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Information Beitrag von Frau Dr. Huber "Zwei Fremdsprachen für die Primarschule?"
Geschrieben von: Schulwart - 11-21-2015, 03:34 PM - Forum: Sprachen in der Primarschule - Antworten (1)

Zwei Fremdsprachen für die Primarschule?
Einige Gesprächsnotizen, Erfahrungen und Gedanken

Mit der lancierten kantonal-zürcherischen Initiative "Mehr Qualität - eine Fremdsprache an der Primarschule" wird ein akutes Problem im Zusammenhang mit den unzähligen propagierten Reformen unserer Volksschule angesprochen. Als Grossmutter zwei- bis dreisprachiger Enkel und langjährige Auslandschweizerin mit direkter Erfahrung (USA) als Mutter fremdsprachiger, schulpflichtiger Kinder, kam ich persönlich mit den Problemen des Sprachenlernens in Berührung. Eine Diskussion mit meiner seit einigen Jahren in der Schweiz ansässigen, portugiesisch-stämmigen Hilfskraft mit einem Kind im zweiten Kindergartenjahr, liess mich aufhorchen. Woher stammt eigentlich die Erfahrung all unserer Schultheoretiker und Politiker, die meist immer am gleichen Ort sitzengeblieben sind, um ihre Karrierechancen nicht zu gefährden, sich aber heute fachmännisch und befehlshaberisch über die Entwicklung unseres schweizerischen Bildungswesen äussern und vor allem über dessen neue Formen entscheiden wollen?

Die Diskussion mit meiner Portugiesin war ein Augenöffner, mit was für Fragen und Problemen sich tausende unserer Immigrantenfamilien herumschlagen müssen. Die betreffende Mutter lernt Deutsch seit ihrer Ankunft in der Schweiz, vorwiegend in selbst-finanzierten Kursen, sie ist ja nicht Asylantin, da wird nichts bezahlt von den Sozialämtern. Die Erfolge dieser Kurse sind (das wurde auch von unserer französisch sprechenden Schwiegertochter schon vor Jahren beanstandet) sehr mangelhaft. Es hat zuviele Teilnehmer, denen alles bezahlt wird und wo das Interesse am Lernen nicht gross ist. Diese verzögern das Lerntempo und stören oft im Unterricht. Frau M. macht sich Sorgen, wie soll ihr Kind in der Schule das Hochdeutsch lernen? Sie fühlt sich nicht kompetent genug, um ihm zu helfen und vor allem scheinen beide verwirrt zu sein, was ist Dialekt und wird im Umfeld gesprochen und was ist die Schriftsprache, die aber eben in der Schule dann auch gesprochen wird. Was heute bei allen Diskussionen vergessen geht, Schweizer Dialekt und Schrifthochdeutsch haben nicht nur ein verschiedenes Vokabular, sondern auch eine verschiedene Grammatik. Zur Illustration ein Beispiel: "Wo's agfange het rägne, simmer hei gschprunge." - "Als es zu regnen anfing, rannten wir nach Hause". Für Zuzüger sind dies zwei verschiedene Fremdsprachen. Zuhause möchte die Familie aus verschiedenen Gründen Portugiesisch als Sprache beibehalten. Das Kind muss also bereits zu Beginn der Schulzeit unter nicht sehr günstigen Bedingungen neben seiner Muttersprache zwei Fremdsprachen erlernen.

Deutsch ist keine einfache Sprache, dh. man muss, um eine sichere Grundlage zu bilden, einen recht intensiven Sprachunterricht betreiben. Leider wird dies mit dem neuen Lehrplan21 nicht gewährleistet. Nun fordert man laut Harmos zusätzlich in den ersten paar Schuljahren die Einführung von zwei weiteren Fremdsprachen, meist Französisch und Englisch. Für sprachlich nicht aussergewöhnlich begabte Kinder eine unerhörte Belastung. Wie die Träger der Initiative in ihrem Argumentarium auch richtig feststellen, sind die Anzahl der Stunden für diesen Fremdsprachenunterricht viel zu knapp bemessen, um ein vernünftiges Lernziel zu erreichen.

Bei unsern mehrsprachigen Enkeln wirkte die von den Schulen propagierte Methode verheerend, man solle die korrekte Orthographie zu Beginn des schriftlichen Sprachunterrichts vergessen, die Kinder sollen kreativ nach ihrem Gehör schreiben lernen. Die Rechtschreibung muss dann auf der Mittelstufe neu erlernt werden, was wohl vielen Eltern nicht bewusst ist. Wenn man nicht auf eine sehr korrekte, wohl artikulierte Aussprache drängt, was ganz klar nicht geschehen ist, gewöhnen sich auch begabte Kinder an eine stark von Fehlern geprägte Orthographie. Eine vorher tolerierte Schludrigkeit ist oft schwierig rückgängig zu machen und wirkt sich auch auf die andern Sprachen aus. Einer unserer Enkel überlebte die gymnasiale Probezeit nicht. Im mündlichen Unterricht, Französisch und Englisch, sei er natürlich weit überlegen, aber es würde eben nur das Schriftliche beurteilt und da mache er zuviele orthographische Fehler. Der Kommentar des Schülers, er würde ein solches Schul-Französisch, wie es dort unterrichtet wurde, ohnehin nie anwenden.

Sein jüngerer Bruder stolperte gleich an der Prüfung wegen zu vieler Fehler im Deutsch-Aufsatz. Dies war ein Kind, das sehr viel las und das wir eigentlich eher als sprachorientiert einstufen. Hätte man bei ihm von Beginn an auf korrekte Grammatik und Orthographie gedrängt, wäre er wohl im Gymnasium ohne Schwierigkeiten durchgekommen. Es wird aber den Eltern eingetrichtert, dass sie bitte Schreibfehler der Kinder nicht beanstanden sollen. Vor allem verunsicherte Eltern ausländischer Herkunft glauben dann, dass sie solche Anordnungen einhalten müssen. Solche Lernmethoden sind für einen effizienten Sprachunterricht nicht sehr fördernd.

Im Lehrplan21 wird ein wunderbares Bildungsziel für den Sprachunterricht vorgestellt. Leider existiert es nur auf dem Papier, die notwendige Zeit zur Umsetzung ist nicht vorhanden. Schon gar nicht für Kinder, die erst sämtliche Schul-Sprachen neu erlernen müssen. Was für ein Ziel will man eigentlich erreichen beim Englisch- und Französisch Unterricht in der Primarschule? Eine Produktion schlecht ausgebildeter Übersetzer, oder dass die Schüler sich im täglichen Leben in diesen Sprachen verständigen und imstande sind eine englische oder französische Zeitung zu lesen, einen fehlerfreien Brief zu schreiben? Glauben die Propagisten des frühen Fremdsprachen-Unterrichts wirklich, dass auf Vorrat gelernte Sprachen immer sofort wieder aktiviert werden können? Ein nicht gebrauchter Wortschatz geht verloren. Alle diejenigen, die unser historisch gewachsenes Wissen, als altmodisch und zum Vergessen verdammt, verneinen, sollten sich vielleicht überlegen, wie es bei den Fremdsprachen steht. Um konsequent bei Konstruktivismus und Kompetenzen, den Grundlagen des Lehrplan21, zu bleiben, müsste man doch den Kindern beibringen, wie man eine neue Sprache selbständig in kurzer Zeit erlernen kann. Also linguistische Kenntnisse vermitteln. Diese Diskussion wurde in den USA in den sechziger Jahren bereits geführt und darauf hingewiesen, dass dazu sehr gute Kenntnisse der eigenen Muttersprache und irgend einer Fremdsprache zur Kontrastierung als Voraussetzung benötigt werden. Ein solches Bildungsziel ist natürlich auf einer Volksschulstufe nicht möglich, da beisst sich der Hund in den eigenen Schwanz. Das Ziel, weniger Fremdsprachen dafür die erforderliche Basissprache (Deutsch) und eine richtig, ist somit angezeigt. Ein früher Unterricht in Englisch und Französisch auf Vorrat bringt nichts als eine unzumutbare Belastung der Kinder.

Vor über vierzig Jahren hatte man als neuestes Früh-Französich im Lehrplan der Primar-Schulen in Princeton NJ. eingeführt. In den USA werden solche Experimente durchgeführt und nach ein paar Jahren wird Bilanz gezogen. Unsere Söhne erlebten das Endstadium dieses Experimentes, das ganz klar keine nennenswerten positiven Resultate gezeitigt hatte und nach drei Jahren abgebrochen wurde, sehr zur Erleichterung aller Beteiligten. Das Einzige, was bewiesen ist, Kinder sind imstande akzentfrei andere Sprachen zu lernen. Bereits ab dem Teenager-Alter verlieren sie diese Fähigkeit und die Herkunft, dh. der Akzent der Muttersprache schlägt durch. Das ist eigentlich der einzige Grund zugunsten einer frühen Einführung. Aber die Fähigkeit der Tongestaltung und der Sprechtechnik könnte zB. über die Musik (Gesangunterricht) wohl ebensogut gefördert werden. Wenn wie heute angestrebt, Lehrer mit einem schweizerischen Akzent die Sprache unterrichten sollen, erreicht man in dieser Beziehung gar nichts.

Als Auslandschweizer ist man konfrontiert mit dem Dilemma, was spricht man als Schweizer mit seinen Kindern im Ausland? Hochdeutsch, um eine weiter verbreitete Sprache zu vermitteln, Schweizerdeutsch, um die Verbundenheit zum Herkunftsland zu erhalten, oder gleicht man sich der Umgebung an mit dem Resultat, dass die Kinder sich rascher einleben, aber dafür ewig mit ihrem schweizerischen Akzent im Englischen daherkommen? Wir einigten uns als Eltern auf striktes Schweizerdeutsch. Unser Akzent im Englischen, den wir nie wegbekamen, ärgerte uns genügend. Das Hochdeutsch der Kinder hielten wir mit Briefen oder Erlebnis-Beschreibungen für die Grosseltern aufrecht.

Dieses Dilemma müssen hier auch alle unsere Immigranten irgendwie lösen. Ist die zusätzliche Belastung mit zwei weiteren Fremdsprachen wirklich erstrebenswert? Sollten wir nicht die dafür verordneten Stunden für gründliche, strukturierte und wohl-fundierte Deutschkenntnisse verwenden? Dies zum Wohle aller Schüler?

Man verkauft uns heute für unsere "modernen" Schulen der Zukunft selbst-orientiertes Lernen und individuelle Betreuung. Weshalb müssen dann alle Kinder ums der Teufel Englisch und Französisch lernen und kann man diesen unseligen Sprachenstreit nicht in der Form von Wahlfächern lösen, wobei Schüler für den Übertritt in eine bestimmte Oberstufe mindestens eine Fremdsprache vorweisen müssen? Sprachlabors und Computer-gestütztes Lernen lassen sich gerade auf diesem Gebiet vielfältig verwenden.

Effi Huber-Buser, Dr. sc. nat.

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  LP 21 und die Zeugnisse
Geschrieben von: Sperber - 11-21-2015, 03:30 PM - Forum: Lehrplan 21 - Keine Antworten

NZZ vom Sonntag, 15. November 2015:

Expertengruppe der EDK präsentiert Ideen für neue Schulzeugnisse, z.B. schon im Kindergarten

Voilà, es wird weiter gewurstelt wie gehabt! Einige Kantone federn als Musterschüler schon grossspurig auf dem Sprungbrett zur Einführung des LP 21 und Leserinnen und Leser erfahren nun, dass für Zeugnisse von einer "Expertengruppe" der EDK erste Ideen präsentiert werden. Verantwortlich sollen schlussendlich die Kantone sein. Wer den Schöpfungsakt LP 21 mitverfolgt hat, ist zwar nicht erstaunt, aber langsam sollten sich weitere Kreise die Augen reiben.

Fakt ist, dass Vorbereitung, Durchführung und Wirkung des kompetenzbasierten Unterrichtes à la 21 bei uns in der Schweiz nicht erprobt ist, auch wenn Politik und "Experten" gebetsmühlenartig das Gegenteil behaupten. Ob man dem "lügen" sagen darf, muss jeder selber beurteilen. Aber wie sollen die Kantone auf einer nicht existierenden Erfahrung und Erprobung eine seriöse Zeugnisgestaltung vornehmen? Auch diese Antwort kann sich jeder selber geben.

Ist alles bis jetzt schon schlimm genug, so wird es grobfahrlässig, wenn Lehrpersonen nach einem neuen Lehrplan unterrichten müssen, ohne von Beginn weg verlässlich (und erprobt) zu wissen, wie sie zu beurteilen haben. 

Es zeichnet sich einmal mehr ab, auch wenn es vehement in Abrede gestellt wird, dem LP 21 fehlt nicht nur die demokratische Legitimation, es sind in der Schweiz auch Experten am Werk, die sich nicht an der Praxis orientieren und uns verschweigen, was der auf die OECD ausgerichtete Lehrplan in andern Ländern bewirkt hat. Es könnte der Moment kommen, wo nicht mehr die Politik mehr Geld für die Bildung verlangt, sondern das Volk mehr Bildung fürs Geld. Das wäre schade.   

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  Zeitgemässer Lehrplan oder antiautoritärer Retro?
Geschrieben von: Schulpfleger - 11-12-2015, 08:05 PM - Forum: Lehrplan 21 - Keine Antworten

Sogar der Präsident der Wirtschaftsorganisation Swissmem kolportiert inzwischen das Märchen vom „zeitgemässen“ Lehrplan 21. Die D-EDK beansprucht für sich die Deutungshoheit, was „gute Schule“ sei. In ihren „Grundlagen“ zum Lehrplan 21 wird das „selbstgesteuerte Lernen“ als alleinige (!) zeitgemässe und „moderne“ Methode dargestellt.

Eine kurze Internetrecherche ergibt Erstaunliches: Während der Zeit der Reformpädagogik in den zwanziger Jahren des letzten Jahrhunderts gründet A. S. Neill die Reformschule „Summerhill“, in der die Schüler nach dem Prinzip des „selbstregulierten Lernens“ selbst bestimmen konnten, wie wann und ob sie etwas lernen wollen (die Begriffe „selbstreguliertes“ und „selbstgesteuertes“ Lernen bezeichnen dieselbe Methode). In der 1968er wurde „Summerhill“ als Chaosschule berühmt-berüchtigt und zum Hype der „Antiautoritären Erziehung“. Mittlerweile sind die Exzesse der grenzenlosen Freiheit selbst im Sexuellen, die in den antiautoritären Vorzeigeschulen stattfanden, bekannt geworden.

Der Präsident von Swissmem behauptet, ohne den Einheits-Lehrplan 21 (mit seiner internationalen OECD-Ausrichtung) würde die Volksschule „paralysiert“. Die Volksschule müsse die Schüler „optimal“ auf den Einstieg ins Berufsleben vorbereiten. Swissmem möchte, dass die Bildungsziele laufend (!) an die arbeitsmarktlichen Realitäten angepasst werden. Bisher konnte sich die Schweizer Wirtschaft nur dank herausragenden Spitzenleistungen ihrer Berufsleute im internationalen Wettbewerb behaupten. Plant Swissmem mit „optimal“ bereits eine Absenkung der Bildungsqualität auf die mit dem Lehrplan 21 vorgesehenen Mindeststandards? Meint Swissmem mit der Anpassung an arbeitsmarktliche Realitäten, die Heranbildung von billigen Arbeitskräften bei schwachen Konjunkturaussichten?

Ganz anders sieht es der Schweizer Staatssekretär für Bildung, Forschung und Innovation. Für ihn ist die heute international anerkannte Stärke des Schweizer Bildungssystems eine Folge davon, dass die Schweiz nie eine national gesteuerte Bildungspolitik (Anmerkung: wie sie mit dem Einheits-Lehrplan 21 eingeführt werden soll) gehabt hat. Das habe uns erlaubt, eine Vielfältigkeit zu bewahren und das Potenzial, innovativ zu bleiben und unwiderrufliche Fehler vermeiden zu können. Wie wankelmütig der bildungspolitische Zeitgeist sei, zeige die Entwicklung des in der Bildungsverfassung 2006 zentral festgelegten Harmonisierungsgebots (Harmos) und die heutzutage mehr von Skepsis als von Begeisterung geprägte Diskussion um Volksschullehrpläne.

Der Lehrplan 21 erfüllt die berechtigten Forderungen der Lehrbetriebe nach einer genügenden Grundbildung in keiner Weise. Schon heute stellen KMUs fest, dass viele Jugendliche nach der Volksschule nicht ausreichend gerüstet sind, um eine Berufsausbildung absolvieren zu können. Dies ist die Folge davon, dass in vielen Kantonen in der Volksschule bereits mit LP21-Lehrmitteln gearbeitet und Junglehrer an den Pädagogischen Hochschulen auf den LP21 getrimmt werden.

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  „Lehrplan 21“, ein Experiment mit kaum bekannten Sachzwängen
Geschrieben von: Schulpfleger - 11-08-2015, 01:25 PM - Forum: Lehrplan 21 - Antworten (2)

Der von der D-EDK in den „Grundlagen“ zum Lehrplan 21 propagierte „selbstgesteuerte“, „konstruktive“, „individualisierende“ Prozess („offene Lernformen“), wird von Schulreformern als Paradigmawechsel bezeichnet: Das konstruktivistische Unterrichtsverständnis (Reformsprech: „Unterricht ohne zu unterrichten“) ist nicht etwa nur eine neue „Lehre vom Lehren“, sie ist ein Paradigmenwechsel („Die Schule neu erfinden“), der den gesamten bisherigen Lernprozess umkrempelt. Nach dieser Doktrin könne Wissen nicht vom Lehrer an die Schüler weitergegeben werden, sondern die Kinder würden es sich nur selbst beibringen können.

Tatsächlich würde unsere Volksschule auf den Kopf gestellt: Dieser Paradigmenwechsel ist einschneidend und verändert den Unterricht grundlegend bzw. er wird abgeschafft. Der Lehrer darf nicht mehr in einem kreativen, motivierenden Klassenunterricht den Schülern Wissen gemeinsam beibringen, sondern jeder Schüler bestimmt selber, was wie wann und ob er lernen will (die Unterrichtsverantwortung geht vom Lehrer an den Schüler über). Der Lehrer wird zum „Lernbegleiter“, der nicht unterrichten, nicht erklären, motivieren und erziehen (Peter Fratton) darf, sondern nur noch z.B. wöchentlich einen „Input“ zum Thema (Wochenplan) geben sowie, Arbeitsblätter und „Lernumgebungen“ bereitstellen soll.

Der Totalumbau der Volksschule gemäss den „Grundlagen“ zum Lehrplan 21 würde zu einer ganzen Reihe von Sachzwängen führen. Würde in der Unterstufe damit begonnen, wären alle nachfolgenden Stufen gezwungen, auch auf „selbstgesteuert“ umzustellen. „Selbstorganisiertes Lernen“ kann praktisch nicht mehr rückgängig gemacht werden.

Das selbstorganisierte Lernen verunmöglicht den gemeinsamen, sozialen Klassenunterricht (ausser für Projekte), weil jeder Schüler mit einem andern Tempo unterwegs ist, einen anderen Lernstand hat und dadurch Leistungsschere und Stofflücken immer mehr progressiv auseinanderklaffen. Die Gelegenheiten, um sozialen Kompetenzen zu erlernen, werden wegen der fehlenden Sozialform des Klassenunterrichts stark eingeschränkt, wobei sich das Konkurrenzsystem zusätzlich negativ auswirkt.

Der grösste Wirkungsfaktor für eine gute Schule und einen guten Lernerfolg, den die weltweite Metastudie (Auswertung von 50.000 Studien mit 250 Millionen beteiligter Schüler) von John Hattie beim dem vom Lehrer im Dialog mit den Schülern geführten, strukturiert aufgebauten Klassenunterricht ortet, würde völlig ausgeschaltet. Damit würde „gute Schule“ verhindert und Generationen von Schülern eine gute Schulbildung vorbehalten.

Die bisherige bewährte und effiziente Notengebung (Leistungsvergleiche) wäre nicht mehr möglich, da sie auf der Klassennorm, gleichem Lernstand und gemeinsamen Prüfungen im Klassenverband beruht. Als Ersatz hat die D-EDK den Lernplan 21 nach dem Kompetenzsystem der Wirtschaftsorganisation OECD (Output/Profit-Orientierung) als Monster mit tausenden von Teilkompetenzen erstellen lassen.

Der im Lehrplan 21 verwendete „Kompetenzbegriff“ entspricht nicht mehr dem traditionellen Begriffspaar „Wissen und Können“ und ist auf das Messbare beschränkt. Die konstruktivistische Ideologie ist der erste Schritt in eine „kompetenzorientierte Lernkultur“. Der Paradigmenwechsel von der Wissensvermittlung mit Lernzielen zum „selbstorganisierten“ Lernen mit Kompetenzmessung („Output“orientierung) wurde mit dem PISA-Ranking der neoliberalen Wirtschaftsorganisation OECD eingeleitet. Nicht messbare Kompetenzen wie Verantwortung, Sozialverhalten, Disziplin, Kreativität, Musisches und Handwerklich-Künstlerisches sind nicht mehr gefragt.

Der bisherige Regelstandard der klassischen Lehrpläne als für alle Schüler zu erreichendes Leistungsziel, wird im Lehrplan 21 auf einen anzustrebenden Minimalstandard nach unten nivelliert, damit wird ein Qualitätsverlust bei der Volksschule  eingeplant.

Der gegenseitige Austausch/Dialog des gemeinsamen Lernens am gemeinsamen Thema entfällt und damit kann der Lehrer ein Thema nicht mehr gemeinsam einführen, weil jeder Schüler einen anderen Lernstand hat. Der Schüler muss sich das Thema nun selber erarbeiten. Der Lehrer kann sich dem einzelnen Schüler (bei 20 Schülern) pro Lektion nur noch im Durchschnitt 2 Minuten widmen. Es gibt bereits Versuchsschulen, wo sich der Schüler voranmelden muss, wenn er mit dem Lehrer etwas besprechen möchte.

Das „selbstorganisierte“ Lernen macht den Schüler zum alleingelassenen Einzelkämpfer, der im Grossraum-Klassenzimmer abgekapselt hinter Sichtblenden und/oder mit Pamir-Gehörschutz Arbeitsblätter bearbeitet. Statt Zusammenarbeit und Kooperation beginnt der Geist des Konkurrenzskampfs die Schule zu beherrschen, womöglich gefördert von bemühten Eltern.
Bereits ab der ersten Primarklasse würde wegen der progressiven Leistungsschere eine „stille  Selektion“, stattfinden. Schwächere und mittlere Kinder werden nicht mehr mitgenommen, bleiben wegen den grösser werdenden Lücken gegen Schulende immer mehr zurück und ihre Berufschancen würden sich zusehends verringern.

Mit dem „selbstorganisierten“ Lernen wird der Zusammenhalt der Jahrgangsklasse, zusätzlich gefördert durch die Abschaffung der Jahrgangsziele (neu: Zyklen) aufgelöst oder sie werden mit durch die Einführung des altersgemischten Lernens (AdL) vorsätzlich zum Verschwinden gebracht.
Lehrerausbildung, Lehrmittel und Schulversuche werden bereits seit längerer Zeit auf den umstrittenen Lehrplan 21 ausgerichtet, obschon der Lehrplan 21 schweizweit auf immer mehr Widerstand stösst und vom Volk noch abgelehnt werden kann. Damit werden gefährliche Sachzwänge für ein umstrittenes Experiment mit ungewissem Ausgang auf dem Buckel von Kindern und Junglehrern geschaffen, mit immensen Kosten für den Steuerzahler.

Die den „Grundlagen“ zum Lehrplan 21 inhärenten Sachzwänge verunmöglichen, dass der Lehrer die Unterrichtsform noch wählen kann, die Methodenfreiheit würde praktisch abgeschafft: An einer Schulleitertagung im Kanton Thurgau wurde das amerikanische Überwachungsinstrument „Classroom walkthrough“ vorgestellt, mit dem die Schulleiter sicherstellen können, dass die Lehrer keinen Klassenunterricht mehr machen: Der Schulleiter führt jährlich zehn bis fünfzehn kurze, nicht angekündigte Unterrichtsbesuche durch, ohne anzuklopfen, ohne Begrüssung und ohne Verabschiedung. Auf dem Beobachtungsbogen notiert er u.a., ob der Lehrer „offene Lernformen“ anwendet oder nicht. Damit wird dem Lehrplan 21 jeglicher Fachlichkeit beraubt.

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  Kantonale Komitees
Geschrieben von: Schulpfleger - 10-31-2015, 08:18 AM - Forum: Lehrplan 21 - Keine Antworten

Gemäss der Website http://nein-zum-lp21.ch/kantone/ haben (Stand: Oktober 2015) folgende Kantone ein Komitee gegen den Lehrplan 21:

Aargau:  http://www.lehrplan21-nein.ch/
Appenzell Innerrhoden: paul.bannwart@gmx.ch
Basel-Landschaft: http://www.starke-schule-baselland.ch/Home.aspx
Bern: http://www.starkevolksschulebern.ch/
Graubünden: http://guteschule-gr.ch/
Luzern:  http://www.bildungsreformenluzern.ch/ http://www.fremdspracheninitiative-lu.ch/startseite
Schwyz: http://gute-volksschule-schwyz.ch/
Solothurn: http://www.so-ohne-lp21.ch/
St. Gallen: http://starkevolksschulesg.ch/
Thurgau: http://www.gute-schule-tg.ch/gute-schule-tg.ch/Willkommen.html
Zug: http://www.gute-schule-zug.ch/
Zürich: http://www.lehrplan-vors-volk.ch/  http://www.eineschulefuerunserekinder.ch/ http://www.zumikon-eineklassefuersich.ch/

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  LP21 oder die neoliberale Domestizierung der Volkschule
Geschrieben von: Schulpfleger - 10-17-2015, 10:10 AM - Forum: Lehrplan 21 - Keine Antworten

Die Grundlagen zum Lehrplan 21 wurden seit 2006 von einer kleinen Projektgruppe festgelegt und 2010 von der D-EDK abgesegnet. 2011 begannen die von der Steuergruppe ausgewählten Mitglieder der Fachbereichteams, die ihnen vorgegebenen Grundlagen in Tausende von Pseudo-Teilkompetenzen umzusetzen. Da die Fachleute zu den Grundlagen nichts zu sagen hatten, ist die Fachlichkeit beim Lehrplan 21 nicht gegeben.
Die Grundlagen beanspruchen die alleinige Deutungsmacht für „guten Unterricht“, was die faktische Abschaffung der Methodenwahl bedeutet. In den Grundlagen wird das „konstruktivistisch, selbstorganisierte Lernen“ („Offene Lernformen“) und der „kompetenzorientierte Unterricht“ favorisiert.

Die Konstruktivistische Ideologie („Unterricht ohne zu unterrichten“) ist nicht etwa nur eine neue „Lehre vom Lehren“, sie ist ein Paradigmenwechsel („Die Schule neu erfinden“), der den gesamten bisherigen Lernprozess umkrempelt.
Dieser Paradigmenwechsel ist einschneidend und verändert den Unterricht grundlegend bzw. er wird abgeschafft. Die konstruktivistische Didaktik ist der erste Schritt in eine „kompetenzorientierte Lernkultur“. Der Paradigmenwechsel von der Wissensvermittlung mit Lernzielen zum „selbstorganisierten“ Lernen mit Kompetenzmessung („Output“orientierung) wurde mit dem PISA-Ranking der neoliberalen Wirtschaftsorganisation OECD eingeleitet.

Der Lehrer darf nicht mehr in einem kreativen, motivierenden Klassenunterricht den Schülern Wissen gemeinsam beibringen, sondern jeder Schüler bestimmt selber, was wie wann und ob er lernen will. Der Lehrer wird zum „Lernbegleiter“, der Arbeitsblätter verteilt und „Lernumgebungen“ schafft. Der Schüler wird zum Einzelkämpfer, der sich das Wissen selber beibringen muss, in dem er Arbeitsblätter abarbeitet. Mit den "offenen Lernformen" sind die mittleren und schwachen Schüler überfordert und allein gelassen, die Stofflücken werden immer grösser und die Chancen einen Beruf erlernen zu können, immer kleiner. Es findet eine „stille Selektion“ bereits ab der 1. Primarklasse statt, die Chancengleichheit wird ausgehebelt und die Weichen zur Zweiklassengesellschaft gestellt.

Mit dem Lehrplan 21 würden die bisherigen Schulreformen, die in die gleiche Richtung stossen und bereits in Lehrerausbildung, Lehrmittel und Schulversuche eingeflossen sind, gesetzlich festgelegt und mit verheerenden Auswirkungen für die nächste Generation zementiert. Er würde die vom Volk verabschiedeten Volksschulgesetze aushebeln und Behörden und Schulleitern einen Freipass geben, um die „offenen Lernformen“ den Lehrern aufzwingen zu können.

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  Classroom Walkthrough
Geschrieben von: Schulpfleger - 10-11-2015, 03:22 PM - Forum: Lehrplan 21 - Antworten (1)

Der Hintergrund der folgenden Leserbriefe bildet die kürzlich stattgefundene Tagung der Thurgauer Schulleiter. Diese setzen sich ein für den Lehrplan 21 und werden über ein neues "Führungsinstrument" (Classroom Walkthrough) informiert.


Thurgauer Zeitung: 4. September 2015, 02:40 Uhr

Schulleiter für Lehrplan 21
Die Thurgauer Schulleiter setzen sich für den Lehrplan 21 ein. Sie bereiten sich auf unangekündigte Schulbesuche vor und arbeiten mit Psychiatern zusammen.
WERNER LENZIN

(…)
Wiederkehrende Besuche
Laut Michael Schwendener ist Classroom Walkthrough ein Führungsinstrument für nachhaltige Unterrichtsentwicklung. Durch jährlich zehn bis fünfzehn kurze, immer wiederkehrende Unterrichtsbesuche von sieben bis zehn Minuten mit einem schriftlichen oder mündlichen Feedback innerhalb von 24 Stunden kann die Schulleitung Einblick in das Lehren und Lernen an der Schule nehmen. Die Besuche sind nicht angekündigt, das Schulzimmer wird ohne anzuklopfen betreten. Damit der Unterricht nicht gestört wird, gibt es keine Begrüssung und keine Verabschiedung. Die Schüler sind darüber informiert.
(...)

LESERBRIEFE:

____
21. September 2015
Classroom Walkthrough: Neues "Führungsinstrument" für Schulleiter

Die Thurgauer Schulleiter haben ein neues Führungsinstrument, das sich Classroom Walkthrough nennt. Dabei handelt es sich um ein Kontroll-Instrument, das bereits in den USA angewendet wird. Es gibt dazu auch schon eine entsprechende App fürs Handy. Wie funktioniert Classroom Walkthrough? Die Schulleitung besucht die Lehrkräfte 10 bis 15 Mal pro Jahr während 7 bis 10 Minuten. Die Lehrkräfte erhalten innerhalb von 24 Stunden ein schriftliches oder mündliches Feedback. Der Besuch ist nicht angemeldet, das Schulzimmer wird ohne anzuklopfen betreten. Es gibt keine Begrüssung und auch keine Verabschiedung.

Es scheint mir ungeheuerlich, was da passiert: Erstens ist es stillos, einfach in eine Lektion hineinzutrampen ohne anzuklopfen und ohne begrüsst zu werden. Die Klassengemeinschaft hat für mich auch immer etwas Beschützendes - hier soll niemand exponiert werden und die Schüler und der Lehrer sollen sich sicher fühlen. Zweitens fehlt mir bei vielen Schulleitern die pädagogische Qualifikation. Weshalb sollten sich gute Lehrer jemandem unterordnen, der aus dem Klassenzimmer geflüchtet ist? Drittens wäre es illusorisch, das als Qualitätssicherung oder Weiterbildung anzusehen. Classroom Walkthrough ist ein Machtinstrument, welches das Gefälle zwischen Lehrer und Schulleitung verstärkt. Gehen Sie doch mal aufs Erziehungsdepartement Ihres Kantons und machen dort einen klassischen Walkthrough durch die Büros und senden danach per Email ein Feedback. Classroom Walkthrough macht deutlich, bei wem die Macht liegt.

Das Vorgehen der Thurgauer Schulleiter hat etwas Verzweifeltes: Der nächste Schritt wäre dann das gläserne Klassenzimmer, das dank Kameras jederzeit vom Schulleiterbüro aus einseh- und hörbar ist. Wollen wir das wirklich? (uk)
Quelle: http://schuleschweiz.blogspot.ch/2015/09/thurgauer-schulleiter-stutzen-lehrplan.html
___

Lernen ist etwas anderes als aus dem Internet kopieren

Regierungsrätin Knill und ihre Experten scheinen sich nicht so sicher zu sein, dass ihre Vorstellungen vom zukünftigen Unterrichten bei den Lehrern breite Zustimmung finden. Der mit tausenden von Kompetenzen völlig überladene LP21, der die einzelnen Fächer völlig verhackstückt und gleichzeitig überfrachtet, ist nicht praxistauglich.

Er verhindert ein systematisches, zusammenhängendes Erlernen der Grundfertigkeiten, die man als Staatsbürger und im Beruf braucht. Der LP21 überfordert viele Schüler, da er das eigenständige individuelle Lernen favorisiert.
Er verhindert damit seinen Verfassungsauftrag, die Ziele der Bildungsstufen bundesweit anzugleichen. Es sei denn, man versteht darunter völlig individuelle Lernstände als allgemeingültiges Ziel.

Aufgrund der Proteste aus der Lehrerschaft wird immer wieder betont, dass die Unterrichts- und Methodenfreiheit der Lehrpersonen auch in Zukunft gewahrt blieben. Diese Beruhigungspille schluckt jedoch kein Lehrer, der den LP21 wirklich gelesen hat und dann z.B. feststellt, dass sein Fach Geschichte im Konglomerat NMG (Natur – Mensch – Gesellschaft) untergeht.
Etwa Schweizer Geschichte soll erst ab der 7. Klasse in kürzester Zeit und in einem Wust von hochanspruchsvollen Fragen vermitteln werden. So sollen Schüler in der Pubertät „eine kurze historische Darstellung einer ausgewählten Region vom Beginn der Neuzeit bis heute verfassen“ können. Lernen ist jedoch etwas anderes als die „Kompetenz“, etwas aus dem Internet herauszukopieren.
Um die Lehrerschaft auf Kurs zu bringen, sollen nun die Schulleiter mittels „Classroom Walkthrough“ (Thurgauer Zeitung 4.9.2015) kontrollieren, ob die Lehrer fragwürdige „offene Lernformen“ verwenden und die Schüler genügend Zeit haben, „ihre Arbeiten in ihrem eigenen Tempo zu erledigen“.

So jedenfalls bringt es ihnen Ex-Lehrer Schwendener bei, der seine Kontrollgangmethode für 450 Sfr pro Person nun an die Thurgauer Schulleiter verkauft. Hauptsache es klingt amerikanisch und kommt von da…
Georg Koch, Stettfurt
___

Widerstand gegen den Lehrplan 21, Leserbrief Thurgauer Zeitung, 18.9. von Lutz Wittenberg

Einmal mehr dürfen wir lesen, dass sich die Schulleiter für den Lehrplan 21 einsetzen. Eigentlich klar, wenn man überlegt, dass sie die Weisungen des Volksschulamtes transportieren müssen – dafür wurden sie ja geschaffen. Ausserdem will sich der Verband gegen Unwahrheiten einsetzen! So, so – begründete Kritik glaubt man so loszuwerden? So einfach wird dies nicht, denn der Widerstand gegen den Lehrplan 21 ist personell und inhaltlich sehr breit abgestützt/siehe http://www.gute-schule-tg.ch

Ein Hauptkritikpunkt an dieser radikalen Schulreform lautet, dass die Lehrpersonen dadurch noch mehr gezwungen würden, Schüler allein an ihren Kompetenzaufgaben herumpröbeln zu lassen – „selbstgesteuerter“ oder „offener“ Unterricht heisst das dann. „Unwahrheit!“, heisst es dann wahrscheinlich vom Schulleiterverband, im Lehrplan stünde ausdrücklich etwas von Methodenfreiheit des Lehrers.
Doch erstens kann man das Vorantreiben „offener“ Unterrichtsformen im Lehrplan selbst zeigen. Zweitens heisst es in der Vernehmlassungsantwort des Lehrerverbands LCH: „Die ‚Methodenfreiheit‘ der Lehrpersonen wird stark relativiert.“ Und drittens wird es noch interessanter, wenn man den Artikel weiter liest, was an der Schulleitertagung gelaufen ist. Man habe das Führungsinstrument „Classroom Walkthrough“ kennengelernt: Der Schulleiter soll jeden Lehrer zehn- bis fünfzehnmal unangemeldet für ein paar Minuten im Unterricht besuchen. Schon wieder eine neue Kontrollform, die die Lehrpersonen in eine modernistische Richtung zwingen soll.

Interessant ist die Homepage des Referenten, der die Schulleiter dieses Führungsinstrument beigebracht hat. Dort findet man einen exemplarischen Bogen mit Aspekten, auf die die Schulleiter bei diesen Besuchen achten sollen. Einer von vier fragt, ob „offene“ Lernformen angewendet werden. Wohin die Bildungsbürokratie will, ist folglich klar! Also: Gibt es jetzt Methodenfreiheit oder nicht? Offensichtlich nicht. Leider müssen wir damit rechnen, dass berechtigte Kritik am Lehrplan 21 als Unwahrheit abgetan wird, weil die Befürworter keine guten Argumente haben. Zum Glück werden wir im Thurgau über dieses Schulreformwerk abstimmen können.


Wir befinden uns in der direkdemokratischen, neutralen, bewaffneten Eidgenossenschaft. Wir schreiben das Jahr 2015.
In dieser Eidgenossenschaft gibt es vier Landessprachen, Englisch ist nicht dabei.

Diese für eidgenössische Zungen eher ungewohnte oder unaussprechliche Wortschöpfung "Classroom Walkthrough" ist nun der OFFIZIELLE Begriff der thurgauer Bildungsdirektion, der den Schulleitern die nötige Macht verleiht, etwaige unbotmässige Lehrer (die heute Lehrpersonen heissen) und wagen sollten, die Methodenfreiheit für sich in Anspruch zu nehmen, auf den rechten LP21-Weg zu steuern (zwingen).

Classroom-Walkthrough auf Deutsch: Spaziergang durchs Klassenzimmer. Dass sich im Lande Pestalozzis Pädagogen zwingen lassen, dass man ihnen mittels eines angelsächsischen neoliberalen Steuerungsinstruments ihr pädagogisches Selbstverständnis verbietet, nämlich als Person im Klassenzimmer mit allen Sinnen präsent zu sein und die Schüler mit Empathie anzuleiten und eine Klassengemeinschaft zu formen, ist mir unerklärlich.

Nun wird also geprüft, ob der Lehrer tatsächlich die Rolle des "Coach" oder des "Moderator" eingenommen hat. Unangemeldet, ohne anzuklopfen, ohne Gruss tritt der Schulleiter ins Klassenzimmer, macht sein "Walkthrough", macht seine "Look fors", ob die vorgeschriebenen "Offenen Lernformen" durchgeführt werden und gibt innert 24 Stunden sein "Feed-back". Schrecklich!
Willy Wahl, Zürich

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  Fremdsprachen-Initiative Zürich unterstützen!
Geschrieben von: Schulwart - 09-25-2015, 05:58 PM - Forum: Sprachen in der Primarschule - Antworten (1)

[Bild: _fremdsprachen_initiative_logo.png]

Die Unterschriftensammlung für die Fremdsprachen-Initiative Zürich hat begonnen, 
natürlich sind auch Mitglieder der IG Kindgerechte Schule an dieser guten Sache beteiligt:

http://fremdsprachen-initiative-zuerich.ch/

Nur gemeinsam können wir etwas bewegen!

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Question Fragwürdiger neuer Lehrplan
Geschrieben von: HPA - 09-14-2015, 08:37 PM - Forum: Lehrplan 21 - Keine Antworten

Neuer Lehrplan ist fragwürdig

Erinnern Sie sich noch lebhaft an spannende Geschichtsstunden aus der Schulzeit?
Oder kommt eher Missmut auf, wenn Sie an langweilige Lektionen mit seitenlangen Hefteinträgen zurückdenken? Die Antworten werden unterschiedlich ausfallen, denn guter Unterricht hängt von der fachlichen und pädagogischen Kompetenz der Lehrpersonen ab. Die Diskussion um den neuen Lehrplan lässt allerdings oft den Eindruck entstehen, dass gute Bildung primär eine Sache detaillierter Planung sei.

Ein Blick auf den Teillehrplan Geschichte zeigt, wie sich die Bildungsverantwortlichen die innere Reform der Schule vorstellen. Neben vielen einleuchtenden Kompetenzzielen finden sich Ziele, die weit weg von der Welt der Kinder und Jugendlichen sind. Man spürt auf jeder Seite, dass hinter den verschlossenen Türen des letztjährigen EDK-Lehrplankonzils zwischen den Fachwissenschaftern und den Lehrervertretern um praxisnähere pädagogische Vorstellungen gerungen wurde.

Farbige geschichtliche Ereignisse werden zu leblosem Schulstoff, wenn der Ungeist eines wenig altersgemässen Reflektierens überhand nimmt. Die Pädagogen haben leider diese Gefahr nicht beseitigen können. Man reibt sich die Augen, wenn von Sechstklässlern als Grundkompetenz verlangt wird, dass sie bei den Urschweizern „den Weg von einer familienrechtlichen Gesellschaft zu einem Territorialrecht mit rechtstaatlichen Ansätzen erkennen“. Alles verstanden?

Noch kühner ist die Vorstellung, Kinder könnten bereits objektiv die Entstehung der Eidgenossenschaft beurteilen. Die Formulierung, dass „unterschiedliche Sichtweisen von Vergangenheit mit aktuellen Interessen in Zusammenhang stehen“, ist wohl eher ein Kompetenzziel für Lehrpersonen.

Kinder wollen Geschichte in spannenden Erzählungen und eindrücklichen Bildern miterleben. Die Höhepunkte der Sturm- und Drangzeit der Eidgenossenschaft mit den Siegen in den Burgunderkriegen interessieren Primarschüler weit mehr als eine aktuelle politische Deutung der Niederlage von Marignano.

Gut vorbereiteter narrativer Geschichtsunterricht lässt Kinder und Jugendliche in vergangene Zeiten eintauchen und das Wesentliche einer Epoche erkennen. So lässt sich die Zeit vor dem 1. Weltkrieg viel besser verstehen, wenn die Fahrt der Titanic während einer Woche als eine Art Fortsetzungsgeschichte von der Klasse miterlebt wird. Die Dreiklassengesellschaft von damals, die neuste Technik auf dem Schiff, die wirtschaftlichen Interessen der Reederei und das Schicksalshafte jener Fahrt lassen die Jugendlichen nicht unberührt. Die grossen Fragen stellen sich von allein, und dann kann man auch anspruchsvolle Überlegungen anstellen. Akademische Kompetenzziele hingegen sind für einen lebendigen Geschichtsunterricht kaum motivierend.

Für die Schulentwicklung darf der neue Lehrplan nicht unterschätzt werden. Dieser ist die Basis für die didaktische Ausrichtung der Pädagogischen Hochschulen. Eine kritiklose Übernahme des neuen Kompetenzenmodells in Fächern wie Geschichte oder Naturwissenschaften hat erhebliche Auswirkungen auf den täglichen Unterricht. Wünschbar wäre jetzt eine offene Diskussion über bessere kantonale Lehrpläne, damit die nötigen Korrekturen in die Wege geleitet werden können.


Beitrag erschienen in der BAZ am 9.9.15

Hanspeter Amstutz
Tisliacher 23
8320 Fehraltorf

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  Total-Integration produziert Separation
Geschrieben von: Gast - 08-30-2015, 07:22 AM - Forum: Integration - Antworten (5)

Gemäss UN Behindertenkonvention (Artikel 24 Bildung) dürfen Menschen mit Behinderungen nicht vom allgemeinen Bildungssystem ausgeschlossen werden. Integration bedeutet folglich innerhalb, Separation ausserhalb der unentgeltlichen und obligatorischen Volksschule. Sonderschulen und Kleinklassen sind demzufolge mit der UN Behindertenkonvention kompatibel, wenn sie unter dem Dach der Volksschule allgemein zugänglich sind.
 
Die Totalintegration in die Regelklasse, wie sie von Bildungsdirektoren und -politikern angestrebt wird, ist keine Forderung der UN Behindertenkonvention. Wenn heute die totale „Integration“ als das gute, neue System hochstilisiert wird und „Separation“ geradezu als Unwort verdammt wird, hat das rein politische Gründe und dient den behinderten Kindern in keiner Weise. Völlig verantwortungslos ist, dass diese grundlegende Systemänderung nicht zuerst in der Praxis bei einzelnen Versuchsschulen ausprobiert wurde und dass sie nicht wissenschaftlich überprüft wurde. Erst jetzt hat die Universität Tübingen in einer Studie festgestellt, dass das Konzept in der Praxis untauglich ist. Die Frankfurter Allgemeine spricht gar von einem pädagogischen Himmelfahrtskommando.
 
Es zeichnet sich nun offenbar ab, dass die in die Regelklassen integrierten Schüler bei Schulende im Erwerbsleben nicht bestehen können und eine neue bis zum 20. Altersjahr weiterführende Schule als "Separation" (!) aufgebaut werden muss. In diesem Sinne „produziert“ die total integrative Regelschule neue Separation.
 
 
 

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