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„Städteinitiative Bildung“ agiert im Hintergrund
#1
Eine dürre sda-Meldung berichtete kürzlich über den Präsidentenwechsel bei der „Städteinitiative Bildung“. Ansonsten erfährt die Öffentlichkeit kaum etwas von dieser nicht demokratisch legitimierten, meist im Hintergrund agierenden Lobby-Organisation, in der Exekutivmitglieder Schweizer Städte vertreten sind. Zur Legitimierung ihrer vom Steuerzahler bezahlten Lobbyarbeit behauptet die „Städteinitiative Bildung“, der Einfluss der Städte in Bildungsfragen sei zu gering. Damit ist der Einfluss der städtischen Exekutiven und ihrer Verwaltung und nicht etwa derjenige der Gemeindeparlamente oder der Stadtbevölkerung gemeint. Als Lobbyorganisation vertritt die Städteinitiative die Interessen der städtischen Exekutiven und ihrer Verwaltungen auf lokaler, nationaler und internationaler  (OECD, EU usw.) Ebene gegenüber Politik (Parlamente), Medien und Öffentlichkeit (Souverän). Unser direktdemokratisches System – von der Städteinitiative abschätzig als „Parallelstrukturen“ bezeichnet - passt ihnen nicht, weil es bewusst die Macht der Exekutive in Schranken hält.

Deshalb will die „Städteinitiative Bildung“  die nach Abschaffung der Lehrerwahl und der Bezirksschulpflege noch verbliebenen demokratischen Aufsichtsorgane (Schulpräsidenten, Schulpflege, Schulkommissionen) innerhalb der Städte abschaffen und nur noch als ihr unterstellte Angestellte wie Schulleiter, Lehrer, Schulevaluationsteam dulden. Unter Umgehung der Gemeinde- und Kantonsparlamente sowie ohne öffentliche demokratische Diskussion versuchen sie im Hintergrund die Weichen nach ihren eigenen Interessen zu stellen. Ein besonderer Dorn im Auge ist ihnen die demokratisch gewählte Schulpflege, die als Volks- und Parteienvertreter die Aufsicht  über die Volksschule  wahrnimmt.

Die «Städteinitiative Bildung» hat neben der Abschaffung der Milizschulpflegen ein ganzes Paket von Forderungen geschnürt: Die Schule soll allein der  Exekutive unterstellt werden, damit diese freie Hand  bei der „Schulentwicklung“ (Einführung Lehrplan 21 usw.) habe. Im Berufsauftrag der Lehrer wollen sie ausgeprägte Kompetenzen im Umgang mit unterschiedlichen Kulturen und Wertehaltungen festschreiben. Der Stadtbevölkerung (urbane Gesellschaft) wollen sie eine „gelebte Heterogenität“ vorschreiben, weil sie „nur in einer mobilen und international vernetzten Welt bestehen könnten“. Die „Frühförderung bei sprachlichen und sozialen Kompetenzen“ sei systematisch auszubauen, weil sie Schlüssel für eine positive Schullaufbahn seien. Altersdurchmischtes Lernen soll wie in der (vom Zürcher Stimmvolk abgelehnten!) Basis/Grundstufe „Ausdruck eines konstruktiven Umgangs mit Vielfalt“ sein, das angeblich „die Chancengerechtigkeit erhöhe“. Gegliederte, leistungsorientierte Schulen, Sonderschulen und Kleinklassen („frühe separierende Übertritte“) sollen vermieden werden, weil sie angeblich stigmatisieren und benachteiligen. Jedoch sollen die Leistungen der Schulen systematisch mit einem Bildungs-Monitoring erfasst werden, das Qualitätsentwicklung ermöglichen würde. Zeugnisse sollen mit dem Kompetenzraster (Kompetenzorientierung) ausgestellt werden. Umfassende Tagesbetreuung (auch in der Ferienzeit) und Tagesschulen seien eine „Chance für eine ganzheitliche Entwicklung und Förderung“ und ermöglichen den Müttern berufstätig zu bleiben (!). Lehrpersonen sollen neben der Unterrichtszeit zu einer gewissen Präsenzzeit in der Schule verpflichtet werden, um „ihre Mitverantwortung am Gesamtwohl einer Schule zu stärken“.

Es wäre interessant, der Frage nachzugehen, warum die gesellschaftsverändernden Positionen der von rot-grünen Städten dominierten «Städteinitiative Bildung» ausgerechnet und weitgehend mit denjenigen der Wirtschaftsorganisation OECD und globaler Bildungskonzerne übereinstimmen? Ein Hinweis findet sich bei der OECD-Kompetenzorientierung (nach Weinert, wie beim Lehrplan 21), mit der Motivation, Willen und soziale Bereitschaften verändert werden sollen.
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