen entwickelte Methode des entdeckenden Lernens aufgrund von Quellentexten verdrängt. Die Quittung dafür sind gelangweilte Jugendliche in den Geschichtsstunden. In einem erzählerisch gestalteten Geschichtsunterricht dagegen erweitern die Schüler über aktives Zuhören zudem ihren Wortschatz, indem sie ganz in die deutsche Sprache eintauchen. Die Konfrontation mit dem realen Leben eröffnet neue Zugänge zu den Jugendlichen, sofern die didaktischen Möglichkeiten voll ausgeschöpft werden. Dies gilt auch für die oft stiefmütterlich behandelten Naturwissenschaften. Wie funktioniert ein Elektromotor? Um dem Geheimnis auf die Spur zu kommen, wickeln Schüler eigenhändig Magnetspulen und bauen Elektromotoren. Dabei werden Zusammenhänge erkannt, die beim schnellen Surfen im Internet kaum gefunden würden. Die Verbindung von erlebter Anschaulichkeit mit präziser theoretischer Vertiefung schafft Bildung, die mehr als nur die Oberfläche berührt.

Es ist bedenklich, dass der Realienunterricht im Schatten der Diskussion um das frühe Sprachenlernen vielerorts an Qualität eingebüsst hat. Aus Zeitnot werden die beliebten Realienfächer in der Primarschule zum Teil benützt, um Englisch- und Französischwörter zu lernen. Ohne dieses unstatthafte Ausweichen gelingt es vielen Lehrpersonen kaum, in dem auf je zwei Wochenlektionen verteilten Fremdsprachenunterricht das ambitiöse Pflichtprogramm zu erfüllen. Dabei wird der Lerndruck durch die Vorstellung verstärkt, dass begabte Kinder vor allem in den Fremdsprachen frühzeitig gefördert werden müssten.

Von den hervorragenden Möglichkeiten der Förderung von Talenten in den Realienfächern spricht kaum jemand. Bei interessanten Projektarbeiten aber kommen die Begabtesten voll auf ihre Rechnung, ohne dass sich dabei Schwächere benachteiligt fühlen. Der vielseitige Realienunterricht kann die Heterogenität der Klassen weit besser auffangen als ein streng programmierter Fremdsprachenunterricht. Es ist Aufgabe der Fachdidaktik in der Lehrerbildung, die Chancen eines modernen Realienunterrichts aufzuzeigen und die Studierenden auf die anspruchsvolle Praxis vorzubereiten. Mit dem neuen Lehrplan soll nun alles besser werden.



Graben zwischen Theorie und Praxis

Doch es reicht nicht aus, das Bildungsprogramm im Bereich von Natur und Technik zu erweitern, ohne aufzuzeigen, wo dies durch Abstriche in andern Fächern kompensiert werden könnte. Da insgesamt nicht mehr Lektionen zur Verfügung stehen, geht die Rechnung nur auf, wenn in viel kürzerer Zeit mehr Kompetenzziele erarbeitet werden. Der Preis dafür aber ist zu hoch. Wenn elementare Lernprozesse hastig ablaufen, leidet die Qualität des Unterrichts ganz empfindlich. Zwischen den Vertretern von Bildungstheorien und den Lehrpersonen besteht ein Graben, weil die Umsetzung allzu vieler Reformen an den praktischen Rahmenbedingungen und den belastenden Nebenwirkungen gescheitert ist.

Erfolgreiche Bildungspolitik sollte deshalb dem Kriterium der Praxistauglichkeit von Neuerungen und der Relevanz prägender Bildungsinhalte aus dem Realienbereich grösste Aufmerksamkeit schenken. Auf jeden Fall werden wir nicht um die Herkulesaufgabe herumkommen, den auf zu viele Wünsche ausgerichteten Bildungsauftrag der Volksschule in einer offenen Bildungsdebatte einer gründlichen Prüfung zu unterziehen.



http://www.nzz.ch/meinung/kommentare/ein-stueck-welt-im-schulzimmer-1.18597536

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  Gedanken zum Lehrplan 21
Geschrieben von: HPA - 08-14-2015, 08:09 PM - Forum: Lehrplan 21 - Antworten (8)

Positive Aspekte:


  • Der Lehrplan ist in einigen Fächern entschlackt worden und enthält eine durchaus vernünftige Anzahl an Kompetenzen (z. B. bei den Naturwissenschaften)
  • Die Forderung nach einer Zusammenfassung der Teilkompetenzen zu Grundkompetenzen wurde erfüllt (die Kompetenzstufen und ihr vorgegebener Aufbau bleiben aber bestehen)
  • Die Inhalte sind explizit wieder aufgewertet worden und werden auch mit verbindlichen Hinweisen in den einzelnen Fächern festgelegt
  • Die Formulierungen der Kompetenzen ist verbessert worden. Allzu abstrakte oder völlig banale Kompetenzbeschreibungen sind weitgehend gestrichen worden
  • Die Rolle der Lehrperson wird vielfältig gesehen. Grundsätzlich wird die Methodenfreiheit unterstrichen und keine Methode besonders hervorgehoben
  • Bei den Grundansprüchen wird darauf hingewiesen, dass diese für einzelne Schüler noch immer zu hoch sein könnten. Eine Lernzielbefreiung in Teilbereichen wird neu akzeptiert (wohl erst nach genauer Abklärung)
  • Im Fach Geschichte sind die Inhalte konkretisiert worden und die methodischen Anregungen für einen guten Geschichtsunterricht liegen näher bei den Vorstellungen der Schüler



Negative Aspekte und offene Fragen:

  • Der Verzicht auf elementare Jahresziele (Grundkompetenzen) in den Kernfächern Deutsch, Mathematik und Fremdsprachen wird Auswirkungen auf den Aufbau der entsprechenden Lehrmittel haben. Die Jahresplanung für die Lehrpersonen wird daher schwieriger
  • Die Anzahl der verbindlichen Stufenziele in den Kernfächern ist immer noch sehr hoch. Um elementare Bildung so zu vermitteln, dass die Schüler wesentliche Bildungsinhalte verstehen und anwenden können, bleibt zu wenig Zeit. Dies könnte zur bekannten Hektik des „Durchnehmens“ möglichst vieler Kompetenzen führen
  • Der Lehrplan ist nach wie vor kein benutzerfreundliches Werk. Eine übersichtliche Gliederung zwischen klar verbindlichen Bildungszielen samt Inhalten einerseits und Anregungen für weitere fakultative Bildungsziele anderseits muss man sich in den meisten Fächern zusammensuchen
  • Das Festhalten an einer stringenten Planbarkeit des Kompetenzaufbaus bis ins Detail bleibt eine pädagogische Selbsttäuschung. Die grosse Heterogenität der Klassen machen die Organisation eines wissenschaftlich gesteuerten Aufbaus von Lernprozessen zu einer Herkulesaufgabe für die Lehrerinnen und Lehrer
  • Die formale Einengung der Kompetenzbeschreibungen auf die stets gleichbleibende Einleitung mit dem Verb „können“ gibt dem Lehrplan den Anstrich, in erster Linie einen exakt planbaren Output anpeilen zu wollen. Bildung mit einem erweiterten Horizont müsste einige Grundkompetenzen auch mit Verben wie verstehen, kennen, usw. beschreiben
  • Die Überprüfung von Lernprozessen, bei denen die Schüler auf unterschiedlichen Kompetenzstufen stehen, ist sehr aufwändig und kann in ganz vielen Bereichen nur einzelne Aspekte erfassen. Es ist anzunehmen, dass die Lehrpersonen häufig zentral ausgearbeitete Tests einsetzen werden, um die Schüler leistungsmässig differenziert erfassen zu können (ähnlich wie die Stellwerktests)
  • Für Schüler mit Teilleistungsschwächen bleibt die grosse Anzahl der Kompetenzziele und fehlende Abwahlmöglichkeiten bei einzelnen Fächern trotz der Relativierung der Grundansprüche eine Belastung. Die im Lehrplan enthaltene Forderung nach einem Unterricht mit individuellen Zielsetzungen müsste eigentlich die unterschiedlichen Begabungsprofile besser respektieren
  • Die wichtige Frage, wie Zeugnisse künftig aussehen sollen, ist den Kantonen zugespielt worden. Eigentlich müsste ein kompetenzorientierter Lehrplan den Weg zu einer vernünftigen Schülerbeurteilung mindestens in den Grundzügen aufzeigen
  • Das pädagogisch wenig überzeugende Fremdsprachenkonzept mit dem Modell 3/5 erfüllt den Auftrag der Harmonisierung nicht. Die Fremdsprachenfrage ist für die Primarschule keine Nebensache. Beim Wegfall einer Fremdsprache gibt es Gewichtsverschiebungen zwischen den einzelnen Fächern
  • Die fehlende Erprobung mindestens einzelner Bereiche des Lehrplans lässt viele Fragen offen, die vorgängig hätten geklärt werden können. Es ist zu befürchten, dass nach der Einführung des Lehrplans laufend neue Kosten anfallen werden, um gemachte Fehler wieder korrigieren zu können
  • Eine Einordnung des neuen Lehrplans bezüglich seines Stellenwerts für den Schulalltag ist nach wie vor kaum möglich. Ein Deutschschweizer Lehrplan, der in erster Linie Orientierung und Koordination im Bildungswesen bringen soll, dürfte eigentlich keine Grossreform mit aufwändiger Ausbildung der Lehrpersonen auslösen

Hanspeter Amstutz

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  Sprachenstreit als Kulturkampf um den Grundauftrag der Primarschule
Geschrieben von: HPA - 08-05-2015, 07:06 AM - Forum: Sprachen in der Primarschule - Antworten (2)

Die Spatzen pfeifen es von den Dächern: Das frühe Lernen von zwei Fremdsprachen mit nur zwei Wochenstunden pro Sprache ist ineffizient und führt zu einem Abbau bei andern wesentlichen Fächern. Herrschte bei den Bildungsplanern vor zehn Jahren noch Fremdspracheneuporie, so ist heute fast in allen Kantonen heftige Opposition gegen ein überfrachtetes Sprachenprogramm entstanden. Volksinitiativen mit dem Ziel, neben Hochdeutsch sei nur eine Fremdsprache in der Primarschule zu unterrichten, sollen Abhilfe schaffen.

Die treibenden Kräfte für ein besseres Sprachenkonzept sind Lehrerinnen und Lehrer der Mittelstufe. Mit Nachdruck stellen sie die Frage, ob die Primarschule nicht noch ganz andere Aufgaben habe, als allen Kindern möglichst früh drei Sprachen zu vermitteln. Kaum die Hälfte der Schüler schafft es, in beiden Fremdsprachen auf einen grünen Zweig zu kommen. Dafür weisen zu viele Schüler elementare Defizite im arg vernachlässigten Realienbereich und im Deutsch auf. Die von den grossen Zürcher Lehrerverbänden unterstützte kantonale Fremdspracheninitiative ist ein Ausdruck dieses Ringens um eine kinderfreundlichere Bildungskultur.

Die Konferenz der Erziehungsdirektoren (EDK) aber mauert. Unterstützt von besorgten Bildungspolitikern aus der Romandie, will man unter allen Umständen am frühen Einstieg in zwei Fremdsprachen festhalten. Politisch steht die EDK vor einem Dilemma. An dem in weiten Kreisen beliebteren Englisch soll nicht gerüttelt werden. Und Französisch als Landessprache muss seinen Stellenwert behalten, indem es spätestens ab der fünften Klasse eingeführt wird. Der Frage der Effizienz des frühen Sprachenlernens und der belastenden Nebenwirkungen hingegen weicht man bei der EDK systematisch aus.

Statt das Harmos-Konkordat im Bereich der Sprachen der Realität anzupassen, wird in einzelnen Kantonen versucht, die Volksinitiativen juristisch auszuhebeln. Dies dürfte bei der klug formulierten Zürcher Initiative aber kaum gelingen. Es ist absurd, wenn die im Grundsatz richtige Idee der Bildungsharmonisierung als Bollwerk gegen vernünftige pädagogische Erkenntnisse verwendet wird und viele Kinder so die Freude am Sprachenlernen verlieren.

Mit brüskierenden Gerichtsentscheiden und der Dialogverweigerung der EDK mit den kantonalen Verbänden kommen wir nicht weiter. Die EDK hätte die Chance gehabt, mit dem neuen Lehrplan ein Sprachenkonzept mit besserer Staffelung zu schaffen. Doch man war nicht bereit, das umfangreiche Bildungsprogramm auf ein für die meisten Schüler verkraftbares Mass zu reduzieren. Es rächt sich jetzt, dass eine offene Diskussion um den Grundauftrag der Primarschule nie stattgefunden hat. Der Preis für diese bewusste Unterlassung ist ein überladenes Bildungsmenu, das als Ganzes nicht mehr richtig schmeckt.

Mit einem bildungspolitischen Flickwerk auf Kosten der Kinder wird unsere Volkschule erheblich an Qualität einbüssen. Wenn die Politik nicht selber aus der Sackgasse herausfindet, ist es Zeit, dass in der Sprachenfrage das Volk das letzte Wort hat.


Fehraltorf, 13. Juli 2015 Hanspeter Amstutz

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