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Leserbrief: Wenn "Normale" und andere zusammen zur Schule gehen
#1
Wenn "Normale" und andere zusammen zur Schule gehen


Ich bin Schulpfleger der Gemeinde Stäfa, Präsident des Ressort Schülerbelange und schreibe hier meine persönliche Meinung.

Nach dem Lesen des Berichtes war ich mir nicht ganz sicher, ob ich gerade eine Werbebroschüre des Volksschulamtes gelesen habe oder doch nur ein politisch-dogmatisch gefärbter Schönwetterbericht. Als Schulpfleger erlebe ich das Thema Integration aus der aktuellen Sicht doch etwas anders.
Frau Söldi beschreibt jenen Teil der Integration, der eigentlich unbestritten und durchaus wertvoll ist. Wenn ein klassisch körperlich behindertes Kind in einer Regelklasse unterrichtet wird, dann kann das für alle eine wertvolle Erfahrung sein. Soweit so gut.
Was Frau Söldi ausblendet ist die aktuelle Realität in vielen Klassen. Es geht eben nicht nur um die körperlich behinderten Kinder. Es gibt die krass verhaltensauffälligen, die unreifen, die überforderten, die wenig intelligenten und diejenigen, die unter dem Druck des Elternhauses leiden.Und nun erreichen uns auch noch wöchentlich Syrischen Flüchtlingskinder. All diese Kinder müssen auch in der Regelklasse integriert werden. Meistens gepaart mit einem vom Schulpsychologen vorgegebenen Therapiecocktail. Wer da glaubt, dass einer Lehrperson mit den paar wenigen IF Lektionen wirklich geholfen werden kann, lebt hinter de Mond und hat keine Ahnung, was in der Volksschule abgeht. Wer am Schluss effektiv unter die Räder kommt, ist das breite Klassenmittelfeld. Irgendwann reicht dann die Zeit der Lehrpersonen eben nicht mehr für alle.

Fakt ist, dass der Grundsatz der strikten Integration ein Schönwetter-Konzept ist, das heute in weiten Teilen nicht die gewünschten Ziele erreicht hat, zusätzlich aber einen Blumenstrauss von neuen Problemen und Kosten geschaffen hat. Die Zahl der therapierten und sonderbehandelten Kindern explodiert. Was nicht sein darf, wird totgeschwiegen. Und so bastelt das Volksschulamt munter weiter, gibt hie und da eine nutzlose Studie in Auftrag und die vielen lokalen Schulpflegen jonglieren sich, so gut es geht, durch den Alltag. 

Ich bin ganz klar der Meinung, dass es sinnvoll wäre, wieder über den konsequenten Einsatz von Sonderklassen, Integrations- und Kleinklassen nachzudenken. Die Allmacht der Schulpsychologen muss begrenzt werden und mit den Eltern muss grundsätzlich ehrlicher und direkter kommuniziert werden. Das würde wieder klare Verhältnisse und ein Grundmass an Ordnung schaffen. 
Wie hart muss es doch als Kind sein, tagtäglich in der Regelklasse zu erfahren, dass man nicht genügt, dass man stets zu den Schlechtesten gehört oder, dass man oft Sonderbehandlung in Anspruch nehmen muss? Das alles stigmatisiert was die Kinder auch spüren. Sie leiden darunter und können wenig Selbstwertgefühl aufbauen. Wäre es nicht besser, man würde diesen Kinder innerhalb des Schulhauses wieder separieren und ihnen damit viel Druck und Last von den Schultern nehmen? Ich meine schon.

Martin Kelterborn
8712 Stäfa
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#2
Die Folgen der Total-Integration sind überall spürbar, aber nur wenig dringt an die Öffentlchkeit, weil dies zu einem sofortigen Stopp dieses völlig verfehlten ideologischen und unpädagogischen Experimentes an unseren Kindern führen müsste.  Die flächendeckende Einführung der sogenannten Integration und die Aufhebung von spezialisierten Klein-, Sonder- Einführungsklassen usw. dienen dazu, zusätzliche Heterogenität zu schaffen, in der Meinung, damit „die bestehenden Ungleichheiten in der Beteiligung an schulischen Bildungsgängen zwischen sozialen Gruppen überwinden zu können“.  Die Aufhebung von spezialisierten Klein-, Sonder- Einführungsklassen usw. steht im klaren Gegensatz zu den Vorgaben im Volksschulgesetz.
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