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Kommentare zu schulische Integration auf dem Rückzug
#1
Peter Aebersold sagt:
14. Juni 2019 um 9:34 Uhr

Die Integration wurde bei uns von Anfang an falsch verstanden oder falsch umgesetzt. Gemäss UN Behindertenkonvention (Artikel 24 Bildung) dürfen Menschen mit Behinderungen nicht “vom allgemeinen Bildungssystem” ausgeschlossen werden. Die Behindertenkonvention zielte dabei mit ihrem Minimalstandard auf Länder, die Behinderte nicht obligatorisch beschulten oder noch keine spezialisierte, heilpädagogische Bildung anbieten konnten.

Es ist jedoch nicht im Sinne der Behindertenkonvention, wenn Länder heilpädagogisch spezialisierte Einrichtungen (Sonderschulen, Kleinklassen) abschaffen (um Geld zu sparen?), indem sie in die Regelschule “integriert” werden.

“Integration” bedeutet gemäss Behindertenkonvention innerhalb, “Separation” ausserhalb der unentgeltlichen und obligatorischen Volksschule. Sonderschulen und Kleinklassen sind demzufolge mit der UN Behindertenkonvention voll kompatibel, wenn sie unter dem “Dach der Volksschule” allgemein zugänglich sind.

Die “Totalintegration” in die Regelklasse, wie sie bei uns von Bildungsdirektoren und -politikern angestrebt wurde, ist keine Forderung der UN Behindertenkonvention.

Wenn heute die totale „Integration“ als das gute, neue System hochstilisiert wird und „Separation“ geradezu als Unwort verdammt wird, hat das rein politische Gründe und dient den behinderten Kindern in keiner Weise. Völlig verantwortungslos ist, dass diese grundlegende Systemänderung nicht zuerst in der Praxis bei einzelnen Versuchsschulen ausprobiert wurde und dass sie nicht wissenschaftlich überprüft wurde.

Erst jetzt hat die Universität Tübingen in einer Studie festgestellt, dass das Konzept in der Praxis untauglich ist. Die Frankfurter Allgemeine sprach gar von einem “pädagogischen Himmelfahrtskommando”.

Es zeichnet sich nun offenbar ab, dass die in die Regelklassen integrierten Schüler bei Schulende im Erwerbsleben nicht bestehen können und eine neue bis zum 20. Altersjahr weiterführende Schule als “Separation” (!) aufgebaut werden muss. In diesem Sinne „produziert“ die total integrative Regelschule neue Separation.

Bonfranchi Riccardo sagt:
14. Juni 2019 um 9:44 Uhr

Ausführungen von P. Aebersold ist zuzustimmen. Es ist noch hinzuzufügen, dass, wie der emeritierte Professor für Heilpädagogik, Speck aus München, anmerkte, dass es sich bei Integration wohl auch um einen Übersetzungsfehler aus dem Englischen ins Deutsche handelt, weil eine Integration in ein ‘regular school system’ als Integration in die Regelschule verstanden wurde. Regular bedeutet aber letztendlich nur, dass alle Menschen mit einer Behinderung das Anrecht haben, in ein öffentliches, kostenloses Schulsystem aufgenommen zu werden. Von einer Vermischung in die soge. Regelschule, ist da nirgends die Rede. Zumal diese, wie hinlänglich ausgeführt, den besonderen Bedürfnissen (special needs) nie gerecht zu werden vermag.
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