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  Ökonomisierung und Indoktrination im Klassenzimmer?
Geschrieben von: Schulpfleger - 03-08-2017, 10:58 AM - Forum: Lehrplan 21 - Keine Antworten

Mit dem im Oktober 2016 vom Schweizerischen Lehrerverband LCH herausgegebenen Leitfaden für die „Externe Bildungsfinanzierung“ wird offenbar Wirtschaft und Bildungskonzernen der Weg ins Klassenzimmer geebnet. Jetzt sucht die PH Bern im Auftrag von „EnergieSchweiz“ - beim der auch die Wirtschaft (zum Beispiel Anbieter von Energieunterricht) und Umweltverbände beteiligt sind - Lehrer, die für ein Honorar die vorgefertigten Unterrichtseinheiten der „EnergieSchweiz“ in der Schule ausprobieren oder Lehrplan 21-konforme Unterrichtseinheiten selber herstellen.

Nun wird wohl kaum jemand etwas dagegen haben, wenn die Schüler zu einem schonenden Umgang mit der Umwelt und den Ressourcen angeleitet werden. Problematisch wird es erst dann, wenn dieser Unterricht nicht mehr neutral und ausgewogen erfolgt. Wenn der Unterricht oder die Lehrmittel einseitig, parteiisch oder ohne Pro und Kontra sind, verstossen sie gemäss dem Hamburger Verfassungsrechtler Prof. Dr. Christian Winterhoff gegen das Indoktrinationsverbot. Weil der Staat zur Neutralität verpflichtet ist, müssten sich die Eltern das nicht gefallen lassen, sie hätten das Recht, ihre Kinder von solchem Unterricht befreien zu lassen. Auch Verhaltensänderungen herbeizuführen, wie etwa die „Entwicklung eines nachhaltigen Konsum- und Mobilitätsverhaltens“, ist nicht Sache der Schule sondern des Elternhauses.

Externe Bildungsfinanzierung ist in der Volksschule problematisch, weil im „Gegenzug für die finanzielle Unterstützung“ Zugeständnisse eingefordert werden können, die einen massiven Eingriff in das Berufsbild und das Selbstverständnis des Unterrichtens bedeuten sowie gegen das Neutralitätsgebot verstossen. Die einseitige Propagierung von Lehrplan 21-konformen Unterrichtseinheiten verunmöglicht die freie Methodenwahl. Die Kompetenzorientierung des Lehrplans 21 bedeutet auf der Unterrichtsebene das „selbstgesteuerte Lernen“, das den Lehrer aus dem Lernprozess drängt, weil jeder Schüler mit den Selbstlern-Lehrmitteln oder Tablets alleine im eigenen Tempo lernt. Als Lernbegleiter darf der Lehrer nur „begleiten“ und hat so nicht die Möglichkeit, bei einseitigen Lehrmitteln relativierend oder korrigierend einzugreifen.

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  Fremdspracheninitiative – Deutsch muss auf der Primarstufe wieder Priorität haben
Geschrieben von: Schulpfleger - 03-04-2017, 04:14 PM - Forum: Sprachen in der Primarschule - Antworten (1)

Am 21. Mai wird das Zürcher Stimmvolk über die Volksinitiative «Mehr Qualität – eine Fremdsprache in der Primarschule» abstimmen, die namentlich von Zürcher Lehrerverbänden unterstützt wird. Die Initiative will, dass es in der Volksschule weiterhin zwei Fremdsprachen geben soll, eine davon ab Primarstufe und die zweite (wieder) ab Oberstufe. Für den nationalen Zusammenhalt ist es wichtig, dass Fremdsprachen beherrscht werden und das kann auf der Oberstufe besser gewährleistet werden.

Der Absturz der Schweiz bei Pisa 2012, setzt sich bei Pisa 2015 in allen Fächern unvermindert fort. Besonders schwer wiegt, dass in der Schweiz bereits 20% der 15jährigen ungenügende Grundkenntnisse in Deutsch und Lesen haben. Das kann sich eine Gesellschaft nicht leisten, weil solche Schulabgänger für den Arbeitsmarkt kaum mehr vermittelbar sind und nicht selten bei der IV landen. Seit es auf der Primarstufe zwei Frühfremdsprachen gibt, fristet der Deutschunterricht ein Aschenbrödeldasein. Die auf die Primarstufe verschobenen Fremdsprachen, brauchen dort Zeit und Ressourcen, die jetzt beim Deutschunterricht fehlen. Dabei ist das Beherrschen der Erstsprache (Deutsch) die unbedingte Voraussetzung nicht nur für einen Erfolg beim Erlernen einer Fremdsprache sondern auch für das Sprachverständnis bei alle anderen Fächern (auch den MINT-Fächern!). Die Idee, dass man Fremdsprachen je früher, desto leichter lernt, trifft nur dort zu, wo diese Sprachen auch ausserhalb der Schule täglich gesprochen werden.

Was die Lehrer schon immer feststellen konnten, wurde jetzt auch von der Wissenschaft bestätigt: Der Lernzuwachs bei Fremdsprachen ist auf der Oberstufe überdurchschnittlich gross und effizienter, weil man erst im Oberstufenalter Sprachen analytisch lernen kann. Die Verschiebung einer Frühfremdsprache auf die Oberstufe bringt deshalb nicht nur bessere Qualität und weniger Kosten, sondern macht auch Ressourcen frei, um die mangelhaften Deutschkenntnisse wieder zu verbessern.

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  Demokratische Verankerung der Volksschule vor ihrer Auflösung?
Geschrieben von: Schulpfleger - 02-17-2017, 07:49 AM - Forum: Lehrplan 21 - Keine Antworten

Kürzlich berichteten Forschungsbeauftragte der Pädagogischen Hochschule Bern und dem Zentrum für Demokratie in Aarau über die grossen Umwälzungen durch die radikalen Schulreformen auf lokaler Ebene und ihre grundlegenden Auswirkungen auf die demokratische Verankerung der Volksschule (Limmattaler Zeitung vom 11.2.2017: Bedrängte lokale Schulbehörden). Sie weisen darauf hin, dass in der öffentlichen Diskussion die Ebene der Gemeinden und Schulen vergessen wird, auf der HarmoS, Lehrplan 21, Pisa-Studie und andere Reformen umgesetzt und Schulqualität täglich geschaffen werden muss.

Den Anstoss für die demokratisch bedenklichen Veränderungen sehen sie in der Einführung professioneller Schulleitungen in praktischen allen Kantonen, womit neben der direktdemokratisch gewählten Miliz-Schulbehörde (Schulpflege, Schulkommission), die in ehrenamtlicher Arbeit die Schule bisher führte und beaufsichtigte, eine zweite Instanz installiert wurde. Dabei wurden der Schulbehörde die operative Führung und viele Kompetenzen weggenommen und auf die von der Exekutive eingesetzten und gesteuerten Schulleitungen übertragen.

Die Einführung von Schulleitern und der Abbau der Miliz-Schulpflegen erfolgte offensichtlich im Hinblick auf die radikalen Reformen, wie dem Lehrplan 21 und Vorgaben der Wirtschaftsorganisation OECD wie die „Kompetenzorientierung“ nach Weinert. Die Schulleiter müssen mit Hilfe der Mitarbeitergespräche künftig darüber wachen, dass die Lehrer als „Lernbegleiter“ nicht mehr unterrichten, sondern nur noch „begleiten“ und die „Lernumgebung“ für das „selbstgesteuerte Lernen“ bereitstellen. Die Lehrer haben statt mit persönlicher Beziehungen (vor allem mit den Eltern und untereinander) immer mehr mit einer privatwirtschaftlichen Befehlsstruktur (Sitzungen, Mitarbeiterbeurteilung, Evaluation und sogenannte Qualitätssicherung) zu funktionieren.
Inzwischen zeigt sich, dass die Einführung der Schulleiter ein erster Schritt war, um die traditionelle, eigenständige Milizbehörde und steuerberechtigte Schulgemeinden abzuschaffen. In vielen Gemeinden wurde sie in ein nur noch beratendes Organ der Gemeindeexekutive oder das Schulpräsidium als Schulvorstand in die politische Exekutive integriert umgewandelt. Das milizförmig aufgebaute Gemeindewesen ist neben der Schule auch in anderen Bereichen (Gesundheitswesen, Wasser, Strom, service public usw.) den politischen Veränderungen durch die neoliberale Globalisierung (Öffnung von neuen globalen Märkten durch Privatisierung) verbunden mit Demokratieabbau (als sogenannte Handelshemmnisse) ausgesetzt.

Unter dem Vorwand, dass immer weniger Bürger ein Ehrenamt für die Gemeinde übernehmen würden, versucht die politische Gemeindeexekutive operative Aufgaben an sogenannte professionelle Gemeindeverwaltungen oder private Firmen auszulagern, wobei immer „Kostenneutralität“ vorgegaukelt wird. Was manche als schleichende Professionalisierung und Verrat am Milizprinzip kritisieren, bezeichnen andere als einen unumgänglichen Schritt, um zumindest das „Herzstück des Milizsystems“ am Leben zu erhalten können.

Durch den Abbau der Milizbehörden wird engagierten Bürgern als Volks- und Elternvertreter die Möglichkeit genommen, verbindlich auf die Schule Einfluss zu nehmen. Sie können nicht mehr bei Schulzuteilungen, Umteilungen und Übertrittsentscheiden, über die Verfügung disziplinierender Massnahmen, die Anstellung des Schulpersonals oder die Formulierung des Schulprogramms mitbestimmen. Beratende Kommissionen oder Elternräte haben keine verbindlichen Mitwirkungsmöglichkeiten in diesen Bereichen.

Mit der Abschaffung der kollegialen Schulbehörde geht auch die parteipolitische Abstützung verloren, weil die politische Verantwortung für das Schulwesen in einer einzigen Person, dem Schulvorstand in der Gemeindeexekutive, gebündelt ist. Die Legitimierung der Schule in der Öffentlichkeit ist immer weniger gewährleistet. Wenn einer der grössten Ausgabenposten vom Volk nicht mehr beeinflusst werden kann, wenn Steuergelder nicht mehr bei den Schülern und Lehrern ankommen, wenn Bildung abgebaut und die Pisa-Resultate immer schlechter werden, wenn das nötige Vertrauen für den Schulbetrieb in der breiten Bevölkerung nicht mehr sicher gestellt ist, dürften es Investitionen in die Schule immer schwerer haben, vom Stimmbürger abgesegnet zu werden.

Um einen Teil der verloren gegangenen Verankerung im Volk zurückzugewinnen, ist im Kanton Zürich die Initiative «Lehrplan vors Volk» lanciert worden. Der Erlass des Lehrplanes soll von der Verordnungsebene (Bildungsrat, Exekutive) auf die parlamentarische Ebene (Legislative) verschoben werden. Der Kantonsrat soll über den Lehrplan beraten und entscheiden und das Volk hätte mittels Referendum das letzte Wort.

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  „Städteinitiative Bildung“ agiert im Hintergrund
Geschrieben von: Schulpfleger - 02-02-2017, 06:02 PM - Forum: Lehrplan 21 - Keine Antworten

Eine dürre sda-Meldung berichtete kürzlich über den Präsidentenwechsel bei der „Städteinitiative Bildung“. Ansonsten erfährt die Öffentlichkeit kaum etwas von dieser nicht demokratisch legitimierten, meist im Hintergrund agierenden Lobby-Organisation, in der Exekutivmitglieder Schweizer Städte vertreten sind. Zur Legitimierung ihrer vom Steuerzahler bezahlten Lobbyarbeit behauptet die „Städteinitiative Bildung“, der Einfluss der Städte in Bildungsfragen sei zu gering. Damit ist der Einfluss der städtischen Exekutiven und ihrer Verwaltung und nicht etwa derjenige der Gemeindeparlamente oder der Stadtbevölkerung gemeint. Als Lobbyorganisation vertritt die Städteinitiative die Interessen der städtischen Exekutiven und ihrer Verwaltungen auf lokaler, nationaler und internationaler  (OECD, EU usw.) Ebene gegenüber Politik (Parlamente), Medien und Öffentlichkeit (Souverän). Unser direktdemokratisches System – von der Städteinitiative abschätzig als „Parallelstrukturen“ bezeichnet - passt ihnen nicht, weil es bewusst die Macht der Exekutive in Schranken hält.

Deshalb will die „Städteinitiative Bildung“  die nach Abschaffung der Lehrerwahl und der Bezirksschulpflege noch verbliebenen demokratischen Aufsichtsorgane (Schulpräsidenten, Schulpflege, Schulkommissionen) innerhalb der Städte abschaffen und nur noch als ihr unterstellte Angestellte wie Schulleiter, Lehrer, Schulevaluationsteam dulden. Unter Umgehung der Gemeinde- und Kantonsparlamente sowie ohne öffentliche demokratische Diskussion versuchen sie im Hintergrund die Weichen nach ihren eigenen Interessen zu stellen. Ein besonderer Dorn im Auge ist ihnen die demokratisch gewählte Schulpflege, die als Volks- und Parteienvertreter die Aufsicht  über die Volksschule  wahrnimmt.

Die «Städteinitiative Bildung» hat neben der Abschaffung der Milizschulpflegen ein ganzes Paket von Forderungen geschnürt: Die Schule soll allein der  Exekutive unterstellt werden, damit diese freie Hand  bei der „Schulentwicklung“ (Einführung Lehrplan 21 usw.) habe. Im Berufsauftrag der Lehrer wollen sie ausgeprägte Kompetenzen im Umgang mit unterschiedlichen Kulturen und Wertehaltungen festschreiben. Der Stadtbevölkerung (urbane Gesellschaft) wollen sie eine „gelebte Heterogenität“ vorschreiben, weil sie „nur in einer mobilen und international vernetzten Welt bestehen könnten“. Die „Frühförderung bei sprachlichen und sozialen Kompetenzen“ sei systematisch auszubauen, weil sie Schlüssel für eine positive Schullaufbahn seien. Altersdurchmischtes Lernen soll wie in der (vom Zürcher Stimmvolk abgelehnten!) Basis/Grundstufe „Ausdruck eines konstruktiven Umgangs mit Vielfalt“ sein, das angeblich „die Chancengerechtigkeit erhöhe“. Gegliederte, leistungsorientierte Schulen, Sonderschulen und Kleinklassen („frühe separierende Übertritte“) sollen vermieden werden, weil sie angeblich stigmatisieren und benachteiligen. Jedoch sollen die Leistungen der Schulen systematisch mit einem Bildungs-Monitoring erfasst werden, das Qualitätsentwicklung ermöglichen würde. Zeugnisse sollen mit dem Kompetenzraster (Kompetenzorientierung) ausgestellt werden. Umfassende Tagesbetreuung (auch in der Ferienzeit) und Tagesschulen seien eine „Chance für eine ganzheitliche Entwicklung und Förderung“ und ermöglichen den Müttern berufstätig zu bleiben (!). Lehrpersonen sollen neben der Unterrichtszeit zu einer gewissen Präsenzzeit in der Schule verpflichtet werden, um „ihre Mitverantwortung am Gesamtwohl einer Schule zu stärken“.

Es wäre interessant, der Frage nachzugehen, warum die gesellschaftsverändernden Positionen der von rot-grünen Städten dominierten «Städteinitiative Bildung» ausgerechnet und weitgehend mit denjenigen der Wirtschaftsorganisation OECD und globaler Bildungskonzerne übereinstimmen? Ein Hinweis findet sich bei der OECD-Kompetenzorientierung (nach Weinert, wie beim Lehrplan 21), mit der Motivation, Willen und soziale Bereitschaften verändert werden sollen.

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  Harmonisierung und Lehrplan 21
Geschrieben von: Lehrer - 01-22-2017, 07:50 PM - Forum: Lehrplan 21 - Keine Antworten

Kein Lehrplan 21 der Beliebigkeit

Man erinnert sich: Hauptsächlich damit Familien und insbesondere die betroffenen Kinder bei einem Kantonswechsel den Anschluss in der Schule besser finden können sollten, wurde vor Jahren die landesweite Vereinheitlichung des Schuljahresbeginns beschlossen. Diesem Ziel dienten auch einige Anpassungen in den kantonalen Lehrplänen, wodurch sich die jeweiligen Jahresprogramme und konkreten Lernziele weiter zeitlich gegenseitig annäherten (Beispiel Kanton Zürich: Im Fach Mathematik wurden in den Neunzigerjahren die dreijährigen Stufenziele in stoffliche Jahresziele umgewandelt.) Durch diese Harmonisierungsmassnahmen konnten die vielen strukturellen Unterschiede und Hürden rund um die Schule über alle Kantonsgrenzen hinweg deutlich abgebaut werden, ohne die kantonalen Bildungshoheiten zu verletzen.

Heute ist im Zusammenhang mit der geplanten Einführung des neuen Lehrplans 21 wieder viel von Harmonisierung die Rede. Ich frage mich nur, welche Harmonisierung denn nun gemeint ist. Um weitere kantonsübergreifende Erleichterungen im Schulalltag jedenfalls kann es nicht gehen: Konkrete stoffliche Lernziele fehlen gänzlich, dafür finden sich durchgehend viele hundert, oft sehr schwammig formulierte Kompetenzen in Form von „Können“-Beschreibungen. Diese sollen festhalten, welche „Kompetenzen“ (nicht Fähigkeiten oder Fertigkeiten!) anzustreben sind. Was aber genau mit „Kompetenzen“ gemeint ist, habe ich auch nach langen Recherchen weder gefunden noch plausibel erklärt bekommen. Somit lässt deren Interpretation einen riesigen Spielraum offen. Aber was auch immer damit gemeint ist: Es soll nun neu in sogenannten Vierjahres-Zyklen erreicht werden, kaum mehr strukturiert und schon gar nicht mehr pro Schuljahr! Da für mich als Lehrer per Gesetz immer der jeweils gültige Lehrplan verbindlich und verpflichtend war und ist, kann auch der Verweis auf die Lehrmittel nicht überzeugen, welche sich zudem immer mehr Richtung Stoffsammlung, Vorschläge und Themenangebote entwickeln, deren Auswahl und Reihenfolge für die Lehrpersonen nicht zwingend sind. Da tun mir angesichts unserer heutigen mobilen Arbeitswelt die vielen Familien jetzt schon leid, die dann in einem neuen Kanton den Anschluss in der Schule wieder finden müssen!

Nein, um das Wohl von Kindern und Eltern geht es mit dem neuen Lehrplan 21 offensichtlich nicht; bezeichnenderweise ist er denn auch keineswegs aus einem schulalltäglichen Bedürfnis an der Basis –– sprich: Eltern, Schüler, Lehrerschaft –– entstanden, sondern wird vornehmlich von Politikern, sogenannten Bildungsexperten und Bildungsverwaltungsbürokraten propagiert. Ob es mit der behaupteten Harmonisierung und Zwängerei von oben nicht vielmehr um etwas ganz Anderes geht, nämlich darum, das schweizerische Schul- und Bildungswesen in weiteren Schritten noch EU-kompatibler zu machen, um es dereinst im geplanten Rahmen der OECD als privatisierter landesweiter Dienstleistungsbetrieb auf dem internationalen Markt verkaufen zu können –– etwa so, wie es zum Beispiel mit der sogenannten Stromliberalisierung bereits weit gediehen ist? Die internationalen Abkommen in diese Richtung sind schon erschreckend weitgehend vorbereitet, die seinerzeitige Bologna-Reform zum Bildungswesen, von Frau Altbundesrätin Dreifuss über das Volk hinweg eingeführt, war dazu nur ein Anfang. Um diese verhängnisvolle weitere Entwicklung zu stoppen, kann ich nur empfehlen, in den Abstimmungen zum Lehrplan 21, welche aufgrund verschiedener Volksinitiativen in vielen Kantonen bevorsteht, eine deutliche Ablehnung des Lehrplans 21 zum Ausdruck zu bringen.  Unsere künftigen Schülergenerationen werden es uns danken! Kein Lehrplan 21 der Beliebigkeit!

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  Radikale Schulreformen 2006-2016
Geschrieben von: Schulpfleger - 12-26-2016, 03:28 PM - Forum: Lehrplan 21 - Keine Antworten

2006 nahm das Volk den Bildungsartikel unter dem Schlagwort „Harmonisierung“ an, in der Meinung, damit würden nur Schulanfang und Bildungsziele angeglichen. Im gleichen Jahr begann ein kleines Projektteam von Experten für „Kompetenzorientierung“ mit der Ausarbeitung der Grundlagen für den Lehrplan 21. Im gleichen Jahr begann die Gemeinde Uetikon am See mit der Planung des „selbstgesteuerten Lernens“, damit die Schule im Dorf bleiben durfte. Alles Zufall? Honi soit qui mal y pense!

Natürlich wusste man damals noch nicht, dass „Harmonisierung“ eines von drei Zielen der Wirtschaftsorganisation OECD war, um den globalen Bildungsmarkt zu „öffnen“, mit der Vision, den Lehrer dereinst durch die gleichen Computerprogramme  weltweit zu ersetzen. Mit dem Pisa-Schock hatte die OECD bereits eine  weltweite Reformwelle in Gang gesetzt, bei der die traditionellen Bildungssysteme mit der OECD-Kompetenzorientierung ersetzt wurden, was allerdings im Pisa-Ranking zu einer Abwärtsspirale (Beispiel Finnland, Neuseeland usw.) führte, die immer weitere Reformen auslöst. Selbst heute weiss kaum jemand, dass die OECD-Kompetenzorientierung (nach Weinert) mit dem „selbstgesteuerten Lernen“  in den Grundlagen des Lehrplans 21 als die alleinige „zeitgemässe“ Methode verankert wurde. Damit werden Klassenunterricht, Methodenfreiheit und Lehrer durch das selbstgesteuerte, individuelle Lernen mit Computerprogrammen abgelöst.

Zehn Jahre später:
2016 ebnet die Schweizerische Lehrerdachorganisation LCH mit ihrem Leitfaden „Externe Bildungsfinanzierung“ den globalen Bildungskonzernen den Weg ins Klassenzimmer. Im Oktober 2016 kündigte die Bundesbildungsministerin Johanna Wanka den „Digitalpakt#D“ an: 40.000 Schulen in Deutschland sollen in den nächsten fünf Jahren mit Computern und WLAN ausgestattet werden. Im „Gegenzug für die finanzielle Unterstützung“ werden Zugeständnisse eingefordert, die einen massiven Eingriff in das Berufsbild und das Selbstverständnis des Unterrichtens bedeuten. Lehrerinnen und Lehrer sollen z.B. für den Einsatz digitaler Medien im Unterricht ausgebildet werden. Das verkürzt auf digitale statt allgemein „Medien im Unterricht“. Zugleich wird Digital- als Medientechnik im „Unterricht“ verpflichtend vorgeschrieben (siehe Analogie zum Lehrplan 21), was ein direkter Eingriff in die Lehr- und Methodenfreiheit der Lehrenden ist.

2016 sind bei den Lehrplan 21-„Versuchs“schulen wie der Sek Ossingen Lehrer und Klassenunterricht abgeschafft. „Lernbegleiter“ und „Lernende“ sitzen meistens vor  Computer und Tablet. Der isolierte digitale Monolog wirkt sich besonders verheerend auf die Sprachfächer aus. Im gleichen Jahr stürzt die Schweiz bei Pisa überall ab, 20% der Schulabgänger sind kaum mehr vermittelbar, weil ihnen Grundkenntnisse fehlen. Zufall oder schlechtes Omen?

Die neoliberale Ökonomisierung (Privatisierung) der Bildung ist in den letzten zehn Jahren weiter fortgeschritten: Die Umsätze des globalen Bildungsmarktes sollen von 4.5 Billionen im Jahr 2012 auf 6.4 Billionen USD im 2017 gesteigert werden.

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  „Selbstgesteuertes Lernen“ mit Lehrplan 21 – das Ende des Lehrerberufes!
Geschrieben von: Schulpfleger - 12-23-2016, 04:07 PM - Forum: Lehrplan 21 - Keine Antworten

Seit 2007 wird an der Sekundarschule Uetikon am See mit dem umstrittenen „selbstgesteuerten Lernen“, als heimliche Versuchsschule für den Lehrplan 21, experimentiert. Mit der vom Kanton verordneten Umstellung auf sogenannte Vollzeiteinheiten (VZE) bekam die Sekundarschule Uetikon mit 140 Schüler plötzlich eine kritische Grösse. Die Gemeindebehörden hatten nur noch  die Wahl, die Schule zu schliessen (mit Nachbargemeinden zu fusionieren) oder sich auf das Experiment des „selbstgesteuerten Lernens“ einzulassen, wobei in letzterem Fall offenbar die VZE-Regel nicht mehr galt. Man hatte ihnen ein Modell versprochen, das Freude am Lernen und die Selbststeuerung des Lernens im Zentrum haben sollte und die Schüler optimal auf ihre künftige Tätigkeit in der Berufswelt oder weiterführenden Schulen vorbereiten würde.

Anfängliche Kritik von Eltern und erfahrenen Lehrern an dem radikalen Experiment, sollen Schulpflege und Schulleitung immer wieder mit dem Hinweis auf den angeblich veralteten «Frontalunterricht» begegnet sein. Während der Exodus Richtung Privatschule schon in vollem Gange war, wurde das umstrittene Experiment mit dem schülerzentrierten Unterricht» ausländischen Besuchern als grosser Erfolg vorgeführt.

Bereits nach zwei Jahren des Experimentierens, kam der Eklat. Im September 2009 gelangten betroffene Schulabgänger der Sek A in Uetikon an die Öffentlichkeit (Tages-Anzeiger vom 30. September 2009: Uetikon ZH - Schulabgänger kritisieren «selbstgesteuertes Lernen»). Sie beklagten sich, weil sie wegen dem wenig effizienten „selbstgesteuerten Lernen“ mit massiven Bildungsdefiziten ins Berufsleben starten mussten. Sie hätten in der Schule nichts mehr gelernt und seien von den Lehrern kaum mehr kontrolliert worden. Trotzdem erhielt die Problemschule Sek Uetikon am 2. Dezember 2009 den Förderpreis der Stiftung Mercator und wurde von der PH Zürich als „innovatives Schulprojekt zur „Nachahmung empfohlen. Im Sommer 2010 verliessen sechs Lehrpersonen sowie der Schulleiter die Sekundarschule Uetikon, darunter drei Lehrpersonen, die von Anfang an am Projekt «selbstgesteuertes Lernen» mitgearbeitet hatten.

Angehenden Lehrern wird an pädagogischen Hochschulen beigebracht, dass „guter“ Unterricht „selbstorganisiert“ und „altersdurchmischt“ sei.  Nach vorherrschender Lehrmeinung „vorbildliche“ Schulen wie Neftenbach, Uetikon, Niederhasli usw. werden regelmässig mit Preisen von Stiftungen ausländischer Konzerne überhäuft. Dies nicht etwa, weil die Schüler dort besonders gut wären, sondern weil die Juroren eigene «Beweise» konstruierten wie «offene, freundliche Gesichter» oder ein «angstfreies Klima». Dass Schüler und Eltern Streiks und Demonstrationen gegen das selbstorganisierte Lernen vom Zaun brachen oder Schüler scharenweise an Privatschulen wechseln, spielt bei den Ehrungen offensichtlich keine Rolle.

Nun soll das umstrittene „selbstgesteuerte Lernen“ mit dem Lehrplan 21 als „zeitgemässe“ „Lern“methode in der ganzen Deutschschweiz flächendeckend eingeführt und das bewährte Schweizer Bildungssystem samt Klassenunterricht und qualifizierten Lehrern - möglichst am Volk vorbei -  abgeschafft werden.

Es ist unverständlich, dass mehrheitlich linke und linksliberale Parteispitzen den Lehrplan 21 immer noch befürworten und damit ihre Lehrer – 80% sollen linksorientiert sein – im Stich lassen und das, obwohl rund 70% von 1200 Aargauer Lehrern von der Primar- bis zur Mittelstufe in einer Umfrage das „selbstgesteuerte Lernen“ - den zentralen Punkt bei der Lehrplan 21-Reform - klar abgelehnt haben.

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  PISA 2015 – traditionelle Bildungssysteme an der Weltspitze
Geschrieben von: Schulpfleger - 12-14-2016, 02:38 PM - Forum: Lehrplan 21 - Keine Antworten

Während die asiatischen Länder mit ihren traditionellen Bildungssystemen weiterhin Weltspitze sind, stürzen die westlichen Länder, die ihr Bildungswesen auf die neoliberale „OECD-Kompetenzorientierung“ radikal umgebaut haben, seit Jahren beim  Pisa-Ranking immer weiter ab.  

Was ist das Geheimnis des schulischen Erfolgs der asiatischen Spitzenländer? Bei ihnen wird beim Lernen die Beziehungsorientierung hochgehalten. Sie streben eine breite Allgemeinbildung mit der Sozialform des Klassenunterrichts an, wo der Lehrer erklärt und die Schüler zusammenfassen. Dabei erfolgt die Integration verschiedener Meinungen. Gesunder Wettbewerb ist nicht verpönt. Schulische Leistungen bestehen primär darin, sich möglichst viel vom Wissen des Lehrers anzueignen. Systematisches Auswendiglernen und Verinnerlichen gilt als sehr wichtig. Dabei kommen Techniken des Memorierens zur Anwendung, bei denen eine möglichst umfassende Darstellung der Lehrinhalte, durch entsprechende Dokumentation zum Auswendiglernen angereichert wird. Als Persönlichkeitsideal gilt Bescheidenheit, soziale Verantwortung und Vertrauen, Selbstbeherrschung und Konflikttoleranz sowie Respekt und Höflichkeit. Autorität muss nicht weiter legitimiert werden. Die Lehrer haben in allen asiatischen Ländern traditionell ein hohes Ansehen.  Je mehr ein Lehrer weiss und weitergibt, desto mehr Achtung wird ihm gezollt.

Das sind alles Merkmale, die auch in der europäischen Bildungstradition bis in die 1990er Jahre einen hohen Stellenwert hatten. Die radikale Wende wurde von der 1961 gegründeten Wirtschaftsorganisation OECD eingeleitet, als dort die Chicagoer Schule mit ihrem Neoliberalismus Einzug hielt.  Obwohl die Chicago Boys von der blutigen Militärdiktatur in Chile in den 1970er Jahren freie Hand erhielten, alle staatlichen Institutionen inklusive Bildungswesen nach ihren neoliberalen Wirtschaftstheorien radikal umzubauen und für den globalen Markt zu privatisieren, scheiterten sie kläglich und hinterliessen einen Scherbenhaufen, vom dem sich Chile bis heute nicht erholt hat.  Selbst die grösste Weltwirtschaftskrise 2008 mit dem Scheitern der „Globalisierung“ hat nicht zu einem Umdenken bei der neoliberalen Ausrichtung der OECD auf die globalen Bildungskonzerne geführt, die diesen weltweite Umsätze von über 6000 Milliarden USD pro Jahr bringt.

Mit ihrer neoliberalen „Kompetenzorientierung“, die die OECD vom Psychologen Weinert 1999 „konstruieren“ liess, wird seither in einem OECD Land nach dem anderen das bewährte Bildungswesen samt Klassenunterricht und Lehrer abgeschafft. Der Klassenunterricht wird mit dem umstrittenen „selbstgesteuerten Lernen“ ersetzt, das einen Wissensabbau von mindestens 50% bringt und in den „Grundlagen für den Lehrplan 21“ als die „moderne“  Methode propagiert wird. Bei einer kürzlichen Umfrage im Kanton Aargau lehnten rund 70% von 1200 aktiven Primar- bis Mittelstufenlehrer das „selbstgesteuerte Lernen“ ab.

„Vieles, was wir grossartig als „Globalisierung“ und „Anpassung an internationale Standards“ feiern, ist in Wirklichkeit Anpassung an den US-amerikanischen Provinzialismus.“ (G. Fröhlich: Evaluation wissenschaftlicher Leistungen. Schweizerische Gesellschaft für Strahlenbiologie und Medizinische Physik, Bulletin 2/2006)


Zur Methode des Lehrplans 21, dem  „selbstgesteuerten Lernen“, siehe auch das Video => Ich lerne, was ich will!
https://www.youtube.com/watch?v=Y3nR8op9hNg

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  PISA-Absturz - Wissensabbau beim Lehrplan 21 gefährdet die direkte Demokratie
Geschrieben von: Schulpfleger - 12-12-2016, 07:51 AM - Forum: Lehrplan 21 - Keine Antworten

Kürzlich hat der Medienpädagoge Thomas Merz von der Pädagogischen Hochschule (PH) Thurgau in verschiedenen Zeitung für die Medienbildung geworben, die neu im Lehrplan 21 als Pflichtstoff aufgenommen werden soll. Medienpädagoge Thomas Merz fürchtet, dass die Gesellschaft in ein Demokratiedefizit hineinläuft, wenn immer mehr Menschen bei Falschmeldungen („Fake News“) in den Medien nicht mehr zwischen wahr und falsch unterscheiden können. Eine Demokratie – und erst recht eine direkte Demokratie – sei auf Gedeih und Verderb darauf angewiesen, dass Bürgerinnen und Bürger informiert sind.

Interessant ist, dass Merz ein breites Grundwissen voraussetzt, damit man Zusammenhänge erst erkennen kann, Zitat: „Oft wird heute gesagt, wir müssten nichts mehr wissen – wir würden alles im Internet finden. Genau die notwendige Unterscheidung zwischen wahr und falsch ist aber ein wichtiger Grund, warum tragfähiges Grundwissen von zentraler Bedeutung ist: Ich kann fundierte Information nicht von völligen Falschmeldungen unterscheiden, wenn ich nicht über dieses verlässliche Grundwissen verfüge“.

Die  grundlegende Wissensvermittlung ist das zentrale Ziel, das die Lehrer beim bewährten Klassenunterricht anstreben. Wenn der Medienpädagoge nun meint, dass  auch der Lehrplan 21 diese Kriterien erfüllen könne, zeigt es sich, wie weit die PH-Dozenten bereits von der Schulpraxis entfernt sind. In den Pädagogischen Hochschulen wird den Studenten heute  im  Hinblick auf den Lehrplan 21 das pure Gegenteil vermittelt: die „Kompetenzorientierung“ mit den „selbstgesteuerten Lernen“, die der Psychologe Weinert 1999 für die Wirtschaftsorganisation OECD „konstruiert“ hat.

Beim „selbstgesteuerten Lernen“ brauchen die individuell lernenden Schüler mindestens doppelt so lange wie beim Klassenunterricht durch den Lehrer. Damit fällt mit dem Lehrplan 21 mindestens 50% des bisherigen Stoffes weg, Lernziele wie das kleine 1x1 werden in spätere "Zyklen" verschoben oder ganz  fallen gelassen. Als Ausrede für diesen massiven, heimlichen Bildungsabbau werden Lehrerstudenten und Öffentlichkeit so „informiert“, dass Wissensvermittlung heute nicht mehr zentral sei, weil die Schüler ja alles „googeln“ könnten.

Dazu kommt, dass mit dem neuen Pflichtstoff wie Medienbildung und IT und den umstrittenen Frühfremdsprachen noch weniger Zeit bleibt, um die mangelhaften Grundkenntnisse in Lesen und Deutsch zu verbessern. Gemäss Pisa 2015 fehlen diese bei 20% der 15jährigen in der Schweiz, die deshalb kaum mehr für den Arbeitsmarkt vermittelbar sind.  

Würde der Lehrplan 21 flächendeckend eingeführt, wäre mit einem weiteren massiven Pisa-Absturz zu rechnen, wie man das bei anderen Staaten, die auf die OECD-Kompetenzorientierung umgestellt haben - wie dem einstigen Spitzenreiter Finnland –, verfolgen kann.

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  Pisa und der heimliche „Wochenplan“
Geschrieben von: Schulpfleger - 12-07-2016, 03:46 PM - Forum: Lehrplan 21 - Keine Antworten

Enthusiastische Medienberichte über Pisa 2015 können nicht darüber hinweg täuschen, dass die Resultate durchwegs schlechter als bei Pisa 2012 ausgefallen sind und die Schweiz  von Rang 14 auf Rang 18 abgerutscht ist bzw. von anderen Nationen überholt wurde. Die dürftigen Erklärungen zu diesem Absturz sind nicht nachvollziehbar. Das Tabuthema Reformen als mögliche Ursache von Leistungsverschlechterungen wird hierzulande nicht berührt. Dabei zeigt der IQB-Ländervergleich 2015 in Deutschland, dass die besten Länder diejenigen mit am wenigsten Reformen sind: Mit seinen radikalen Schulreformen  („Gemeinschaftsschule“ mit OECD-Kompetenzorientierung nach Weinert) stürzte der frühere Spitzenreiter Baden-Württemberg völlig ab. Bis die Auswirkungen von Reformen sich auf das Pisa-Ranking auswirken, dauert es gemäss Bildungsexperten ungefähr 10 bis 15 Jahre, weil das bisherige Schulsystem wie beim ehemaligen Spitzenreiter Finnland noch positiv nachwirkt.

Ein möglicher Grund für die Pisa-Verschlechterung der Schweiz kann zum Beispiel die Einführung des „Wochenplans“ sein, der mit dem „selbstgesteuerten Lernen“ fast identisch ist, das gemäss den „Grundlagen für den Lehrplan 21“ (Kompetenzorientierung nach Weinert) als „zeitgemässe Methode“ in der Deutschschweiz flächendeckend eingeführt werden soll. Die „Wochenplanschule“ wurde bei der Schule für Kunst und Sport in Zürich im Schuljahr 1989/90 erstmals eingeführt. In  der Öffentlichkeit ist nicht bekannt, in wie vielen Schulstuben mit dem „Wochenplan“ seither experimentiert wird, ob es je eine unabhängige wissenschaftliche Studie über dessen Auswirkungen gegeben hat und wieviel Stoff bei den betroffenen Schülern „unter den Tisch gefallen ist“. Weil der allein gelassene Schüler beim „selbstgesteuerten Lernen“ für seine Lösung jeweils das „Rad neu erfinden“ muss, dauert es rund doppelt so lange wie beim Klassenunterricht und es kann in der gleichen Zeit etwa 50% weniger Stoff, als beim bewährten Klassenunterricht gelernt werden.

Beim „Wochenplan“ wie beim „selbstgesteuerten Lernen“ erhalten die Schüler am Montag einen kurzen Input und Arbeitsblätter oder youtube-Anleitungen vom „Lernbegleiter“. Bis Ende Woche müssen die Schüler diese dann in einer individuell gewählten Reihenfolge, im eigenen Arbeitstempo, allein oder teilweise in Gruppen abarbeiten.  Die Hilfe des „Lernbegleiters“ soll von den Schülern möglichst wenig in Anspruch genommen und letztlich überflüssig werden.  Die Schüler kontrollieren die gelösten Aufgaben selbst, indem sie am Schluss jedes Kapitels ihr Wissen mit einem Test prüfen. Durch das individuelle Lerntempo wird die Lernstandschere ab dem ersten Schultag immer grösser, ein Klassenunterricht wird verunmöglicht und qualifizierte Lehrer, die alle Schüler gemeinsam unterrichten können, braucht es nicht mehr und werden auch nicht mehr ausgebildet. Klassengemeinschaften werden nicht mehr gebildet und die Vereinzelung nimmt zu. (Hermann J. Forneck: Versuchsschule K und S, Beiträge und Informationen zum K+S Schulversuch, Zürich 1990).

Länder, die die OECD-Kompetenzorientierung nach Weinert eingeführt haben, sind auch beim Pisa 2015 weiter abgestürzt und können sich kaum mehr erholen. Das dürfte auch der Deutschschweiz blühen, falls sie den kompetenzorientierten Lehrplan 21 flächendeckend einführt.

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