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Immer mehr Analphabeten bei Schulabgängern
#1
Seit 2012 geht es mit den Lesefähigkeiten der Schweizer Schüler signifikant bergab. Mittlerweile liegt die Schweiz sogar unterhalb des OECD-Durchschnitts von 75 Ländern. Das zeigen die Resultate des Leseverstehens, die von PISA 2018 in Abschlussklassen ermittelt wurden. Die dabei gemessenen Fähigkeiten stimmen grösstenteils mit den im Lehrplan 21 gestellten Kompetenzanforderungen überein und dienen daher als wichtige Rückmeldung zum Leseunterricht an Schweizer Schulen. 24 Prozent der Schulabgänger erreichen bloss die unterste von sechs Kompetenzstufen – sie verstehen die wörtliche Bedeutung von Sätzen oder die Hauptaussage von Texten nicht. Wenn wir dazu noch die Schüler im zweittiefsten Niveau addieren, dann liegen wir knapp bei der Hälfte der Schüler.

Jeder erfahrene Lehrer kann bereits ab der 1. Klasse mit grosser Wahrscheinlichkeit vorhersagen, welche seiner Schüler einmal zu den 24 Prozent funktionalen Analphabeten gehören werden. Es sind diejenigen mit Lernschwierigikeiten aus ganz unterschiedlichen Gründen. Allen gemeinsam ist, dass sie sich das Lernen nicht mehr zutrauen, weil sie tagtäglich empfinden, dass sie mit den Klassenkameraden in der Regelklasse nicht mithalten können. Da sie kaum je ein Erfolgserlebnis machen können, werden sie immer entmutigter und ihre Stofflücken immer grösser. Was tun? Der Lehrer kann diese Kinder stundenweise Spezialisten (Heilpädagogen, DaZ usw.) überlassen und sein Lernarrangement überprüfen, ob es für diese Schüler taugt oder kontraproduktiv wirkt, usw. Kann er seine Methodenfreiheit nicht ausüben, müsste er an eine Schule wechseln, wo das noch möglich ist.

Warum hat die Schule vor den Reformen kaum Analphabeten produziert? Schüler mit wenig Deutschkentnnissen wurden in Deutschklassen beschult. Schüler mit Entwicklungsrückständen und langsame Lerner konnten die 1. Klasse in zwei Jahren absolvieren. Für schwache Schüler gab es Kleinklassen mit verschiedenen Niveaus. Wer Ende Schuljahr das Stoffziel nicht erreicht hat, musste unter Umständen eine Klasse repetieren. Jeder Lehrer war darauf bedacht, dass der Lehrer der nächsten Klassen nicht Stofflücken aufholen musste, sondern mit seinem Stoff beginnen konnte. Alles war darauf ausgerichtet, möglichst homogene Klassen zu bilden, um jeden Schüler an einem optimalen, effektiven Klassenunterricht teilhaben zu lassen, bei dem er möglichst viele Erfolgserlebnisse machen konnte. Die sogenannte Separation hat die Chancengleichheit verwirklicht, während die sogenannte Integration ein Heer von Schülern „produziert“, die kaum einen Beruf erlernen können.
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