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Kompetenzorientierung und Niedergang des Bildungswesens in OECD-Staaten
#1
Gemäss den „Grundlagen für den Lehrplan 21“ soll das bewährte Schweizer Bildungssystem auf die „Kompetenzorientierung“ (Definition Weinert) der OECD umgebaut werden (https://www.lehrplan.ch/sites/default/files/Grundlagenbericht.pdf).

Die 1961 gegründete Wirtschaftsorganisation OECD will mit der Kompetenzorientierung/-steuerung (Pisa) und dem „selbstgesteuerten Lernen“ den globalen Bildungsmarkt öffnen, der den Abbau der Souveränität der Staaten  zur Folge hat und 2017 über 6000 Milliarden USD Umsätze (Computer, Tablets, Software, fixfertige Unterrichtseinheiten, Testbatterien usw.) für die globalen Bildungskonzerne bringen soll.

Die Mitte der 1960er Jahren in den USA angestossenen Reformen und neuen Lehrpläne führten dort zu einem Niedergang des Bildungswesens, wovon vor allem die schwächeren Schüler betroffen waren. In den 1970er Jahren wurde das weltweit grösste Bildungsexperiment mit 100‘000 Schülern und 1 Milliarde Dollar durchgeführt, um die beste Methode zur Förderung der schwächeren Schüler herauszufinden. Obwohl alle Eliteuniversitäten beteiligt waren, erfüllte nur der „Direkte Unterricht“ (Klassenunterricht) eines Praxislehrers die vorgegebenen Verbesserungsziele in allen Fächern. Trotzdem wurden von den Bildungspolitikern die gescheiterten Methoden finanziell bevorzugt, weshalb sich das tiefe US-Bildungsniveau nie mehr erholt hat.

Inzwischen verabschiedet man sich in den  USA von den bislang als unverzichtbar gewerteten "Kompetenzkonstrukten". Die "Päpstin" der Kompetenzorientierung, Diane Ravitch, gesteht den Irrtum in ihrem neuesten Buch öffentlich ein.

Die Einführung „individualisierter“, „selbstgesteuerter“ Lernmethoden mit „Lernbegleitern“ und der Gesamtschule führte in den 1980er Jahren in Grossbritannien zu sinkenden Leistungen. 1993 machte der Erziehungsguru der Labour-Partei seine eigene Partei für jahrzehntelanges Versagen in der Schulbildung und in der Vermittlung von moralischen Werten sowie dem Imstichlassen von schwächeren Schülern verantwortlich.

1990 wurde in Finnland ein nationaler Lehrplan mit Kompetenzorientierung und Gesamtschule eingeführt. Man wollte eine Abkehr vom bisherigen leistungsfähigen Schulsystem, um „zeitgemässer“ zu werden. Dank dem Nachwirken des alten Schulsystems hatte Finnland bei den Pisa-Resultaten bis 2006 Spitzenplätze belegt. Als jedoch die bisherigen qualifizierten Lehrer mehrheitlich durch neu ausgebildete „Lernbegleiter“ abgelöst waren, stürzte das „Musterland“ bei Pisa 2009 förmlich ab und verlor über 25 Punkte, was einem ganzen Lernjahr entspricht. Inzwischen wendet sich Finnland von der Gesamtschulreform ab und führt wieder Sonderschulen ein.

Im Jahr 2000 führte Neuseeland einen neuen Lehrplan mit Kompetenzsteuerung nach dem Vorbild Grossbritanniens ein. Seit 2002 befinden sich die Pisa-Resultate Neuseelands im freien Fall. Waren 2001 noch 47 Prozent der 12 jährigen Schüler fähig, einfache Multiplikationen durchzuführen, waren es 2009 noch 37 Prozent!

2005 fand in Deutschland die Umstellung auf die Kompetenzorientierung statt. 10 Jahre später sieht die Bilanz für einige Bundesländer vernichtend aus, in vielen Fächern ist es zu einem drastischen Abbau von Fachwissen gekommen. Der ehemalige Spitzenreiter Baden-Württemberg stürzte beim IQB-Ländervergleich 2015 mit seiner "Gemeinschaftsschule" dramatisch ab. Länder mit wenig Reformen schneiden besser ab.

Bei einer flächendeckenden Umstellung auf die OECD-Kompetenzorientierung - wie mit dem  Lehrplan 21 vorgesehen - ist auch in der Schweiz ein drastischer Niedergang des Bildungswesens zu erwarten. Das bewährte Schweizer Bildungssystem darf nicht am Volk vorbei beerdigt werden!
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