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  LP21 oder die neoliberale Domestizierung der Volkschule
Geschrieben von: Schulpfleger - 10-17-2015, 10:10 AM - Forum: Lehrplan 21 - Keine Antworten

Die Grundlagen zum Lehrplan 21 wurden seit 2006 von einer kleinen Projektgruppe festgelegt und 2010 von der D-EDK abgesegnet. 2011 begannen die von der Steuergruppe ausgewählten Mitglieder der Fachbereichteams, die ihnen vorgegebenen Grundlagen in Tausende von Pseudo-Teilkompetenzen umzusetzen. Da die Fachleute zu den Grundlagen nichts zu sagen hatten, ist die Fachlichkeit beim Lehrplan 21 nicht gegeben.
Die Grundlagen beanspruchen die alleinige Deutungsmacht für „guten Unterricht“, was die faktische Abschaffung der Methodenwahl bedeutet. In den Grundlagen wird das „konstruktivistisch, selbstorganisierte Lernen“ („Offene Lernformen“) und der „kompetenzorientierte Unterricht“ favorisiert.

Die Konstruktivistische Ideologie („Unterricht ohne zu unterrichten“) ist nicht etwa nur eine neue „Lehre vom Lehren“, sie ist ein Paradigmenwechsel („Die Schule neu erfinden“), der den gesamten bisherigen Lernprozess umkrempelt.
Dieser Paradigmenwechsel ist einschneidend und verändert den Unterricht grundlegend bzw. er wird abgeschafft. Die konstruktivistische Didaktik ist der erste Schritt in eine „kompetenzorientierte Lernkultur“. Der Paradigmenwechsel von der Wissensvermittlung mit Lernzielen zum „selbstorganisierten“ Lernen mit Kompetenzmessung („Output“orientierung) wurde mit dem PISA-Ranking der neoliberalen Wirtschaftsorganisation OECD eingeleitet.

Der Lehrer darf nicht mehr in einem kreativen, motivierenden Klassenunterricht den Schülern Wissen gemeinsam beibringen, sondern jeder Schüler bestimmt selber, was wie wann und ob er lernen will. Der Lehrer wird zum „Lernbegleiter“, der Arbeitsblätter verteilt und „Lernumgebungen“ schafft. Der Schüler wird zum Einzelkämpfer, der sich das Wissen selber beibringen muss, in dem er Arbeitsblätter abarbeitet. Mit den "offenen Lernformen" sind die mittleren und schwachen Schüler überfordert und allein gelassen, die Stofflücken werden immer grösser und die Chancen einen Beruf erlernen zu können, immer kleiner. Es findet eine „stille Selektion“ bereits ab der 1. Primarklasse statt, die Chancengleichheit wird ausgehebelt und die Weichen zur Zweiklassengesellschaft gestellt.

Mit dem Lehrplan 21 würden die bisherigen Schulreformen, die in die gleiche Richtung stossen und bereits in Lehrerausbildung, Lehrmittel und Schulversuche eingeflossen sind, gesetzlich festgelegt und mit verheerenden Auswirkungen für die nächste Generation zementiert. Er würde die vom Volk verabschiedeten Volksschulgesetze aushebeln und Behörden und Schulleitern einen Freipass geben, um die „offenen Lernformen“ den Lehrern aufzwingen zu können.

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  Classroom Walkthrough
Geschrieben von: Schulpfleger - 10-11-2015, 03:22 PM - Forum: Lehrplan 21 - Antworten (1)

Der Hintergrund der folgenden Leserbriefe bildet die kürzlich stattgefundene Tagung der Thurgauer Schulleiter. Diese setzen sich ein für den Lehrplan 21 und werden über ein neues "Führungsinstrument" (Classroom Walkthrough) informiert.


Thurgauer Zeitung: 4. September 2015, 02:40 Uhr

Schulleiter für Lehrplan 21
Die Thurgauer Schulleiter setzen sich für den Lehrplan 21 ein. Sie bereiten sich auf unangekündigte Schulbesuche vor und arbeiten mit Psychiatern zusammen.
WERNER LENZIN

(…)
Wiederkehrende Besuche
Laut Michael Schwendener ist Classroom Walkthrough ein Führungsinstrument für nachhaltige Unterrichtsentwicklung. Durch jährlich zehn bis fünfzehn kurze, immer wiederkehrende Unterrichtsbesuche von sieben bis zehn Minuten mit einem schriftlichen oder mündlichen Feedback innerhalb von 24 Stunden kann die Schulleitung Einblick in das Lehren und Lernen an der Schule nehmen. Die Besuche sind nicht angekündigt, das Schulzimmer wird ohne anzuklopfen betreten. Damit der Unterricht nicht gestört wird, gibt es keine Begrüssung und keine Verabschiedung. Die Schüler sind darüber informiert.
(...)

LESERBRIEFE:

____
21. September 2015
Classroom Walkthrough: Neues "Führungsinstrument" für Schulleiter

Die Thurgauer Schulleiter haben ein neues Führungsinstrument, das sich Classroom Walkthrough nennt. Dabei handelt es sich um ein Kontroll-Instrument, das bereits in den USA angewendet wird. Es gibt dazu auch schon eine entsprechende App fürs Handy. Wie funktioniert Classroom Walkthrough? Die Schulleitung besucht die Lehrkräfte 10 bis 15 Mal pro Jahr während 7 bis 10 Minuten. Die Lehrkräfte erhalten innerhalb von 24 Stunden ein schriftliches oder mündliches Feedback. Der Besuch ist nicht angemeldet, das Schulzimmer wird ohne anzuklopfen betreten. Es gibt keine Begrüssung und auch keine Verabschiedung.

Es scheint mir ungeheuerlich, was da passiert: Erstens ist es stillos, einfach in eine Lektion hineinzutrampen ohne anzuklopfen und ohne begrüsst zu werden. Die Klassengemeinschaft hat für mich auch immer etwas Beschützendes - hier soll niemand exponiert werden und die Schüler und der Lehrer sollen sich sicher fühlen. Zweitens fehlt mir bei vielen Schulleitern die pädagogische Qualifikation. Weshalb sollten sich gute Lehrer jemandem unterordnen, der aus dem Klassenzimmer geflüchtet ist? Drittens wäre es illusorisch, das als Qualitätssicherung oder Weiterbildung anzusehen. Classroom Walkthrough ist ein Machtinstrument, welches das Gefälle zwischen Lehrer und Schulleitung verstärkt. Gehen Sie doch mal aufs Erziehungsdepartement Ihres Kantons und machen dort einen klassischen Walkthrough durch die Büros und senden danach per Email ein Feedback. Classroom Walkthrough macht deutlich, bei wem die Macht liegt.

Das Vorgehen der Thurgauer Schulleiter hat etwas Verzweifeltes: Der nächste Schritt wäre dann das gläserne Klassenzimmer, das dank Kameras jederzeit vom Schulleiterbüro aus einseh- und hörbar ist. Wollen wir das wirklich? (uk)
Quelle: http://schuleschweiz.blogspot.ch/2015/09/thurgauer-schulleiter-stutzen-lehrplan.html
___

Lernen ist etwas anderes als aus dem Internet kopieren

Regierungsrätin Knill und ihre Experten scheinen sich nicht so sicher zu sein, dass ihre Vorstellungen vom zukünftigen Unterrichten bei den Lehrern breite Zustimmung finden. Der mit tausenden von Kompetenzen völlig überladene LP21, der die einzelnen Fächer völlig verhackstückt und gleichzeitig überfrachtet, ist nicht praxistauglich.

Er verhindert ein systematisches, zusammenhängendes Erlernen der Grundfertigkeiten, die man als Staatsbürger und im Beruf braucht. Der LP21 überfordert viele Schüler, da er das eigenständige individuelle Lernen favorisiert.
Er verhindert damit seinen Verfassungsauftrag, die Ziele der Bildungsstufen bundesweit anzugleichen. Es sei denn, man versteht darunter völlig individuelle Lernstände als allgemeingültiges Ziel.

Aufgrund der Proteste aus der Lehrerschaft wird immer wieder betont, dass die Unterrichts- und Methodenfreiheit der Lehrpersonen auch in Zukunft gewahrt blieben. Diese Beruhigungspille schluckt jedoch kein Lehrer, der den LP21 wirklich gelesen hat und dann z.B. feststellt, dass sein Fach Geschichte im Konglomerat NMG (Natur – Mensch – Gesellschaft) untergeht.
Etwa Schweizer Geschichte soll erst ab der 7. Klasse in kürzester Zeit und in einem Wust von hochanspruchsvollen Fragen vermitteln werden. So sollen Schüler in der Pubertät „eine kurze historische Darstellung einer ausgewählten Region vom Beginn der Neuzeit bis heute verfassen“ können. Lernen ist jedoch etwas anderes als die „Kompetenz“, etwas aus dem Internet herauszukopieren.
Um die Lehrerschaft auf Kurs zu bringen, sollen nun die Schulleiter mittels „Classroom Walkthrough“ (Thurgauer Zeitung 4.9.2015) kontrollieren, ob die Lehrer fragwürdige „offene Lernformen“ verwenden und die Schüler genügend Zeit haben, „ihre Arbeiten in ihrem eigenen Tempo zu erledigen“.

So jedenfalls bringt es ihnen Ex-Lehrer Schwendener bei, der seine Kontrollgangmethode für 450 Sfr pro Person nun an die Thurgauer Schulleiter verkauft. Hauptsache es klingt amerikanisch und kommt von da…
Georg Koch, Stettfurt
___

Widerstand gegen den Lehrplan 21, Leserbrief Thurgauer Zeitung, 18.9. von Lutz Wittenberg

Einmal mehr dürfen wir lesen, dass sich die Schulleiter für den Lehrplan 21 einsetzen. Eigentlich klar, wenn man überlegt, dass sie die Weisungen des Volksschulamtes transportieren müssen – dafür wurden sie ja geschaffen. Ausserdem will sich der Verband gegen Unwahrheiten einsetzen! So, so – begründete Kritik glaubt man so loszuwerden? So einfach wird dies nicht, denn der Widerstand gegen den Lehrplan 21 ist personell und inhaltlich sehr breit abgestützt/siehe http://www.gute-schule-tg.ch

Ein Hauptkritikpunkt an dieser radikalen Schulreform lautet, dass die Lehrpersonen dadurch noch mehr gezwungen würden, Schüler allein an ihren Kompetenzaufgaben herumpröbeln zu lassen – „selbstgesteuerter“ oder „offener“ Unterricht heisst das dann. „Unwahrheit!“, heisst es dann wahrscheinlich vom Schulleiterverband, im Lehrplan stünde ausdrücklich etwas von Methodenfreiheit des Lehrers.
Doch erstens kann man das Vorantreiben „offener“ Unterrichtsformen im Lehrplan selbst zeigen. Zweitens heisst es in der Vernehmlassungsantwort des Lehrerverbands LCH: „Die ‚Methodenfreiheit‘ der Lehrpersonen wird stark relativiert.“ Und drittens wird es noch interessanter, wenn man den Artikel weiter liest, was an der Schulleitertagung gelaufen ist. Man habe das Führungsinstrument „Classroom Walkthrough“ kennengelernt: Der Schulleiter soll jeden Lehrer zehn- bis fünfzehnmal unangemeldet für ein paar Minuten im Unterricht besuchen. Schon wieder eine neue Kontrollform, die die Lehrpersonen in eine modernistische Richtung zwingen soll.

Interessant ist die Homepage des Referenten, der die Schulleiter dieses Führungsinstrument beigebracht hat. Dort findet man einen exemplarischen Bogen mit Aspekten, auf die die Schulleiter bei diesen Besuchen achten sollen. Einer von vier fragt, ob „offene“ Lernformen angewendet werden. Wohin die Bildungsbürokratie will, ist folglich klar! Also: Gibt es jetzt Methodenfreiheit oder nicht? Offensichtlich nicht. Leider müssen wir damit rechnen, dass berechtigte Kritik am Lehrplan 21 als Unwahrheit abgetan wird, weil die Befürworter keine guten Argumente haben. Zum Glück werden wir im Thurgau über dieses Schulreformwerk abstimmen können.


Wir befinden uns in der direkdemokratischen, neutralen, bewaffneten Eidgenossenschaft. Wir schreiben das Jahr 2015.
In dieser Eidgenossenschaft gibt es vier Landessprachen, Englisch ist nicht dabei.

Diese für eidgenössische Zungen eher ungewohnte oder unaussprechliche Wortschöpfung "Classroom Walkthrough" ist nun der OFFIZIELLE Begriff der thurgauer Bildungsdirektion, der den Schulleitern die nötige Macht verleiht, etwaige unbotmässige Lehrer (die heute Lehrpersonen heissen) und wagen sollten, die Methodenfreiheit für sich in Anspruch zu nehmen, auf den rechten LP21-Weg zu steuern (zwingen).

Classroom-Walkthrough auf Deutsch: Spaziergang durchs Klassenzimmer. Dass sich im Lande Pestalozzis Pädagogen zwingen lassen, dass man ihnen mittels eines angelsächsischen neoliberalen Steuerungsinstruments ihr pädagogisches Selbstverständnis verbietet, nämlich als Person im Klassenzimmer mit allen Sinnen präsent zu sein und die Schüler mit Empathie anzuleiten und eine Klassengemeinschaft zu formen, ist mir unerklärlich.

Nun wird also geprüft, ob der Lehrer tatsächlich die Rolle des "Coach" oder des "Moderator" eingenommen hat. Unangemeldet, ohne anzuklopfen, ohne Gruss tritt der Schulleiter ins Klassenzimmer, macht sein "Walkthrough", macht seine "Look fors", ob die vorgeschriebenen "Offenen Lernformen" durchgeführt werden und gibt innert 24 Stunden sein "Feed-back". Schrecklich!
Willy Wahl, Zürich

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  Fremdsprachen-Initiative Zürich unterstützen!
Geschrieben von: Schulwart - 09-25-2015, 05:58 PM - Forum: Sprachen in der Primarschule - Antworten (1)

[Bild: _fremdsprachen_initiative_logo.png]

Die Unterschriftensammlung für die Fremdsprachen-Initiative Zürich hat begonnen, 
natürlich sind auch Mitglieder der IG Kindgerechte Schule an dieser guten Sache beteiligt:

http://fremdsprachen-initiative-zuerich.ch/

Nur gemeinsam können wir etwas bewegen!

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Question Fragwürdiger neuer Lehrplan
Geschrieben von: HPA - 09-14-2015, 08:37 PM - Forum: Lehrplan 21 - Keine Antworten

Neuer Lehrplan ist fragwürdig

Erinnern Sie sich noch lebhaft an spannende Geschichtsstunden aus der Schulzeit?
Oder kommt eher Missmut auf, wenn Sie an langweilige Lektionen mit seitenlangen Hefteinträgen zurückdenken? Die Antworten werden unterschiedlich ausfallen, denn guter Unterricht hängt von der fachlichen und pädagogischen Kompetenz der Lehrpersonen ab. Die Diskussion um den neuen Lehrplan lässt allerdings oft den Eindruck entstehen, dass gute Bildung primär eine Sache detaillierter Planung sei.

Ein Blick auf den Teillehrplan Geschichte zeigt, wie sich die Bildungsverantwortlichen die innere Reform der Schule vorstellen. Neben vielen einleuchtenden Kompetenzzielen finden sich Ziele, die weit weg von der Welt der Kinder und Jugendlichen sind. Man spürt auf jeder Seite, dass hinter den verschlossenen Türen des letztjährigen EDK-Lehrplankonzils zwischen den Fachwissenschaftern und den Lehrervertretern um praxisnähere pädagogische Vorstellungen gerungen wurde.

Farbige geschichtliche Ereignisse werden zu leblosem Schulstoff, wenn der Ungeist eines wenig altersgemässen Reflektierens überhand nimmt. Die Pädagogen haben leider diese Gefahr nicht beseitigen können. Man reibt sich die Augen, wenn von Sechstklässlern als Grundkompetenz verlangt wird, dass sie bei den Urschweizern „den Weg von einer familienrechtlichen Gesellschaft zu einem Territorialrecht mit rechtstaatlichen Ansätzen erkennen“. Alles verstanden?

Noch kühner ist die Vorstellung, Kinder könnten bereits objektiv die Entstehung der Eidgenossenschaft beurteilen. Die Formulierung, dass „unterschiedliche Sichtweisen von Vergangenheit mit aktuellen Interessen in Zusammenhang stehen“, ist wohl eher ein Kompetenzziel für Lehrpersonen.

Kinder wollen Geschichte in spannenden Erzählungen und eindrücklichen Bildern miterleben. Die Höhepunkte der Sturm- und Drangzeit der Eidgenossenschaft mit den Siegen in den Burgunderkriegen interessieren Primarschüler weit mehr als eine aktuelle politische Deutung der Niederlage von Marignano.

Gut vorbereiteter narrativer Geschichtsunterricht lässt Kinder und Jugendliche in vergangene Zeiten eintauchen und das Wesentliche einer Epoche erkennen. So lässt sich die Zeit vor dem 1. Weltkrieg viel besser verstehen, wenn die Fahrt der Titanic während einer Woche als eine Art Fortsetzungsgeschichte von der Klasse miterlebt wird. Die Dreiklassengesellschaft von damals, die neuste Technik auf dem Schiff, die wirtschaftlichen Interessen der Reederei und das Schicksalshafte jener Fahrt lassen die Jugendlichen nicht unberührt. Die grossen Fragen stellen sich von allein, und dann kann man auch anspruchsvolle Überlegungen anstellen. Akademische Kompetenzziele hingegen sind für einen lebendigen Geschichtsunterricht kaum motivierend.

Für die Schulentwicklung darf der neue Lehrplan nicht unterschätzt werden. Dieser ist die Basis für die didaktische Ausrichtung der Pädagogischen Hochschulen. Eine kritiklose Übernahme des neuen Kompetenzenmodells in Fächern wie Geschichte oder Naturwissenschaften hat erhebliche Auswirkungen auf den täglichen Unterricht. Wünschbar wäre jetzt eine offene Diskussion über bessere kantonale Lehrpläne, damit die nötigen Korrekturen in die Wege geleitet werden können.


Beitrag erschienen in der BAZ am 9.9.15

Hanspeter Amstutz
Tisliacher 23
8320 Fehraltorf

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  Total-Integration produziert Separation
Geschrieben von: Gast - 08-30-2015, 07:22 AM - Forum: Integration - Antworten (5)

Gemäss UN Behindertenkonvention (Artikel 24 Bildung) dürfen Menschen mit Behinderungen nicht vom allgemeinen Bildungssystem ausgeschlossen werden. Integration bedeutet folglich innerhalb, Separation ausserhalb der unentgeltlichen und obligatorischen Volksschule. Sonderschulen und Kleinklassen sind demzufolge mit der UN Behindertenkonvention kompatibel, wenn sie unter dem Dach der Volksschule allgemein zugänglich sind.
 
Die Totalintegration in die Regelklasse, wie sie von Bildungsdirektoren und -politikern angestrebt wird, ist keine Forderung der UN Behindertenkonvention. Wenn heute die totale „Integration“ als das gute, neue System hochstilisiert wird und „Separation“ geradezu als Unwort verdammt wird, hat das rein politische Gründe und dient den behinderten Kindern in keiner Weise. Völlig verantwortungslos ist, dass diese grundlegende Systemänderung nicht zuerst in der Praxis bei einzelnen Versuchsschulen ausprobiert wurde und dass sie nicht wissenschaftlich überprüft wurde. Erst jetzt hat die Universität Tübingen in einer Studie festgestellt, dass das Konzept in der Praxis untauglich ist. Die Frankfurter Allgemeine spricht gar von einem pädagogischen Himmelfahrtskommando.
 
Es zeichnet sich nun offenbar ab, dass die in die Regelklassen integrierten Schüler bei Schulende im Erwerbsleben nicht bestehen können und eine neue bis zum 20. Altersjahr weiterführende Schule als "Separation" (!) aufgebaut werden muss. In diesem Sinne „produziert“ die total integrative Regelschule neue Separation.
 
 
 

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  Ein Stück Welt im Schulzimmer (NZZ Gastkommentar)
Geschrieben von: HPA - 08-26-2015, 07:44 AM - Forum: Lehrplan 21 - Antworten (2)

NZZ, 18.8.2015

Bildung



Ein Stück Welt im Schulzimmer

Der auf zu viele Wünsche ausgerichtete Bildungsauftrags der Volksschule ist einer gründlichen Prüfung zu unterziehen. Dabei gilt es, das Potenzial eines vielseitigen Realienunterrichts zu nutzen.

Gastkommentar von Hanspeter Amstutz

Informationsmaterial in Hülle und Fülle steht heute allen zur Verfügung. Ein Klick im Internet – und schon erhält man neuestes Zahlenmaterial über eine Weltstadt oder prächtige Bilder über den grössten Luxusliner der Welt. Hunderte von Fernsehsendern stehen uns zur Auswahl, die über das aktuelle Geschehen informieren und unsere Erde so zu einem globalen Dorf machen. Die tägliche Informationsflut ist gewaltig, und viele fragen sich inzwischen, wieweit wir damit vernünftig umgehen können. Die Forderung, die Schule müsse die Kinder zu einem effizienten Umgang mit den neuen Medien anleiten, ist daher verständlich.


Solide Allgemeinbildung

Bei diesem grossen Angebot an Informationen scheint die Schule bezüglich der Wissensvermittlung längst ins Hintertreffen geraten zu sein. Dank dem Internet kennen sich Jugendliche heute in Bereichen aus, die früher zum verheissungsvollen Neuland des Schulstoffs zählten. Zweifellos hat die Volksschule das Monopol der Erstinformation verloren. Es wäre aber ein verhängnisvoller Irrtum, zu glauben, die Schule könne deshalb die elementare Allgemeinbildung reduzieren und ihr Bildungsprogramm primär auf anwendungsorientierte Bereiche konzentrieren. Kompetenzziele schon früh auf die Berufswelt hin auszurichten, würde einer armseligen Vorstellung von Bildung Vorschub leisten.

Der Umgang mit dem Internet und andern elektronischen Medien setzt ein solides Allgemeinwissen voraus, damit die Orientierung in der Datenflut einigermassen gelingt. Ohne ein hilfreiches Weltbild, das auf exemplarischer Elementarbildung und den Kenntnissen wichtiger Zusammenhänge beruht, kann das Informationsangebot der modernen Medien kaum sinnvoll verwendet werden.

Eine zentrale Bedeutung für die Orientierung in den elektronischen Medien kommt dem Realienunterricht zu. Der Unterricht in Geschichte, Geografie und Naturwissenschaften schafft wichtige Voraussetzungen für das Verstehen wesentlicher Zusammenhänge. Die Vermittlung von Basiswissen ist grundlegend für ein starkes Interesse der kommenden Generation an wirtschaftlichen, kulturellen und politischen Entwicklungen.

Wer in spannenden Geschichtsstunden mit den prägenden Themen des 19. und 20. Jahrhunderts konfrontiert wurde, kann die heutige Politik besser verstehen. Narrativer, sorgfältig vorbereiteter Geschichtsunterricht wird an unseren Schulen aber leider je länger, je mehr durch die an den pädagogischen Hochschulen entwickelte Methode des entdeckenden Lernens aufgrund von Quellentexten verdrängt. Die Quittung dafür sind gelangweilte Jugendliche in den Geschichtsstunden. In einem erzählerisch gestalteten Geschichtsunterricht dagegen erweitern die Schüler über aktives Zuhören zudem ihren Wortschatz, indem sie ganz in die deutsche Sprache eintauchen. Die Konfrontation mit dem realen Leben eröffnet neue Zugänge zu den Jugendlichen, sofern die didaktischen Möglichkeiten voll ausgeschöpft werden. Dies gilt auch für die oft stiefmütterlich behandelten Naturwissenschaften. Wie funktioniert ein Elektromotor? Um dem Geheimnis auf die Spur zu kommen, wickeln Schüler eigenhändig Magnetspulen und bauen Elektromotoren. Dabei werden Zusammenhänge erkannt, die beim schnellen Surfen im Internet kaum gefunden würden. Die Verbindung von erlebter Anschaulichkeit mit präziser theoretischer Vertiefung schafft Bildung, die mehr als nur die Oberfläche berührt.

Es ist bedenklich, dass der Realienunterricht im Schatten der Diskussion um das frühe Sprachenlernen vielerorts an Qualität eingebüsst hat. Aus Zeitnot werden die beliebten Realienfächer in der Primarschule zum Teil benützt, um Englisch- und Französischwörter zu lernen. Ohne dieses unstatthafte Ausweichen gelingt es vielen Lehrpersonen kaum, in dem auf je zwei Wochenlektionen verteilten Fremdsprachenunterricht das ambitiöse Pflichtprogramm zu erfüllen. Dabei wird der Lerndruck durch die Vorstellung verstärkt, dass begabte Kinder vor allem in den Fremdsprachen frühzeitig gefördert werden müssten.

Von den hervorragenden Möglichkeiten der Förderung von Talenten in den Realienfächern spricht kaum jemand. Bei interessanten Projektarbeiten aber kommen die Begabtesten voll auf ihre Rechnung, ohne dass sich dabei Schwächere benachteiligt fühlen. Der vielseitige Realienunterricht kann die Heterogenität der Klassen weit besser auffangen als ein streng programmierter Fremdsprachenunterricht. Es ist Aufgabe der Fachdidaktik in der Lehrerbildung, die Chancen eines modernen Realienunterrichts aufzuzeigen und die Studierenden auf die anspruchsvolle Praxis vorzubereiten. Mit dem neuen Lehrplan soll nun alles besser werden.



Graben zwischen Theorie und Praxis

Doch es reicht nicht aus, das Bildungsprogramm im Bereich von Natur und Technik zu erweitern, ohne aufzuzeigen, wo dies durch Abstriche in andern Fächern kompensiert werden könnte. Da insgesamt nicht mehr Lektionen zur Verfügung stehen, geht die Rechnung nur auf, wenn in viel kürzerer Zeit mehr Kompetenzziele erarbeitet werden. Der Preis dafür aber ist zu hoch. Wenn elementare Lernprozesse hastig ablaufen, leidet die Qualität des Unterrichts ganz empfindlich. Zwischen den Vertretern von Bildungstheorien und den Lehrpersonen besteht ein Graben, weil die Umsetzung allzu vieler Reformen an den praktischen Rahmenbedingungen und den belastenden Nebenwirkungen gescheitert ist.

Erfolgreiche Bildungspolitik sollte deshalb dem Kriterium der Praxistauglichkeit von Neuerungen und der Relevanz prägender Bildungsinhalte aus dem Realienbereich grösste Aufmerksamkeit schenken. Auf jeden Fall werden wir nicht um die Herkulesaufgabe herumkommen, den auf zu viele Wünsche ausgerichteten Bildungsauftrag der Volksschule in einer offenen Bildungsdebatte einer gründlichen Prüfung zu unterziehen.



http://www.nzz.ch/meinung/kommentare/ein-stueck-welt-im-schulzimmer-1.18597536

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  Gedanken zum Lehrplan 21
Geschrieben von: HPA - 08-14-2015, 08:09 PM - Forum: Lehrplan 21 - Antworten (8)

Positive Aspekte:


  • Der Lehrplan ist in einigen Fächern entschlackt worden und enthält eine durchaus vernünftige Anzahl an Kompetenzen (z. B. bei den Naturwissenschaften)
  • Die Forderung nach einer Zusammenfassung der Teilkompetenzen zu Grundkompetenzen wurde erfüllt (die Kompetenzstufen und ihr vorgegebener Aufbau bleiben aber bestehen)
  • Die Inhalte sind explizit wieder aufgewertet worden und werden auch mit verbindlichen Hinweisen in den einzelnen Fächern festgelegt
  • Die Formulierungen der Kompetenzen ist verbessert worden. Allzu abstrakte oder völlig banale Kompetenzbeschreibungen sind weitgehend gestrichen worden
  • Die Rolle der Lehrperson wird vielfältig gesehen. Grundsätzlich wird die Methodenfreiheit unterstrichen und keine Methode besonders hervorgehoben
  • Bei den Grundansprüchen wird darauf hingewiesen, dass diese für einzelne Schüler noch immer zu hoch sein könnten. Eine Lernzielbefreiung in Teilbereichen wird neu akzeptiert (wohl erst nach genauer Abklärung)
  • Im Fach Geschichte sind die Inhalte konkretisiert worden und die methodischen Anregungen für einen guten Geschichtsunterricht liegen näher bei den Vorstellungen der Schüler



Negative Aspekte und offene Fragen:

  • Der Verzicht auf elementare Jahresziele (Grundkompetenzen) in den Kernfächern Deutsch, Mathematik und Fremdsprachen wird Auswirkungen auf den Aufbau der entsprechenden Lehrmittel haben. Die Jahresplanung für die Lehrpersonen wird daher schwieriger
  • Die Anzahl der verbindlichen Stufenziele in den Kernfächern ist immer noch sehr hoch. Um elementare Bildung so zu vermitteln, dass die Schüler wesentliche Bildungsinhalte verstehen und anwenden können, bleibt zu wenig Zeit. Dies könnte zur bekannten Hektik des „Durchnehmens“ möglichst vieler Kompetenzen führen
  • Der Lehrplan ist nach wie vor kein benutzerfreundliches Werk. Eine übersichtliche Gliederung zwischen klar verbindlichen Bildungszielen samt Inhalten einerseits und Anregungen für weitere fakultative Bildungsziele anderseits muss man sich in den meisten Fächern zusammensuchen
  • Das Festhalten an einer stringenten Planbarkeit des Kompetenzaufbaus bis ins Detail bleibt eine pädagogische Selbsttäuschung. Die grosse Heterogenität der Klassen machen die Organisation eines wissenschaftlich gesteuerten Aufbaus von Lernprozessen zu einer Herkulesaufgabe für die Lehrerinnen und Lehrer
  • Die formale Einengung der Kompetenzbeschreibungen auf die stets gleichbleibende Einleitung mit dem Verb „können“ gibt dem Lehrplan den Anstrich, in erster Linie einen exakt planbaren Output anpeilen zu wollen. Bildung mit einem erweiterten Horizont müsste einige Grundkompetenzen auch mit Verben wie verstehen, kennen, usw. beschreiben
  • Die Überprüfung von Lernprozessen, bei denen die Schüler auf unterschiedlichen Kompetenzstufen stehen, ist sehr aufwändig und kann in ganz vielen Bereichen nur einzelne Aspekte erfassen. Es ist anzunehmen, dass die Lehrpersonen häufig zentral ausgearbeitete Tests einsetzen werden, um die Schüler leistungsmässig differenziert erfassen zu können (ähnlich wie die Stellwerktests)
  • Für Schüler mit Teilleistungsschwächen bleibt die grosse Anzahl der Kompetenzziele und fehlende Abwahlmöglichkeiten bei einzelnen Fächern trotz der Relativierung der Grundansprüche eine Belastung. Die im Lehrplan enthaltene Forderung nach einem Unterricht mit individuellen Zielsetzungen müsste eigentlich die unterschiedlichen Begabungsprofile besser respektieren
  • Die wichtige Frage, wie Zeugnisse künftig aussehen sollen, ist den Kantonen zugespielt worden. Eigentlich müsste ein kompetenzorientierter Lehrplan den Weg zu einer vernünftigen Schülerbeurteilung mindestens in den Grundzügen aufzeigen
  • Das pädagogisch wenig überzeugende Fremdsprachenkonzept mit dem Modell 3/5 erfüllt den Auftrag der Harmonisierung nicht. Die Fremdsprachenfrage ist für die Primarschule keine Nebensache. Beim Wegfall einer Fremdsprache gibt es Gewichtsverschiebungen zwischen den einzelnen Fächern
  • Die fehlende Erprobung mindestens einzelner Bereiche des Lehrplans lässt viele Fragen offen, die vorgängig hätten geklärt werden können. Es ist zu befürchten, dass nach der Einführung des Lehrplans laufend neue Kosten anfallen werden, um gemachte Fehler wieder korrigieren zu können
  • Eine Einordnung des neuen Lehrplans bezüglich seines Stellenwerts für den Schulalltag ist nach wie vor kaum möglich. Ein Deutschschweizer Lehrplan, der in erster Linie Orientierung und Koordination im Bildungswesen bringen soll, dürfte eigentlich keine Grossreform mit aufwändiger Ausbildung der Lehrpersonen auslösen

Hanspeter Amstutz

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  Sprachenstreit als Kulturkampf um den Grundauftrag der Primarschule
Geschrieben von: HPA - 08-05-2015, 07:06 AM - Forum: Sprachen in der Primarschule - Antworten (2)

Die Spatzen pfeifen es von den Dächern: Das frühe Lernen von zwei Fremdsprachen mit nur zwei Wochenstunden pro Sprache ist ineffizient und führt zu einem Abbau bei andern wesentlichen Fächern. Herrschte bei den Bildungsplanern vor zehn Jahren noch Fremdspracheneuporie, so ist heute fast in allen Kantonen heftige Opposition gegen ein überfrachtetes Sprachenprogramm entstanden. Volksinitiativen mit dem Ziel, neben Hochdeutsch sei nur eine Fremdsprache in der Primarschule zu unterrichten, sollen Abhilfe schaffen.

Die treibenden Kräfte für ein besseres Sprachenkonzept sind Lehrerinnen und Lehrer der Mittelstufe. Mit Nachdruck stellen sie die Frage, ob die Primarschule nicht noch ganz andere Aufgaben habe, als allen Kindern möglichst früh drei Sprachen zu vermitteln. Kaum die Hälfte der Schüler schafft es, in beiden Fremdsprachen auf einen grünen Zweig zu kommen. Dafür weisen zu viele Schüler elementare Defizite im arg vernachlässigten Realienbereich und im Deutsch auf. Die von den grossen Zürcher Lehrerverbänden unterstützte kantonale Fremdspracheninitiative ist ein Ausdruck dieses Ringens um eine kinderfreundlichere Bildungskultur.

Die Konferenz der Erziehungsdirektoren (EDK) aber mauert. Unterstützt von besorgten Bildungspolitikern aus der Romandie, will man unter allen Umständen am frühen Einstieg in zwei Fremdsprachen festhalten. Politisch steht die EDK vor einem Dilemma. An dem in weiten Kreisen beliebteren Englisch soll nicht gerüttelt werden. Und Französisch als Landessprache muss seinen Stellenwert behalten, indem es spätestens ab der fünften Klasse eingeführt wird. Der Frage der Effizienz des frühen Sprachenlernens und der belastenden Nebenwirkungen hingegen weicht man bei der EDK systematisch aus.

Statt das Harmos-Konkordat im Bereich der Sprachen der Realität anzupassen, wird in einzelnen Kantonen versucht, die Volksinitiativen juristisch auszuhebeln. Dies dürfte bei der klug formulierten Zürcher Initiative aber kaum gelingen. Es ist absurd, wenn die im Grundsatz richtige Idee der Bildungsharmonisierung als Bollwerk gegen vernünftige pädagogische Erkenntnisse verwendet wird und viele Kinder so die Freude am Sprachenlernen verlieren.

Mit brüskierenden Gerichtsentscheiden und der Dialogverweigerung der EDK mit den kantonalen Verbänden kommen wir nicht weiter. Die EDK hätte die Chance gehabt, mit dem neuen Lehrplan ein Sprachenkonzept mit besserer Staffelung zu schaffen. Doch man war nicht bereit, das umfangreiche Bildungsprogramm auf ein für die meisten Schüler verkraftbares Mass zu reduzieren. Es rächt sich jetzt, dass eine offene Diskussion um den Grundauftrag der Primarschule nie stattgefunden hat. Der Preis für diese bewusste Unterlassung ist ein überladenes Bildungsmenu, das als Ganzes nicht mehr richtig schmeckt.

Mit einem bildungspolitischen Flickwerk auf Kosten der Kinder wird unsere Volkschule erheblich an Qualität einbüssen. Wenn die Politik nicht selber aus der Sackgasse herausfindet, ist es Zeit, dass in der Sprachenfrage das Volk das letzte Wort hat.


Fehraltorf, 13. Juli 2015 Hanspeter Amstutz

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